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Im Rückblick: Die Dresdner Philharmonie - Abschied vom angestammten Saal

Im Rückblick: Die Dresdner Philharmonie - Abschied vom angestammten Saal

Die Dresdner Philharmonie aus einer längeren Lethargie geweckt und zur gewohnten Spielfreude zurückgeführt zu haben, darf sich Chefdirigent Michael Sanderling als Verdienst seiner ersten Spielzeit anrechnen.

Das herausragende Ereignis

Zum Saisonschluss, der für das Orchester auch den Abschied vom angestammten Saal im Kulturpalast bedeutete, gelang Dirigent und Musikern ein Kunststück: Ohne Larmoyanz verabschiedete man sich mit einem außergewöhnlich umfangreichen, aus den drei Solokonzerten Dvoráks bestehenden Programm und einer exzellent gespielten "Zugabe" der Solisten, dem "Dumky"-Trio. Die musikalische Intensität des Abends war grandios. Dass Dvoráks Musik nach wie vor hoch in der Gunst des Dresdner Publikums steht (mehr, mehr...), bewies der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal. Und endlich wurde wieder das Klavierkonzert gespielt, was nicht nur ein Gewinn fürs Repertoire war: Im Pianisten Martin Helmchen hatte dieses Werk einen idealen Interpreten, den man sich in Dresdner Konzerten öfter wünschte.

Überraschendster Künstler

Musiktheater für Kinder ist eine Herausforderung, denn da sitzen ungnädige Kritiker in Scharen vor der Bühne, die unverhohlen bekunden, ob sie begeistert oder gelangweilt sind. Der Prager Komponist Miroslav Srnka traf mit seiner "Comic-Oper" "Jakub Flügelbunt" den Nerv des jungen wie des älteren Publikums. Die Sächsische Staatsoper brachte im Dezember 2011 Srnkas herrlich skurrile Geschichte um jugendliche Ungeduld, Kampfgeist und erste Liebe des zuerst kleinen, dann - der Natur von Vögeln entsprechend schnell - heranwachsenden Vogels Jakub und seiner Freunde als Uraufführung auf die große Bühne. Dass Srnka sein junges Publikum mit zeitgenössischer Musik forderte, statt sich mit einem leichtverdaulichen "Musical" anzubiedern, mochte riskant scheinen. Doch der Komponist täuschte sich weder in der Intelligenz noch in der Fantasie der Kinder und hatte mit seinem Stück bemerkenswerten Erfolg.

Enttäuschte Erwartungen

Flache Drehbücher sucht die Filmindustrie mit der Tiefe dreidimensionaler Kinobilder zu kompensieren, und das Fernsehen zog im letzten Advent nach, indem es dem vorweihnachtlichen Glänzen hochauflösender Großbildfernseher einen dramaturgisch verwaschenen Soundtrack unterlegte. Die regelmäßige Präsenz von Sächsischer Staatskapelle und Dresdner Frauenkirche im ZDF registriert man gern und mit einer gewissen Genugtuung. Doch bleibt zu hoffen, dass die Programmgestaltung künftig beim musikalischen Niveau trotz des Ansinnens einer gewissen "Allgemeinverträglichkeit" wieder oberhalb jener an Beliebigkeit kaum zu überbietenden "Adventlichen Festmusik" des Jahrganges 2011 anlangt.

Was fehlte in der Saison?

Über den Umbau des Kulturpalastes wurde lange diskutiert, es wurde um den abgewohnten Saal getrauert, und es wurde am Ende die Chance verpasst zu zeigen, mit welchem in Vergessenheit geratenen Anspruch der Bau einst in Besitz genommen wurde. Schließlich sollte er mehr als die architektonisch aktuelle Hülle für Veranstaltungen jeder Art sein. Bald nach Eröffnung des Hauses hatte die Orgelbaufirma Gebrüder Jehmlich eine Konzertorgel eingebaut, die mit 24 Registern ein respektables Instrument und als fahrbare Bühnenorgel ein Novum darstellte. Eingeweiht wurde sie am 27. August 1970 vom Leipziger Thomasorganisten Hannes Kästner und der Dresdner Philharmonie unter Leitung von Kurt Masur. Das 1. Zyklus-Konzert des Orchesters im September 1971 enthielt mit dem "Konzert für Orgel, zwei Streichorchester und Pauken - Fünf Dialoge unter Verwendung des alten Da pacem" von Rainer Kunad (1936-1995) die Uraufführung eines für diese Orgel geschriebenen Werkes. Zeitgenössische Musik sollte im Sozialismus fester Teil der Konzerte werden: Kunad schob den SED-Funktionären beiläufig ein in Musik verpacktes Stück Theologie unter. Die Partitur liegt im Archiv der Dresdner Philharmonie, und man hätte dieses starke Werk zur Verabschiedung der Orgel nochmals spielen sollen. Nun verschwindet sie klanglos und unbemerkt nach Cottbus.

Worauf ist die Vorfreude groß?

Die "Konzerte in der Schlosskapelle" des Dresdner Hofmusik e.V. als Reihe für "Alte Musik" sind der Bauarbeiten im namengebenden Raum wegen schon länger ebenso in der Stadt auf "Wanderschaft", wie es die Philharmonie ab der kommenden Saison während des Umbaues des Kulturpalastes sein wird. Bald sind also parallel zwei Räume für Konzerte im Entstehen, die den entsprechenden Genres ideale Bedingungen bieten sollen. Der wiedererstehenden Schlosskapelle als Ort des Ursprungs der Dresdner Musiktraditionen ist wie dem erneuerten Konzertsaal am Altmarkt als Ort des Wiedererblühens der Konzerttradition von Staatskapelle und Philharmonie nach dem Zweiten Weltkrieg zu wünschen, dass alle Erwartungen in Erfüllung gehen. Auch wenn dazu Langmut nötig sein wird.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.07.2012

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