Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+
Im Beatpol Dresden: Mainzer Mine als Marke im Pophimmel

Im Beatpol Dresden: Mainzer Mine als Marke im Pophimmel

Mine wird wohl demnächst das sein, was Rosenstolz vor 20 Jahren für junge Frauen in der dritten Lebensdekade bedeutete. Klare, eingängige Popmusik, deutsche Texte um die alltäglichen Befindlichkeiten und eine außergewöhnliche Stimme sind die Zutaten.

Die Frontfrau gleichen Namens, die im Cottaer Beatpol mit ihrem Quartett ein erstaunlich ausgereiftes Konzert ohne Schwächen und Anbiederungen bot, weiß offenbar, was sie will: als eigene Marke in den Pophimmel. Dabei spielt sie nicht mit den Regeln der Kunst, sondern auf der Klaviatur des Business mit: Alles, was man von ihr und über sie erfährt, ist wohl kalkuliert, sie spricht von Projekt statt Band und weiß offenbar genau, wie viel Authentizität noch eine geschützte Privatsphäre ermöglicht und wie viel Geheimniskrämerei dem Image gut tut.

Dabei hat die Mainzerin, laut PR Mitte 20, nach dem Besuch der Mannheimer Popakademie zwei durchaus aufregende und kompakt geplante Konzertjahre bewältigt. Dazu eine Scheibe, mit Orchesterunterstützung von 45 Musikern live in Mannheim aufgenommen und durch Crowfunding finanziert.

Mit der neuen Scheibe, die als CD einfach "Mine" heißt und als Debütalbum seit Oktober im Handel ist, sind vorerst zwei Staffeln von 14 Konzerten in durchaus bekannten Häusern verbunden. Dresden ist eins davon. Sie singt von Liebe, Schmerz und anderen Gefühlen, sehr romantisch, ziemlich poesievoll. Manchmal - genauer gesagt: zwei Mal - eskaliert der Song zum Ende gewaltig. Als Rammstein für Veganerinnen könnte man es beschreiben, muss dabei durchaus erwähnen, dass sie und ihre Band keine Brachialshow und -botschaften dazu brauchen.

Dann wieder klingt es, also ob sie sich in ihrer Jugend zu oft im Plattenschrank ihrer Mutter bediente und dabei Dire Straits oder Pink Floyd antat - und nun in deren Gedenken dem Konzeptalbum huldigt. Das tut sie gut und erfolgreich und kommt ansonsten betont harmonisch, fast schon minimalistisch daher. Ihr Quartett, auf der Netzpräsenz nicht namentlich erwähnt, weiß auch mit Geige und Akkordeon umzugehen, sie spielt E-Piano und ihren frisch reparierten "Frank" - eine Art Bauchharfe. Zwei Mal holt sie sich ihren lustigen "Lieblingsrapper" Curlyman auf die Bühne, der nach seinem Auftritt als Supporter ansonsten relaxt im lose gefüllten Beatpol herumlungert - das passt nur auf den ersten Blick nicht, funktioniert dann in Symbiose recht gut, wenn er ihren hymnischen Gesang durch kurze harte Interventionen unterbricht und ergänzt.

Rund 130 Leute waren begeistert, wobei die eloquente Frontfrau, ganz in Schwarz und mit silberner, großer 70-Jahre-Brille, hinter ihrem in einem anonymen Holzkasten versteckten Keyboard nur durch seltsame Armverrenkungen Tanz andeutet, zum Schluss als Zugabe Jan Delays "B-Scheibe" in arteigener Version anbietet, die durchaus andeutet, dass ihr ob der Stimmkraft auch die Chansonwelt als Solistin offenstünde.

www.minemusik.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.01.2015

Andreas Herrmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr