Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Google+
Im Interview: Götz Widmann am Donnerstag live im Parktheater

Der Rock’n’Roll-Liedermacher Im Interview: Götz Widmann am Donnerstag live im Parktheater

Für seine „Krieg und Frieden“-Tournee hat er über 100 seiner Songs eingeprobt, um sie spontan und eventuell auf Abruf auf der Bühne darbieten zu können. Götz Widmann geht ohne festes Programm in seine laufenden Solo-Konzerte

Götz Widmann spielt am Donnerstag live im Dresdner Parktheater im Großen Garten.

Quelle: PR

Dresden. Für diese Tournee hat er über 100 seiner Songs eingeprobt, um sie spontan und eventuell auf Abruf auf der Bühne darbieten zu können. Götz Widmann geht ohne festes Programm in seine laufenden Solo-Konzerte, obwohl er mit „Krieg & Frieden“ nach längerer Pause wieder ein aktuelles Album am Start hat, das nach Meinung vieler Fans eines seiner besten überhaupt ist. Der gebürtige Unterfranke gilt mit seinem früheren Duo-Projekt Joint Venture als Ziehvater der so genannten „Liedermaching“-Szene um Bands wie den Monsters Of Liedermaching oder Simon & Jan. Sie alle nehmen sich selbst nicht so ernst wie die klassischen Liedermacher und überwinden dabei nicht selten die Spassgrenze zur galligen Satire. Als „Rock’n’Roll-Liedermacher“ ist Götz Widmann ebenfalls schon bezeichnet worden und fühlt sich mit diesem Titel auch jenseits der 50 durchaus wohl, wie er im Interview versichert. Man darf also gespannt sein, welche seiner Lieder aus dem riesigen Repertoire der letzten 25 Jahre in Dresden zur Aufführung kommen werden, wenn der Liedermacher mit BWL-Examen am Donnerstag, 23. Juni, ab 19 Uhr im Parktheater gastiert. Zuvor gab Götz Widmann unserer Zeitung ein Interview:

Herr Widmann, Ihr aktuelles Studio-Album heißt ‚Krieg & Frieden’. Ist das eine Hommage an Leo Tolstoi und sein rund 150 Jahre altes literarisches Meisterwerk, oder was hat es mit diesem Titel auf sich?

Nein, mit Tolstoi hat das Album eher nichts zu tun. In meinem Leben gab es in der letzten Zeit eine Menge erfreuliche, aber auch ein paar nicht so nette Momente mit einigen Menschen. Gefühle, wie z. B. Hass, versuche ich zu vermeiden, wo ich kann. Das Leben ist einfach zu kurz für diese Dinge. Manchmal bleiben sie einem aber trotzdem nicht erspart. Das ist in den einen oder anderen Song eingeflossen und ich wollte dem auch mit dem Titel gerecht werden.

Zwischen ‚Krieg & Frieden’ und Ihrem letzten Studioalbum ‚Ahoi’ von 2011 gab es nur einige Live-CDs. Warum hat es so lange gedauert?

Ich war in der Zeit viel mit anderen Dingen beschäftigt und bin nicht so zum Songschreiben gekommen. Ich mache immer erst ein neues Album, wenn ich das Gefühl habe, dass ich genug gute Lieder habe. So hat es dann einige Jahre gedauert... Dafür kann ich diesen Herbst direkt wieder eines nachschieben, da ich mir in der letzten Zeit mehr Freiraum zum Schreiben gegeben habe.

Sie werden häufig auch als ‚Rock’n’Roll-Liedermacher’ beschrieben. Finden Sie sich in dieser Zuschreibung wieder?

Ja, eigentlich gefällt mir das. Ich glaube, was ich mache ist tatsächlich mehr Rock’n’Roll, als es die meisten Liedermacher-Kollegen praktizieren. Es gibt da ein paar Brüder im Geiste, die mir in puncto Rock’n’Roll kein bisschen nachstehen...

...wie z.B. Rainald Grebe, Stefan Stoppok oder Funny van Dannen...?

Ja, mit Rainald Grebe, Stoppok und Funny van Dannen kann ich extrem viel anfangen! Die sehe ich als ganz großartige Mitstreiter. Gerade von diesen Dreien gibt es so viele Songs, die ich liebend gerne selber geschrieben hätte. Mit den politischen Liedermachern der 1970er und 80er habe ich da eher meine Probleme. Da ist mir vieles einfach zu dogmatisch und spassfremd.

