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Im Reich des Sohns der Sonne - Inkaausstellung im bayrischen Rosenheim

Im Reich des Sohns der Sonne - Inkaausstellung im bayrischen Rosenheim

"Das ist nicht das, was ich suche", meinte der Historiker und Abenteurer Hiram Bingham, als er am 24. Juli 1911 auf einem Bergrücken 400 Meter über dem Rio Urubamba die zwar vom Dschungel überwucherte, sonst aber unzerstörte Inka-Stadt Machu Picchu erblickte.

Der Leiter einer Expedition unter der Schirmherrschaft der Yale University und der National Geographic Society hatte an sich das sagenhafte Vilcabamba gesucht, die durch alte Chroniken der Spanier geisternde "Verlorene Stadt der Inkas", die letzte Zufluchtsstätte der "Sonnenkinder". Vilcabamba ist dann - viel später - etwa 80 Kilometer weiter westlich entdeckt worden. Aber die Touristen strömen heute nur nach "machu picchu" (so der Name der Stadt auf Quechua und in etwa mit "alte Bergspitze" zu übersetzen). Es ist - mal abgesehen davon, dass es Weltkulturerbe ist - Perus einträglichstes Freilichtmuseum. Der "Trümmer- bzw. Kulturtourismus" ist Fluch und Segen gleichermaßen. Er bringt zahlungskräftige "turistas" in die heilige Stätte der Inka, aber er verursacht auch enorme Schäden an Gebäuden und terrassierten Hängen.

Machu Picchu spielt natürlich auch eine gewichtige Rolle in der Ausstellung "Inka - Könige der Anden", die bis zum 23. November im Lokschuppen in Rosenheim in Oberbayern zu sehen ist. 150 000 Besucher erwartet man, mindestens. Sollte locker machbar sein, schließlich ist der Mythos von Machu Picchu, dieses Areals voller Häuser, Paläste, Kult- und Grabstätten, Treppen und Terrassen auf gerade mal 500 mal 200 Metern, ungebrochen. Bingham nahm ja noch an, dass Machu Picchu ein von der Inka-Aristokratie gebauter Rückzugsort vor den Spaniern gewesen sei. Heute sind sich die Archäologen weitgehend einig, dass der Ort schon ein Jahrhundert vor der spanischen Eroberung Südamerikas als Weihestätte entstand - erbaut von Pachacútec, unter dem das Reich seine größte Ausdehnung erfuhr.

Einmal mehr setzt man - das hat sich bewährt - auf das Konzept einer Erlebnisausstellung mit aufwändiger Ausstellungsarchitektur, in der nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder auf ihre Kosten kommen. Der Besucher wird anhand der wichtigsten Inka-Herrscher durch die Schau geleitet: Pachacútec, Yupanqui und Tupac Yupanqui. Die bauten nicht nur sukzessive ein Imperium auf, sondern gelten auch als Erbauer von Cusco und Machu Picchu. Die Liste der Leihgeber für die Schau, bei der der Fokus auf der imperialen Phase liegt und in der knapp über 250 Objekte zu sehen sind, liest sich wie das Who-is-Who der Museumslandschaft.

Das Inka-Reich bestand, wie vermittelt wird, aus mehr als 200 ethnischen Gruppen, die in unterschiedlichsten Klimazonen lebten. Der Staat war straff durchorganisiert, auf theokratischer Basis. Die Expansion erfolgte vor allem mit Militärgewalt. Herrscher hatten die Aufgabe, andere Völker "zu zivilisieren", in die pax incaica zu integrieren, zum Ruhme des Staates wie zur Befriedigung der persönlichen Interessen der Herren von Cusco. Den unterworfenen Völkern wurde das politische und wirtschaftliche Modell der Inka aufgezwungen und Quechua als offizielle Sprache postuliert. Lokale Besonderheiten wurden allerdings durchaus respektiert. Das betraf auch die Religion.

Es gab eine ausgeklügelte soziale Hierarchie. An der Spitze thronte der Inka, Mensch und Sonne zugleich, absoluter Herrscher und "Sohn der Sonne", Anfang und Ende aller Dinge. Er verkörperte die höchste politische, wirtschaftliche und militärische Macht im Reich, ging, wie man erfährt, nur in einer Sänfte auf Reisen. Sein Fuß durfte die Erde nicht berühren.

Dann gab es noch den Inka von Hurín, der die priesterliche Gewalt ausübte und den herrschenden Inka in Ausnahmefällen vertreten konnte. Was die Religion angeht, herrschte das Grundprinzip: Die Natur ist beseelt. Steine, Seen, alles lebendig, mit guten wie schlechten Eigenschaften. Berge waren der Inbegriff eines heiligen Ortes, weil sich der Mensch dort den Göttern nähern konnte. Opfern war wichtig, schon um Dank zu sagen. Vor allem dem Gott des Berges wurden regelmäßig Menschenopfer dargebracht, oft Kinder.

Zu den Kostbarkeiten, die ausgestellt sind, zählen entsprechend auch Opferschalen. Ging es ins Jenseits, ob nun abrupt aus dem Leben gerissen oder am Ende eines langen Lebens, dann wurden dem Toten allerlei Gegenstände mit auf die Reise gegeben. Oft Miniaturen. Grundgedanke war, wie vermittelt wird: Die Götter durften nichts erhalten, was die Menschen bereits verunreinigt hatten, indem sie den Gegenstand schnöde bereits verwendet hatten.

Natürlich ist viel Keramik zu sehen. Nie wurden Alltagsszenen abgebildet, stets geht es um Fragen der Religion. Eine Figur zeigt einen Inka, der ein abgetrenntes Bein, wohl eines Lamas, über einer Schulter trägt. Vermutlich ein Indiz dafür, dass es Tieropfer gab.

Auch erstaunlich viele Textilien können präsentiert werden. Die Fülle dekorativer Elemente, die Farbenvielfalt, die Gewandtheit der Ausführung - da kommt kaum etwas auf dem ganzen amerikanischen Kontinent ran. Auch bei der Kleidung waren manche gleicher als gleich in der Inka-Gesellschaft. Besondere Kleidungsstücke wurden aus cumbi oder cumbe gefertigt. Die Bezeichnung stand für einen Stoff höchster Qualität, der nur von der Familie des Inka und Priesterschaft getragen werden durfte. Der Stoff war leicht, fein und warm dazu, gewebt wurde er von erwählten Son- nenjungfrauen aus Alpaka- und Vicunawolle.

Vergleichsweise unscheinbar, trotzdem aber ebenfalls eine Rarität: quipu, Knotenschnüre. Sie waren Buchhaltungssystem, Rechenmaschine und Kalender der Inka, zudem Gedächtnisstütze für Mythen und geschichtliche Inhalte. Die unterschiedlichen Knoten und Farben bedeuteten unterschiedliche Dinge, allerdings weiß man nicht welche. So wie vieles, was die Inka-Kultur angeht, noch nicht gesichert ist.

Bis 23. November, Lokschuppen in Rosenheim, Mo. bis Fr. 9 bis 18 Uhr, Sa., So. und feiertags 10 bis 18 Uhr Tel. 0831/3 65 90 36

www.lokschuppen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.08.2014

Christian Ruf

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