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Im Anderswo entfesseltes Sein

Malerei und Fotografie von Wieland Richter Im Anderswo entfesseltes Sein

inen anderen Kulturkreis für einen Künstler bewirken können, zeigt die jetzige Präsentation mit Malerei und Fotografie von Wieland Richter in der Galerie Mitte: In seinem 60. Lebensjahr hat sich der Künstler auf eine lange und weite Reise begeben.

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Wieland Richter. Fowlers Bay, Öl auf Leinwand, 2015.

Quelle: Wieland Richter

bis 9. Januar. Ziel war Westaustralien, das Outback, ein Wüstengebiet und das Meerufer mit seinen fantastischen Stränden und Korallenriffen, die den Künstler zum Wandern, Zeichnen, Fotografieren und Schnocheln einluden. Im PKW des Sohnes, der zu einem Praktikum im Lande weilte, erschloss er sich auf 14 000 Fahrkilometern den fünften Kontinent. Die Begegnung mit der Wüste und dem Meer, den so gegensätzlichen Landschaften des Down Under, haben ihn stark beeindruckt, sodass er im Titel der Ausstellung von seinen "ausgewanderten Augen" spricht.

Die 45 Arbeiten sprechen für sich. Eine frappierende Wandlung in der Handschrift ist eingetreten, die schlagartig neue Kräfte nutzt und freisetzt. Die Augen des Künstlers haben Dinge gesehen, die heute fast jeder zu Gesicht bekommen kann, aber für ihn persönlich eine Revolution darstellten.

Der sportliche Künstler (er taucht, schwimmt und klettert - nach ihm ist übrigens ein Kletterweg in der Sächsischen Schweiz benannt) schafft seine Bilder ganzheitlich, mit dem Körper und mit der Seele.

Diese Einheit von inneren und äußeren Erlebnissen speist die in diesem Jahr in einem intensiven Schaffensrausch entstandenen Ölbilder mit einem höheren Grad der Abstraktion und Einflüssen des sich im Inneren des Malers vollziehenden Informel. Landschaften zu Wasser und zu Lande, Eindrücke von Vegetation (Eukalyptushaine) und die verschiedenen Licht-Luft-und Farbstimmungen am Meer und in der Wüste werden nachvollziehbar auch für den fantasielosesten Betrachter. Blauweiße Farbstürze, weite Flächen, gischtiges Meerweiß, rote und weiße Luftspiegelungen, ockerfarbenes Hitzeflimmern, sattes Baumgrün und eine mystisch gestimmte Landschaft im Mondschein umfasst die Ausbeute dieser Studienreise, auf der die Fotografie als Hilfe und selbstständiges Medium genutzt wurde. Einige Arbeiten sind Fantasieschöpfungen und Reminiszenzen an besondere Eindrücke, wie "Tingalpa" (2015), ein wucherndes, streifiges, fluoreszierendes Grün, das durch den Gang in einem Eukalyptushain inspiriert wurde.

Andere Arbeiten zeigen die mythischen Orte der Aborigines im von seltsamen Farben gestimmten Reservat. Wasser und Wüste, die gegensätzlichen Elemente, bestimmten den Aufenthalt im Outback, Lagunen und Buchten, die sich für weite, abstrakte Farbschwünge anboten. Viele der Bilder entstanden in der Atelierscheune im heimatlichen Putzkau (bei Bischofswerda), heftig und impulsiv auf die Leinwand gebracht. Der Augenblick des Entstehens verband sich mit den kosmischen Kräften, die er beeindruckt von Australiens Landschaften empfing und auf seinen Leinwänden fixierte. Expression und Impression gingen dabei Hand in Hand. Farbe wurde zur Form. Gestisches und langwierige Arbeit bedingten einander, manchmal entstand ein einzelnes Bild in wenigen Tagen, für andere brauchte es längere Zeit. Mit dicken, pastosen Aufträgen von Pinsel oder Spachtel modellierte er Streifen und wolkige Farbzonen, atmosphärisch aufgeladen und pulsierend. Das Traumland Outback bewirkte einen Perspektivwechsel - eine neue Auffassung von Farbe und Form, die wie eine Befreiung anmutet, stellte sich ein, nun frei von Figuren und Ornamenten.

Eine neue Großzügigkeit kennzeichnet die Bilder von Wieland Richter, eine ungebunden-freie Art der Aneignung der Welt. "Indem er sein Sein im Anderswo entfesselt, fremdfern dieser entmenschlichten, auf Effizienz bedachten Welt, kommt er zur Besinnung", sagte Karin Weber in ihrer Laudatio. Mehrere Fotografien zeigen die Wüste und den Strand mit dem Sohn beim Kiting, einen Salzsee nach Gewitter, die Haifischbucht sowie die sogenannten "Pinnacles", vom Wüstenwind freigelegte, mythisch wirkende, bizarre Steinsolitäre.

bis 9. Januar. Galerie Mitte, Striesener Straße 49. Di-Fr 15-19 Uhr. Sa 10-14 Uhr. 24.-26.Dezember./31.Dezember und 1. Januar 2016 ist geschlossen Tel. 0351/459 00 52 www.galerie-mitte.de

Heinz Weißflog

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