Sie gelten als Guru der ‚Liedermaching-Szene’, wie PanneBierhorst, den Monsters Of Liedermaching oder Simon & Jan. Wie ist es dazu gekommen?

Ich glaube, wir haben damals in den 1990er Jahren vor allem mit meinem alten Duo Joint Venture eine Tür aufgestoßen und Dinge gemacht, die man von einem Liedermacher klassischer Weise nicht gewöhnt war. Um es in einem Satz zu sagen: Wir haben den empor gehobenen Zeigefinger durch den Mittelfinger ersetzt. Das war erfrischend und hat eine Menge Leute auf die Idee gebracht, so etwas auch zu machen. Wir waren aber nicht die einzigen, die das gemacht haben.

Wie bewerten Sie Ihre Anfangszeit, als Sie mit dem im Jahr 2000 verstorbenen Musiker Martin Simon das Duo Joint Venture bildeten?

Das war eine tolle Zeit. Wir haben mit ganz viel Mut etwas völlig Neues angefangen und hätten damit voll auf die Schnauze fliegen können. Stattdessen hat es aber immer besser geklappt. Wir haben schon damals sehr viel Liebe vom Publikum bekommen, vielleicht sogar mehr als wir verdient hatten. Unser Party-Bedürfnis wurde beim Arbeiten gestillt: Wir fuhren ein Wochenende los, hatten unfassbaren Spaß und kamen sogar ab und zu mit mehr Geld in der Tasche nach Hause, als wir losgefahren waren.

Seit seinem Tod sind Sie als Solo-Künstler aktiv. War das damals eine bewusste Entscheidung?

Diesen Menschen konnte man einfach nicht durch einen anderen ersetzen – die Entscheidung war daher eigentlich keine: Ich musste einfach alleine weiter machen, obwohl ich das bewusst nie vorhatte, als Solo-Künstler durch die Lande zu ziehen. Aber jetzt mag ich es eigentlich sehr gern und zu einsam wird das eigentlich nie.

Im letzten November sind Sie 50 Jahre alt geworden In dem neuen Song ‚Politik’ gehen Sie ironisch darauf ein und beschreiben sich als ‚50, ausgebrannt und deprimiert’. Ist das wahr?

Nein, eigentlich bin ich ganz gut drauf im Moment. Mir macht mein Job sehr großen Spaß und ich kann mir kein schöneres Leben vorstellen. Keine Angst, ich gehe nicht in die Politik! Zumindest werde ich es – so lange ich kann – vermeiden.

Weiter heißt es in dem Lied, Sie hätten einmal geglaubt, die Welt verändern zu können. Glauben Sie, das Musik diesen Einfluss haben kann?

Man sollte als Sänger niemals seinen Einfluss überschätzen. Die Leute werden so ‚zugeballert’ mit Informationen, da ist ein Song nur ein kurzer Impuls. Das macht aber nichts, denn diese kurzen Impulse kann man ja setzen und so vielleicht eine gute Idee in die Welt schmeißen, die sich dann sogar jemand anhört.

Schimmert in diesen Zeilen schon etwas Altersweisheit durch?

Nee, ich hab schon immer so gedacht. Ich glaube auch nicht, dass ich mit dem Alter weiser werde. Ich fühle mich heute eher freier und sogar leichtsinniger...

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die letzten 25 Jahre?

Ich finde es toll, dass ich das so lange machen durfte und bin da voller Dankbarkeit. Ich weiß, dass ich das den Menschen zu verdanken habe, die Abend für Abend in meine Konzerte kommen und respektiere sie dementsprechend.

Apropos ­– was dürfen Ihre Fans von Ihnen auf der Bühne erwarten?

Man darf eine spontane Show ohne vorher festgelegte Setliste erwarten. Es gibt einfach Songs nach dem Lustprinzip, jeden Abend anders... Und die neuen Songs gibt es dabei in ihrem Naturzustand, da ich sie ja alleine mit Gitarre geschrieben habe.

Herr Widmann, vielen Dank für das Gespräch.

Von Thorsten Hengst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr