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Im Labyrinth der Klanggebilde - Yes im Kulturpalast Dresden

Im Labyrinth der Klanggebilde - Yes im Kulturpalast Dresden

Nach zwei Konzertstunden steht alles im Saal. Zu den Klängen von "Starship Trooper" feiert das Publikum die Band, deren Musiker erst jetzt - am Schluss ihrer Show - beginnen, aus sich heraus zu gehen.

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Zwei Urgesteine und ein Frischling: Gitarrist Steve Howe und Drummer Alan White spielten schon in den 70ern bei Yes, Sänger Benoît David ist seit 2008 dabei.

Quelle: Weihs

Bis dahin wirkte der Auftritt von Yes am Dienstagabend im Kulturpalast mit nur wenigen Ausnahmen eher leidenschaftslos. Jetzt endlich gelingt es Sänger Benoît David, mit ausgebreiteten Armen und unmissverständlichen Gesten die Leute zum Aufstehen zu bewegen, Bassist Chris Squire zuckt dabei mit seinen dicken Saiten um die Wette, Gitarrist Steve Howe wagt sogar einen kleinen Hüpfer in die Luft, Geoff Downes hängt sich ein Keyboard um den Hals, langsam kommt alles in Bewegung. Und in Stimmung. Für einen kurzen Moment stehen vier Musiker mit ihren Instrumenten nebeneinander am Bühnenrand und versuchen sich in einer "Status-Quo-Pose". So etwas, eine gemeinsame Interaktion der Musiker mit ihrem Publikum, wünschte man sich schon viel früher im Programm.

Der Abend beginnt mit "Yours Is No Disgrace", einem Stück von 1971, das in "Tempus Fugit" vom "Drama"-Album 1980 einschwenkt und damit den historischen Kreis beginnt und gleichzeitig auch schließt: Denn mit Ausnahme des neuen Frontmannes gehen Yes in der aktuellen Besetzung zurück zu ihren "Drama"-Zeiten. Neben den Urgesteinen Howe, Squire und White ist Trevor Horn (nicht auf der Bühne) wieder im Team, der das neue Album "Fly From Here" produzierte und dem damit (sicher nicht ganz zu Unrecht) "Resteverwertung" früherer Buggles- & Drama-Outtakes vorgeworfen wurde, und nach drei Dekaden Gruppenabstinenz steht auch wieder Geoff Downes hinter den Keyboards.

Der "neue" Sänger ist der Jüngste in der Band, hatte aber als Vorsteher einer Yes-Coverband schon ausreichend Gelegenheit, sich die Stücke anzueignen. Vor rund drei Jahren stieg Benoît David erstmals ein. Auch wenn er zu Beginn des Konzerts einige Höhen knapp verfehlte, macht er seine Sache nicht schlecht. Doch immer wieder ertappt man sich beim Vergleich zum Vorgänger Anderson, dessen Arbeit den Sound der Band lange Zeit entscheidend prägte, und da reicht es eben nicht, den Hall auf die Stimme zu legen, bis man den Worten kaum noch folgen kann.

Überhaupt: Yes füllen ihre Bühnen-Show mit viel musikalischem Bombast, lassen wuchtige Klanggebilde entstehen, in deren Labyrinth der Zuhörer Mühe hat, die Orientierung zu behalten. Manches Mal fühlen sich die Ohren überfordert angesichts der tönenden Gewaltigkeit, die das gigantische Instrumentarium mit ihrem Bedienpersonal in der Lage ist, zu erzeugen. Gleich ganze drei Etagen türmen sich Geoff Downes' Keyboards übereinander. Auf der ihm gegenüberliegenden Bühnenseite hat Gitarrist Steve Howe sein fast beängstigendes Arsenal an Saiteninstrumenten aufgebaut. Nur die "Mitte" wirkt übersichtlich, die teilen sich Sänger, Drummer und Bassist mit überschaubarem Instrumentarium.

Der Abend ist gebaut um "Fly From Here", ein mehrteiliges episches Werk, das rund eine halbe Stunde einnimmt und mit dem Yes in eine bekannte Richtung gehen: länger, verspielt und proglastig. Kein Wunder, basieren die Stücke auf Kompositionen, die schon vor rund 30 Jahren in (fast genau) gleicher Besetzung entstanden. "Fly From Here" ist das erste neue musikalische Lebenszeichen nach "Magnification" von 2001, eine Rocksuite mit typischen Yes-Ingredienzen, wie hoher Chorgesang, ausufernden Gitarrenparts und voluminösen Bass-Sounds. Das bläht sich allerdings teilweise durch kraftvolle und energiegeladene Ausflüge vor allem von Keyboards und Gitarren so weit auf, dass die Transparenz leidet.

In einem der besten Momente des Abends jedoch fällt der ganze Bombast, die Wand aus aufgeladenem Sound, und Gitarrist Steve Howe setzt sich allein mit seiner Akustischen auf einen Hocker und spielt. Es ist eine Show in der Show, so anders als das, was bisher zu hören war und danach zu hören sein wird. Ein wenig Country und etwas Folkrock, gepickt, gezogen, gespielt. Andreas Weihs

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.12.2011

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