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Im Dienste des Popsongs: Pretty Mery K überzeugten im Dresdner Ostpol

Im Dienste des Popsongs: Pretty Mery K überzeugten im Dresdner Ostpol

"Have you seen her?" fragt Elliott Smith und meint Pretty Mary K, eine Dame aus dem nach ihr benannten Song. Lebte der US-amerikanische Songwriter noch, würde er sich sicherlich wundern, dass sich zehn Jahre nach Veröffentlichung seines Stücks eine Band danach benannte, und man nunmehr "have you seen them?" fragt, und damit Pretty Mery K mit e meint.

Die Antwort sollte natürlich "yes" lauten, und falls es doch ein "no" ist, sollte schleunigst eines der vielen Konzerte des Quartetts genutzt wer- den, um sich auf den neuesten Stand der Dresdner Popmusikszene zu bringen. Eine solche Gelegenheit ergab sich am Montag im Ostpol. Das reichlich erschienene Publikum bekam jedoch vorerst vom Elektro-Pop Duo Echorev aus Amerika eingeheizt. Mit einem Arsenal an Instrumenten loopten und groovten sich die zwei Musiker durch ihr Set, während sie dem Publikum völlig verschwitzt mitteilten: "Don't be afraid to take your clothes off". Soweit kam es dann doch nicht, aber die Nacht war ja auch noch jung. Und das Beste sollte erst noch kommen.

Man hatte das Gefühl, dass die Bühne für Pretty Mery K mit ihrer klassischen Besetzung Schlagzeug, Bass, Gitarre, Gesang zu klein war. Später wurde klar, dass die Musiker noch Platz hatten, die Musik selbst aber nach den großen Bühnen verlangt. So viele eingängige Songs, so viele Hits, so viel Neues, das wie lang Vertrautes klingt. Selbst wer "Mery in Wonderland" vorher noch nie gehört hatte, konnte die sanften "lalalala"-Chöre augenblicklich mitsummen. Allgemein sind diese meist von Schlagzeuger Michael Fromme und Gitarrist Dirk Haefner perfekt vorgetragenen Backingvocals das i-Tüpfelchen auf der Live Performance von Pretty Mery K. Das Grundgerüst bildet das fabelhafte Zusammenspiel von Schlagzeug und Bass, das der Gitarre ermöglicht, fließende Linien und Arpeggi völlig frei zu spielen. Zu all dem kommt dann der äußerst sympathische Gesang von Meryem Kilic, die live auch Gitarre, Keyboard und Xylophon bedient.

Pretty Mery K sind allesamt professionelle Musiker, drei Viertel haben an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber im Bereich Jazz studiert. Doch sie machen alles andere als Musikstudentenmusik. Obwohl alle virtuos spielen können, halten sie sich im Sinne des Songs zurück und machen genau das, was der Song braucht. Die Band hat es nicht nötig zu zeigen, was sie technisch drauf hat, ihr Können zeigt sie im Songwriting und im Zusammenspiel. Diese Bescheidenheit und Reduktion im Dienste des Popsongs hebt Pretty Mery K von anderen Bands ab. Und sollte die Band selbst abheben, rauf auf die großen Bühnen, würde das wohl niemanden wundern. Nicht mal Elliott Smith. Falk Ulshöfer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.07.2012

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