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Im Lipsiusbau Dresden ist Gegenwartskunst aus dem Kunstfonds Sachsen zu sehen

Im Lipsiusbau Dresden ist Gegenwartskunst aus dem Kunstfonds Sachsen zu sehen

Silke Wagler, Leiterin des Kunstfonds des Freistaates Sachsen, hat lange auf dieses Ereignis warten müssen. Nicht, dass die in ihrer Einrichtung verankerten Werke der Gegenwartskunst nicht hier und da in Ausstellungen präsent wären.

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Olaf Holzapfel, White Rabbit, 2007, Acrylglas, Weich-PVC, Lack. Förderankauf der Kulturstiftung Sachsen, 2009.

Quelle: Herbert Boswank

Gleichwohl: Die gestern unter dem Motto "jetzt hier - Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds" im Lipsiusbau auf der Brühlschen Terrasse eröffnete Schau verkörpert eine neue Qualität. Der Kunstfonds - integriert in die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, zugleich "Kunstausstatter" für die Staatsregierung und ihre Institutionen sowie Bewahrer eines beträchtlichen Bestandes von Kunst aus DDR-Jahren - zeigt sich erstmals an so prominenter Stelle und zugleich so überzeugend als Standort jüngster Kunst aus Sachsen.

Auch wer nur flüchtig einen Blick in die Runde wirft, wird Namen versammelt sehen, die seit den 1990er Jahren von Dresden oder Leipzig aus - gewiss in Abstufungen - in die internationale Kunstwelt vorstießen, ja den Kunstmarkt "eroberten": Da hängt Frank Nitsches Bild "WD XI" (1998) neben Neo Rauchs "Die große Störung" (1995), daneben entdeckt man Rosa Loys frühe "Zwei Birnen"(1997) und Sophia Schamas "Technoide Landschaft 2" (1997), beim Weitergehen auch Thomas Scheibitz' Arbeiten von 1998 oder andernorts Eberhard Havekosts Serie "Langeweile" (1996). Olaf Holzapfel ist ebenso vertreten wie Thomas Baumgärtel oder David Schnell. Außer den Malern zeigen sich Fotografen wie Matthias Hoch ("Brüssel # 17", 2001) und Thomas Florschuetz. Man begegnet zudem Grafischem mit ganz erstaunlich modernem Touch, darunter der Riesenholzschnitt "Transall" (2001) von Christiane Baumgartner oder eine beeindruckende Radierung auf Leinwand von Karin Pietschmann ("2 Wände", 2011). Nicht vergessen seien Arbeiten wie die fragile Installation "Das wüste Land" von Theo Boettger (2006), Kai Hügels Figur "Silverride" (2011) oder Stephan Ruderischs ruppiger "Schrein" (2007).

Man kann Ulrich Bischoff, dem bald scheidenden Direktor der Galerie Neue Meister, zustimmen, der beim gestrigen Pressetermin "kunst jetzt" eine "bedeutende Ausstellung für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden" nannte. Anlass ist die zwanzigjährige Ankaufstätigkeit des Freistaates für den Kunstfonds. In diesem Zusammenhang betonte Bischoff die Bedeutung der ebenfalls ihr 20-jähriges Jubiläum begehenden Kulturstiftung des Freistaates, die es ermögliche, "die Schätze, die hier entstehen, zu halten". Dazu muss man wissen, dass zunächst direkt durch das Ministerium für Wissenschaft und Kunst und ab 2005 über die Kulturstiftung seit 1992 mehr als 800 zeitgenössische Werke für den Kunstfonds erworben wurden. Insgesamt wurden dafür 2,5 Millionen Euro aufgewandt, wie Silke Wagler ausführte. Jährlich sind das nunmehr seitens der Kulturstiftung 140 000 bis 170 000 Euro. Welche Bedeutung diese Aufwendungen haben, ist Ulrich Bischoffs Antwort auf eine Frage nach seinem Etat zu entnehmen, der meinte: "Diese Summe hätte ich auch gern".

Selbstverständlich kann die Ausstellung die Ankäufe der letzten 20 Jahre nicht in ihrer Gesamtheit präsentieren, sondern nur "besonders wichtige", wie Silke Wagler betonte (ein Schriftband um die Rotunde vermerkt die Namen aller Künstler, von denen seit 1993 etwas angekauft wurde). Zu den Auswahlprinzipien für "jetzt hier" sagte sie: Man habe sich auf 1960 und später geborene Künstler orientiert. Zugleich wolle man aktuelle Entwicklungslinien sichtbar machen - etwa anhand der Malschulen aus Dresden und Leipzig, der Fotografie, die besonders in Leipzig verankert ist, sowie des wieder erwachenden Interesses an traditionellen grafischen Techniken. Und Mitkurator Matthias Wagner ergänzte: "Wir haben Arbeiten gewählt, die uns persönlich am Herzen liegen."

Die mehr als 100 Werke von über 60 Künstlern markieren oft einen relativ frühen Zeitpunkt ihrer Karriere - man denke etwa an Neo Rauchs oben genanntes Bild, in dem Heutiges zwar angelegt, aber eben noch in den Anfängen ist. Ein Werk wie dieses oder auch jene von Thomas Scheibitz oder Eberhard Havekost waren zum Ankaufszeitpunkt noch gut erschwinglich (Rauchs Bild konnte beispielsweise einst für 10 000 D-Mark erworben werden). Im Ergebnis kann der Kunstfonds heute faktisch auf einen von Jahr zu Jahr wachsenden Bestand zurückgreifen, der über Dresden hinaus für viele Museen, etwa ihre Ausstellungstätigkeit, interessant ist.

Verwiesen sei noch auf die in der Schau laufenden Filme, eine Junge Freunde-Party am 8. März und das übrige umfangreiche Begleitprogramm sowie die "Satelliten" von "jetzt hier": Der größte "kreist" in Zwickau beim Freundeskreis Aktueller Kunst. Weitere kann man im Albertinum entdecken - in der Skulpturenhalle, bald auch im Mosaiksaal, ebenso im Museum für Sächsische Volkskunst, in der Kunstbibliothek, zukünftig im wieder eröffneten Mathematisch-Physikalischen Salon sowie im Kunstgewerbemuseum in Pillnitz.

bis 20. Mai, geöffnet 10 bis 18 Uhr (Mo geschlossen), Katalog 5 Euro,

Begleitprogramm: www.skd.museum

Ausstellung Schaufenster: Zwickau meets Dresden bis 26. April, geöffnet Di, Mi, Fr 14 bis 18 Uhr, Hölderlinstraße 4

Informationen: www.freunde-aktueller-kunst.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.03.2013

Lisa Werner-Art

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