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Im Kunsthaus sind Fotos Seiichi Furuyas zu sehen, die der Japaner in den 1980ern in Dresden machte

Im Kunsthaus sind Fotos Seiichi Furuyas zu sehen, die der Japaner in den 1980ern in Dresden machte

Der Brunnen auf der Prager Straße ist bevölkert von Sonnenanbetern. Im Hintergrund der Schwarzweißfotografie prangt am Wohnkomplex der sogenannten Prager Zeile eine "VEB Starkstrom" Werbeschrift.

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Seiichi Furuya, Dresden, 1984 (Kreuzung am Körnerplatz).

Quelle: Seiichi Furuya, Courtesy of Galerie Thomas Fischer, Berlin

Auf einem anderen Bild siegt der Sozialismus - in knallroten Leuchtbuchstaben. Auf einem winterlich trist-farbigen Dresdenpanorama fehlt die Frauenkirche, dafür wird das gesamte neustädtische Elbufer von dicken Eisschollen gesäumt und dicke Rauchschwaden aus zwei Schornsteinen ziehen über das barocke Ensemble.

Was für die jüngeren Ausstellungsbesucher des Kunsthaus Dresden eher historisch interessant ist, dürfte bei vielen älteren Besuchern sicher auch nostalgische Gefühle aufkommen lassen. Da erfreuen die Elefanten im Dresdner Zoo mit Kunststücken, dort dreht ein Kettenkarussell die Menschen vor Hochhauskulisse, hier zieht eine Gruppe junger Soldaten mehr schlendernd als marschierend an der Frauenkirchenruine vorbei.

Diese fotografischen Alltagsmotive entstanden vor ziemlich genau 30 Jahren - eingefangen durch Seiichi Furuya. Der 1950 in Izu geborene Japaner studierte am Tokyo College of Photography und absolvierte nebenbei eine Architekturausbildung. 1973 wanderte Furuya nach Österreich aus, lernte dort seine zukünftige Frau kennen und ging mit ihr und dem gemeinsamen Sohn 1984 als Dolmetscher in die DDR, wo er zunächst bis 1985 auf der Baustelle des Bellevue-Hotels in Dresden als Übersetzer arbeitete, um dann zu einer Berliner Hotelbaustelle gerufen zu werden, von wo aus er 1987 wieder nach Österreich zurückkehrte. Dass Furuya während seiner Dresdner Zeit offiziell keinerlei Privatkontakt zu seinen DDR-Mitmenschen haben durfte, er und seine Familie streng überwacht wurden, sieht man den zugleich dokumentarischen und persönlichen Bildern nicht direkt an. Einzig die eindringlichen - gewissermaßen unter die Dresdner Alltagssujets gemischten - Aufnahmen seiner schwer depressiven Frau Christine, die sich 1985 schließlich das Leben nahm, lassen erahnen, wie einsam die Familie mitunter gewesen sein muss.

Viele der Fotos des renommierten Künstlers, die Kunsthausleiterin und -kuratorin Christiane Mennicke-Schwarz für "Was wir sehen. Dresden 1984-85" zusammengestellt hat, sind noch nie in einer Ausstellung gezeigt worden. "Die Bilder kommen gewissermaßen nach Hause", sagt die Kuratorin und freut sich über das entgegengebrachte Vertrauen des Künstlers. Furuya selbst ist dankbar für diesen Außenblick. "Wenn ich die Ausstellung sehe, fühle ich mich ein wenig zu Hause", meint der Fotograf, der schon seit etlichen Jahren nicht mehr klassisch fotografisch tätig ist, aber während seines letzten Dresden-Besuchs im Dezember des vergangenen Jahres sogar seine alte Leica wieder ausgepackt habe, wobei ihn die aktuelle montägliche Feindseligkeit um Pegida und Co. viel stärker verschreckt habe als das gewissermaßen geregelte Misstrauen der DDR-Gesellschaft damals.

Trotz der vielfach anekdotenhaften Fotomotive haben sich die Ausstellungsmacher entschieden, bis auf wenige Ausnahmen auf Bildbeschriftungen zu verzichten, weil ihnen dies zu didaktisch erschienen wäre und manchmal auch kaum nachvollziehbar ist, wo und in welchem Kontext das jeweilige Bild genau entstanden ist. "Deshalb sind wir auch gespannt, ob vielleicht Antworten vom Publikum auf offene Fragen zu bestimmten Bildern kommen."

Parallel zur Fotoausstellung des Japaners hat Christiane Mennicke-Schwarz der jungen Dresdner Fotokünstlerin Lysann Buschbeck im Erdgeschoss des Kunsthauses mit der kleinen Fotoschau "Einer fehlt immer" eine Plattform geboten. Auch ihre zunächst eher dokumentarisch erscheinenden Bilder werfen einen zutiefst subjektiven Blick auf die Lebenswelt um sie herum. Heute ab 19 Uhr gibt es die Gelegenheit, bei einem Künstlergespräch mehr über die Arbeit von Lysann Buschbeck zu erfahren.

Seiichi Furuya "Was wir sehen. Dresden 1984-85" bis 31. Mai im Kunsthaus Dresden nebst kleiner Ausstellung "Einer fehlt immer" im Erdgeschoss mit Fotografien von Lysann Buschbeck. Zeitgleich und in Kooperation mit dem Kunsthaus werden in den Technischen Sammlungen Dresden in der Ausstellung "Gravitation" (noch bis 12. Juli) ebenfalls Fotoarbeiten von Seiichi Furuya gezeigt und auch die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig widmet dem Japaner mit "Erinnerung - Kontrolle" bis 28. Juni eine Schau.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.05.2015

Susanne Magister

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