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Im Foyer des Landtags in Dresden sind 100 zeitgenössische sächsische Grafiken ausgestellt

Im Foyer des Landtags in Dresden sind 100 zeitgenössische sächsische Grafiken ausgestellt

Einige werden sich an die "100 ausgewählte(n) Grafiken der DDR" erinnern. Mit dem Ende der DDR war es auch damit zu Ende. Unter den neuen Be-dingungen eines sich etablierenden Kunstmarktes schien Grafik manchem der Involvierten oft zu dröge respektive nicht gewinnträchtig genug.

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Steffi Sahre: Warum kommst Du zu dieser späten Stunde? Radierung, 2011.Repro: Katalog

Quelle: aus buch

Und doch war und ist sie nicht tot zu kriegen. Ja, sie scheint - zunehmend entdeckt von der nachkommenden Künstlergeneration - zu neuer Form aufzulaufen. Dies jedenfalls, aber auch die qualitative Kontinuität des Gewachsenen, spiegelt die aktuelle Ausstellung im Besucherfoyer des Sächsischen Landtags. Hier machen zum wiederholten Mal die "100 Sächsischen Grafiken" Station, nachdem die Preisträger 2012 gekürt und die Schau wie immer ihre Premiere in Chemnitz hinter sich hat. Präsentiert werden Arbeiten von 75 Künstlern.

Auf neuer Grundlage und in Analogie zum eingangs genannten DDR-Wettbewerb hatten sich vor Jahren die Verantwortlichen der Neuen Sächsischen Galerie in Chemnitz entschlossen, eine sächsische Variante auszuloben. Dank zahlreicher Förderer und Unterstützer, darunter die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, ist es gelungen, alle zwei Jahre diese Grafikbiennale zu realisieren, die jeweils unter ein Thema gestellt ist. 2012 - es war die neunte Folge - reichten 124 Künstler und Künstlerinnen 334 Werke zum Motto "Argonauten oder Erfolg ist alles" ein. Man erinnere sich: der griechischen Sage nach, ging es Jason und seinem Gefolge um die Eroberung des sagenhaften Goldenen Vlieses, das Reichtum und damit Macht versprach. Die Argonauten hatten für ihr Ziel einen risikovollen Aufbruch zu neuen Ufern vor sich - mit vielen Ungewissheiten und Unberechenbarkeiten. Nicht immer ging es dabei friedlich zu. Und die teils zweifelhafte Ehre des Erfolgs war nur jeweils für eine Seite da. Ausgleich. Aussöhnung war nicht. Es mutet unglaublich an. Aber in der heutigen Welt läuft vieles immer noch so. Also ein Thema, das alles andere als lediglich "sagenhaft" ist. Entsprechend viele Möglichkeiten der künstlerischen Interpretation ergaben sich.

Das Spektrum kann man mit wenigen Beispielen andeuten. Maja Nagel etwa schuf eine schöne reduzierte geätzte Radierung, die "das vlies" wahrhaftig golden in den Mittelpunkt stellt. Stephanie Marx' enorm phantasievoller, einen mal zwei Meter großer, in Linol geschnittener "Robonaut" seinerseits erinnert entfernt an einen hochgerüsteten Eroberer der Gegenwart und Zukunft. Silvio Zesch wiederum widmet sich in ruppig-sarkastischen, neoexpressiven Holzschnitten "Deutschen Erfolgsgaranten" (für die Teilhabe am "Goldenen Vlies"), die ihre "Fischzüge" vor allem mittels der Medien und der Finanzbranche realisieren. Andere Künstler wie Frank Voigt verorten die heutigen "Argonauten" auf Kriegsschiffen und in Militärflugzeugen, während Tanja Pohl deren "Schwere Last" thematisiert. Einige bringen die Überlieferung selbst ins Bild, aber auch die kühl-technoiden urbanen Ausgangspunkte heutiger Reisen ins Ungewisse, um nur einige der Interpretationsmöglichkeiten zu nennen.

Wer durch die Ausstellung im Landtag geht, wird - ehe er die vielfältigen inhaltlichen Ausdeutungen entschlüsselt - zunächst von der grafischen Attraktivität und Vielfalt beeindruckt sein. Traditionelle Verfahren wie der Holzschnitt in unterschiedlichster Ausprägung, sei es neoexpressiv oder fast fotografisch, farbig oder schwarz/weiß, der Kupferstich, die Kaltnadelradierung, die Farbradierung, der Linoldruck, die Aquatinta, die Monotypie oder die Lithografie seien genannt. Auffällig sind die vielen Kombinationen von Verfahren, auch unter Einschluss von Sieb- und Lichtdruck. Hinzu kommen neuer Technik zu verdankende Varianten wie Digitaldrucke und digitale Überarbeitungen von Grafiken, erstaunlich perfekte Tintenstrahldrucke, Laserprints und anderes.

Eine Jury - ihr gehörten die Dresdner Zeichnerin Elke Hopfe, Reinhard Rössler vom Künstlerhaus Hohenossig, die Leipziger Künstlerin Anija Seedler, Johannes Schmidt, Kurator an der Städtischen Galerie Dresden, der Leiter der Galerie Malzhaus Plauen, Peter Hochel, und Matthias Lindner von der Neuen Sächsischen Galerie an - hatte zu beurteilen, wem die überzeugendsten Umsetzungen gelangen, um einen der neun Preise zugesprochen zu bekommen (was sicher nicht leicht war). Schließlich gingen die Grafikpreise der Volksbank Chemnitz eG an Tanja Pohl, Tim von Veh und Lothar Rericha, die der Erzgebirgssparkasse an Frank Voigt und Stephanie Marx. Weitere Preise erhielten Gabriele Sperlich (druckspecht), Silvio Zesch (Sozietät Handschumacher, Krug, Merbecks Rechtsanwälte), Steffi Sahre (Kunsthüttenpreis) und Eva Gaeding (Stipendium des Sächsischen Druckgrafiksymposiums Hohenossig). Ein Trend, der sich bei diesem neunten Biennalejahrgang zeigte und den man in der Schau nachvollziehen kann: Auch in der Grafik tendieren die Macher zunehmend zu unikalen und verfeinerten Druckwerken. Es geht nicht so sehr um vielfache Reproduzierbarkeit, sondern eher die Kombination von Druckverfahren oder auch größere Formate und damit die Bildhaftigkeit der Arbeiten. Die Ausstellung im Landtagsgebäude ist ein Ausweis der hohen Qualität und Innovativkraft grafischer Kunst in Sachsen. Wettbewerbe wie der der Schau zugrunde liegende unterstützen dies, schaffen eine von Künstlern durchaus gewünschte Möglichkeit des anregenden Vergleichs. Und die Neue Sächsische Galerie kann sich darüber freuen, dass fast alle der ausgestellten Arbeiten von ihren Schöpfern der Sammlung geschenkt wurden.

Bürgerfoyer des Landtages, bis 13. Februar, Mo-Fr 10-18 Uhr, Katalog 12 Euro

ab Herbst in der Galerie im Malzhaus Plauen

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2013

Lisa Werner-Art

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