Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Hygiene-Museum Dresden: Alte Meister und moderne Fotos im Dialog

Hygiene-Museum Dresden: Alte Meister und moderne Fotos im Dialog

Dresden. Moderner Beau als Ecce Homo, Beuys neben Christus und strenger Bismarck neben tätowiertem Akademiker: Gemälde aus dem 14. bis 19. Jahrhundert und moderne Fotografien stehen im Deutschen Hygiene-Museum Dresden in faszinierendem Dialog.

Voriger Artikel
Karin Funke mit Kennenlerngeschichten im Thalia
Nächster Artikel
Internationale Stars kommen am Sonnabend zum Dresdner Drum & Bass Festival

Eine Frau betrachtet die Fotografie „Selfportrait # 25“ des Us-amerikanischen Künstlers Jack Pierson aus dem Jahr 2005.

Quelle: Arno Burgi dpa

Unter dem Titel „C’est la vie - Das ganze Leben“ sind rund 50 Meisterwerke aus dem Walraff-Richartz-Museum Köln und etwa 80 zeitgenössische Fotografien aus der Kollektion des Bielefelder Sammlers Lutz Teutloff als Paare oder Gruppen arrangiert.

php056a211ea5201209201714.jpg

Die Mitarbeiterin des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, Stefanie Zimmer, betrachtet die Fotografie „Bag“ des niederländischen Künstlers Hendrik Kerstens aus dem Jahr 2007.

Zur Bildergalerie

Mit dem thematischen Spektrum von Geburt bis Tod entspannt sich ein „Kaleidoskop der menschlichen Existenz“, sagte Kurator Roland Krischel am Freitag in der Elbestadt.Die Schau (22. September bis 7. April 2013) vereint teils selten gezeigte Gemälde von Künstlern des 15. bis 18. Jahrhunderts wie Tizian, Tintoretto oder Floris sowie Bilder moderner Fotografen wie Robert Lebeck, Helmut Newton und Herlinde Koelbl.

Der Rundgang führt von Schwangerenporträts und Madonnendarstellungen in Renaissance und Gegenwart bis zu Totenbildnissen im 16. Jahrhundert und aus Koelbls Sterbezyklus. „Im Sinne von Malraux werden Glanz und Elend des Menschen von der Wiege bis zur Bahre gezeigt“, so Kurator Krischel.„Wissenschaftlich betrachtet wird sichtbar, dass sehr viele Formen und Bildformulare aus der Malerei in der Fotografie aufgegriffen werden, bewusst oder unbewusst, seriös oder parodistisch“, erklärt Krischel. „Das zeigt ausschnitthaft, wie später die Fotografie arbeitet; die Malerei schärft den Blick für die Fotografie, die Fotografie den Blick für die Malerei.“ So griffen Fotokünstler auf die Bildtradition der Malerei zurück, bewusst oder unbewusst.Deutlich werde das am Kinderporträt „Ophelia“ von Loretta Lux, die ihre Fotos bis an die Grenze zur Malerei bearbeite.

Im Gegensatz zu Geldorp Gortzius’ „Bildnis eines Mädchens“ blicken Erwachsene dort von oben auf das Kind. Im Gemälde von 1599 erscheint das Kind durch die Kleidung erwachsen. Weitere Kombinationen bilden ein romantischer Mädchenkopf von Louis Ammy Blanc von 1835 neben Daniel Bunettis Aufnahme einer jungen Frau, in deren Wange der Name einer Modemarke prangt. Koelbls liegende halbnackte Studentin hängt neben dem Bildnis einer bis zur Halskrause bekleideten jungen Pariserin, gemalt Mitte des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Leibl.Der mittelalterlichen „Beweinung Christi“ ähnelt Lebecks Foto der trauernden Jackie Kennedy und Lee Radziwill am Sarg des ermordeten Robert Kennedy.

Auf den ersten Blick identisch scheinen die Hauben der von Bartholomäus Bruyn d.Ä. um 1538 und Hendrik Kerstens 2007 festgehaltenen jungen Frauen. Dabei ist es auf dem „Bag“ betitelten Foto eine weiße Plastiktüte. Ein von Jack Pierson fotografierter Beau in Unterwäsche scheint die moderne Version des „Ecce Homo“ von Bruyn, ein Porträt von Joseph Beuys mit Hut in Priesterpose ein Abbild des „Christus als Schmerzensmann“ von Moretti um 1460.Stanley Greens an eine verregnete Scheibe gepresstes Frauengesicht 2001 in Grosny zeigt fast identisch den Ausdruck des „Mädchens am Fenster“, das Wilhelm Leibl 1899 malte. Für den mit Perücke geschmückten und geschminkten Andy Warhol, das in Liebe gealterte royale Skandal-Paar Edward VIII. von England und Wallis Simpson, Schauspielerin Tilda Swinton, das berühmte Bild der nackten Faust von Muhammad Ali von 1966 oder eine Profilaufnahme von Fidel Castro fanden sich ebenso Pendants in der Historie.

Fürst Bismarck, 1887/88 gemalt von Franz Seraph von Lenbach, hat Gesellschaft von Dr. Hubert Clotten. Auf dem Foto von 1965 ist er zwar nackt, aber sein Körper trotzdem bedeckt. Der Mann war Kunde des berühmten Tätowierers Herbert Hoffmann, der das Foto machte. Auch mit dieser Kombination soll die Schau Menschen faszinieren, die keine klassischen Museumsgänger sind, wünscht sich DHMD-Direktor Klaus Vogel. „Sie reflektiert den ganzen Kosmos des Mensch-Seins und ist so etwas für Kunstkenner, geübte Museumsgänger und junge Menschen.“

Simona Block, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr