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Im Einnehmerhaus Freital sind "Facetten" von Annerose und Fritz Peter Schulze zu sehen

Im Einnehmerhaus Freital sind "Facetten" von Annerose und Fritz Peter Schulze zu sehen

Beide sind nicht nur miteinander verheiratet, haben ein gemeinsames Kind, sondern sie sind auch Mitglied der Deutschen Bambusgesellschaft - und beide sind sie bildnerisch Materialwertigkeiten verfallen, huldigen einer strengen Formkultur, in der Sinnlichkeit und Poesie nicht ausgeschlossen sind.

Fritz Peter Schulze hat sich sehr intensiv mit den Prinzipien des Taoismus und dessen Maxime "Im Diesseits das Jenseits zu erreichen" sowie mit minimal-serieller Musik auseinandergesetzt. Als Grenzgänger zwischen den Stilen meditiert er in seinen Arbeiten über Anfang und Ende, über den Sinn des Lebens, über Raum und Zeit, Licht und Finsternis, Ruhe und Bewegung. Sich dem Totalitätsanspruch des konstruktiven Gedankens nicht unterwerfend, das mathematische Kalkül minimalistischer Gestaltungsweise nicht überbewertend, fand er zu einer genialen - dem Leben zugewandten - Verknappung der künstlerischen Mittel, indem er sich auf einen Formenkanon streng reduzierter geometrischer Grundstrukturen konzentrierte, und zwar als Poet der puristischen Form.

In mehr als drei Jahrzehnten erarbeitete Fritz Peter Schulze ein sehr eigenständiges Werk, das vor allem Holzskulpturen, stereometrische Reliefs, Collagen und Künstlerbücher umfasst. Seine unverwechselbare Handschrift entwickelte er sogar bereits in den 60er und 70er Jahren. Die Arbeiten von Fritz Peter Schulze haben eine besondere Beziehung zu Raum und Zeit, Zwischenraum und Zeit. Es geht um Raum innerhalb der Kunstwerke und um den Raum, der sie umschließt, und es geht um Erfahrung, die unteilbar und kontinuierlich ist. Die Holzskulpturen bilden serielle Systeme, deren Wirkungen ebenso vom Schattenspiel wie von der Bewegung des Betrachters abhängig sind. Diese Raumgebilde, deren Oberflächen mit der Kettensäge bearbeitet wurden und deren schrundige Kerbspuren mit leuchtenden Farben getränkt sind, greifen in den Ausstellungsraum modellierend ein, um sich letztlich zu Phantasie anregenden Zeichen herauszukristallisieren. Für den Betrachter sind in konkrete Form gefasste Gleichnisse für Lebensstrukturen nachvollziehbar.

Das flächige Pendant zu den Raum organisierenden Holzskulpturen bilden Collagen aus subtil eingefärbten Japanpapieren unter Verwendung von Teebeutelresten, von Collagen auf fein strukturierten durchscheinenden Papieren, deren Rückseiten gleichfalls bearbeitet werden, so dass räumliche Illusionen entstehen, die auch optische Täuschungen suggerieren können. Einfachste elementare Zeichen entfalten sich zu einer geheimnisvollen Choreografie. Kalligrafisch anmutende Notationen stehen neben strengen Linien und klar begrenzten, aus sich heraus leuchtenden Farbflächen.

Fritz Peter Schulze (Jg. 1936) studierte an der Fachhochschule in Schneeberg. Seit 1973 ist er freiberuflich als Holzgestalter, Grafiker und Plastiker in Dresden tätig. 1975 entstanden seine ersten Skulpturen und seit 1978 arbeitet er an der Realisierung baubezogener Kunst im öffentlichen Raum. Erste Japanpapierarbeiten setzte der Künstler 1979 um. Seit 1986 arbeitet Fritz Peter Schulze zu minimal-serieller Musik.

Die Wurzeln von Annerose Schulze (Jg. 1947) liegen im Erzgebirge. Nach einem Berufsabschluss in der Werbung studierte sie an der Fachhochschule für angewandte Kunst in Schneeberg Textildesign, wo sie heute wieder als Professorin angekommen ist. Annerose Schulze beherrscht die traditionellen Techniken der Weberei und Wirkerei, des Klöppeln, Stickens und der Applikation. Zahlreiche Wandteppiche und räumliche Textil-Objekte sind ihr zuzuschreiben. Die Experimentierfreudigkeit der Künstlerin sprengte jedoch sehr bald den klassischen Rahmen der Textilkunst. Seit 1979 integriert sie Kleidermarken in ihre Arbeiten und seit 1982 Buchstabenfolgen. Es entstanden in sich abgeschlossene Werkgruppen als "Zeit-Zeichen" mit unverhofften Gegenwartsbezügen, zur "Kommunikation" und zur "Architektur".

1986 begann die Zusammenarbeit mit der Pianistin und Interpretin zeitgenössischer Musik Bettina Otto zu experimenteller minimalistisch-serieller Musik. Es entstand die erste dreidimensionale "Klangfolge". Eine besondere Resonanz erfuhr Annerose Schulze im Zusammenhang mit den Installationen von monumentalen "Klangspiralen", die sie seit 1997 realisiert. In wunderbar fließender Bewegung beherrscht dann eine räumlich luzide Form aus Licht absorbierenden Acrylglasstäben das Ambiente.

Grundstoffe der flächigen Kunstwelten von Annerose Schulze sind handgeschöpfte tibetische Papiere, textile Kleidermarkenschilder, eingefärbte Kartons, Abreibebuchstaben und aus Druckpapieren ausgeschnittene Buchstaben. Neben geometrisch-konstruktivistischen Anklängen findet man ebenso archaische Elementarstrukturen und Figuratives in den Werkfolgen. Mit der Linie - ob genäht, gestickt, geklebt oder auch gezeichnet - formuliert sie immer ein harmonisches Ordnungsprinzip. So abstrakt auch vieles auf den Arbeiten erscheinen mag, verwirft die Künstlerin dennoch niemals Naturformen. Die leicht glänzende gestickte Seidenfaser kontrastiert mit der porösen Oberfläche der Papiere. Licht und Schatten verfangen sich, je nach Blickwinkel des Betrachters. Alles bleibt in Bewegung.

Karin Weber

bis 22. Januar, geöffnet Di-Fr 16-18, Sa&So 10-17 Uhr

www.kunstvereinfreital.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.01.2012

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