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Hymnen an die Nacht: Jan Josef Liefers & Oblivion spielten im Schlachthof Songs des neuen Albums "Radio Doria"

Hymnen an die Nacht: Jan Josef Liefers & Oblivion spielten im Schlachthof Songs des neuen Albums "Radio Doria"

Er habe wohl das Potenzial zum Werwolf, jedenfalls habe es der Mond ihm angetan, meint Jan Josef Liefers bei seinem Auftritt im Alten Schlachthof. Und so sinniert und lamentiert er in einem Lied, das er als "Kampflied" versteht, dass die Menschen den Mond nicht verschont, eine Fahne in ihn gerammt haben.

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Jan Josef Liefers mit Inbrunst und Lieblingszeitung im Alten Schlachthof.

Quelle: Patrick Johannsen

Liefers war also mal wieder in der Stadt, aber nicht, um wie sonst mit dem Soundtrack einer Kindheit auf der Klaviatur nostalgischer Gefühle herumzuklimpern, sondern um zusammen mit seiner Band Oblivion das neue, von einem anspruchsvollen Konzeptgedanken getragene Album "Radio Dora" vorzustellen. Die Songs darauf sind bis auf zwei drei Ausnahmen durchaus passabel, nur hier und da ist der Kitschfaktor hoch, etwa wenn es heißt "Mein Garten der Liebe ist ein Rübenbeet, auf dem ein Schild: 'Betreten verboten!' steht."

Klar wird, dass Liefers keiner ist, der den Pop zu revolutionieren gedenkt, sondern einer, der mit den klassischen Stilmitteln selbstbewusst und selbstvergessen spielt, folglich eingängigen Deutschrock mit vielschichtigen Klängen und teilweise hämmernden Rhythmen, mit Seele und nur selten Schmalz abliefern vermag. Manche Lieder haben eine eigenständige Note, andere klingen nach den Beatles, Oasis oder Robbie Williams, was ja nicht schlecht und schon gar nicht verwerflich ist. Liefers reflektiert das Gefühlschaos, das den Menschen befallen kann, explizit aus dem Blickwinkel der Nacht, aber deutlich anders, als dies einst Novalis in seinen "Hymnen an die Nacht" tat.

Für seinen Sender "Radio Doria" hat Liefers einen eigenen Jingle ("mein ganzer Stolz") kreiert, aber anders als von realen Dudelsendern bekommt man diesen Jingle gnädigerweise nur einmal zu hören. Gelegentlich wirkt Liefers versunken in seiner Musik, aber wenn es zu schwermütig zu werden droht, holt er sein Publikum mit etwas Humor wieder ab, gerade auch wenn der Schauspieler über den Sänger in ihm obsiegt. So sucht er Zeitungen nach wichtigen Nachrichten ab (was sich als schwierig erweist, wenn man wie Liefers nur die Seite "Aus aller Welt" durchforstet) und stößt auf die Schlagzeile "Anna Loos hat einen Putzfimmel". Nun, bestätigen kann er das nicht, auch wenn er kurz darauf in einem gespielten Telefonat der besten aller Ehefrauen versichert, dass er den Mülleimer runtergetragen habe.

Es sind nicht zuletzt die kleinen gefühlsduseligen Anekdoten und Spielchen, die diesem "Heimspiel" des gebürtigen Dresdners, dessen Mutter im Saal ist, einen ganz eigenen Reiz verleihen, etwa wenn Liefers verrät, dass er, als er ein kleiner Junge war, nächtens im Bett mit seinem Weltempfänger sich per Kurzwelle die Welt ranholte; oder wie das so war, als er lange vor der Schauspielerei versuchte, ein Gott auf der Gitarre wie der legendäre Jimi Hendrix zu werden. Gelungen ist ihm das nicht, aber wie sein Kollege Axel Prahl, der ja ebenfalls gern auf musikalischen Pfaden wandelt, macht Liefers auch auf der Konzertbühne durchaus keine schlechte Figur.

Das liegt nicht zuletzt an den fünf Jungs von "Oblivion", die ihre Instrumente wahrhaft virtuos beherrschen und das zum Schluss in hinreißenden Soli auch noch mal unterstreichen dürfen. So interpretiert etwa Christian Adameit am Bass Stings "Moon over Bourbon Street", dass man nur mit der Zunge schnalzen kann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2014

Christian Ruf

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