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Hubert von Goisern zeigt im Alten Schlachthof, wo er herkommt

Hubert von Goisern zeigt im Alten Schlachthof, wo er herkommt

Melancholisch, schwermütig und introvertiert holte Hubert von Goisern sein Publikum im Alten Schlachthof am Freitag ab und nahm es mit auf einen kleinen Ausflug in die Berge - dorthin, wo oben auf den Gipfeln das Herz in Freiheit schlagen soll und die Idylle alle Sorgen in den Hintergrund treten lässt, wo Heimatverbundenheit und Volkstümelei allzu oft Stilblüten treiben und schmerzhaft den stimmgewaltigen Dolch wetzen, bevor er lustvoll ins Fleisch der Stadlgegner gerammt wird.

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Hubert von Goisern steht vermutlich als einziger Musiker aus Bad Goisern noch vor zwei, dreitausend Fans.

Quelle: Dietrich Flechtner

Doch all diejenigen, die sich nicht vorstellen können, auch nur einen Moment traditioneller Alpenmusik zu schenken, die könnte Hubert Achleitner aus Bad Goisern spielerisch zu Volksmusikfans umpolen. Denn der Oberösterreicher ist der tatsächliche Held der Volksmusik, der seit Ende der 80er Jahre traditionelle Alpenmusik entstaubt, neu auflegt oder puristische Klangbilder freilegt.

Er kann dabei gar nicht leugnen, dass es schwer ist, dieser Musik unverkrampft das Herz zu schenken. Seine eigenen sozialen Wurzeln in der örtlichen Blaskapelle führen ihm das selbst immer wieder vor Augen und lassen ihn besonders engagiert in die Tasten seines Akkordeons greifen. Hubert von Goisern war "Weit, weit weg" und hat sich wieder eingelebt und freigespielt. Konventionen sind für ihn nicht unbedingt ein Dogma, dem es sich zu ergeben gilt, er verbindet Tradition und weltläufige Ideen zu einer eigenen Volksmusik, kein Alpenrockkitsch, keine peinlichen Lederhosenklatscher, dafür verbreitet er etwas Lebensfreude und ist einer der fortschrittlichsten Kulturbotschafter, den Österreich in den letzten Jahren auf den Rest der Welt losgelassen hat, ohne auch nur von staatstragender Seite zu ahnen, welche Welle der Begeisterung damit ausgelöst werden kann.

So jodelt, singt und erzählt er sich in die Herzen von Jazzfreunden, Weltmusikfans und Alpinisten, transportiert immer einen vitalen Eindruck des einfachen Lebens und der einfallsreichen Musik. Achleitner verpackt Alltagserfahrungen und Begegnungen längst nicht nur in Musik, er erzählt, plaudert über Gott und die Welt, hinterfragt Heiligenfiguren und die Instrumentenvielfalt, erklärt dem Publikum, weshalb er ein gespaltenes Verhältnis zur Klarinette hat, um sie kurz darauf doch in den Mund zu stecken, die Klappen öffnet und die Luftsäule zum Schwingen bringt, anders und interessanter, als das mit einer schnöden blankgeputzten Trompete möglich gewesen wäre, melodiös, ohne scharfe Rhythmen. Doch "Es is wias is" - wer als Jugendlicher in Oberösterreich die Klarinette im Heimatmusikverein überreicht bekam, galt ganz offenkundig nicht als sonderlich cool, weil eben die Achtungssignale von den Jungs mit der Trompete kamen, heute ein Vorteil, damals eine schreckliche Bürde, die es zu tragen galt.

Mit fast 60 Jahren ist Hubert von Goisern sehr cool, steht vermutlich als einziger Blasmusiker aus Bad Goisern noch vor zwei, dreitausend Fans und kann das umsetzen, wovon jeder Hinterbänkler ein Leben lang träumt. Er kann sich ausdrücken, unterhalten und Ideen vorstellen, die mal ganz leise sind und dann auch mit "Hearst as nit" überschrieben sein müssen, um nicht der Gefahr ausgesetzt sein zu müssen, falsch verstanden zu werden. Demgegenüber stellte Goisern im zweiten Teil des Konzerts mehr Schwung im Sinne von "Brenna tuat's guat". Wer bis dahin den Sprachbarrieren trotzte und streckenweise allein der Musik vertraute, weil er nix verstand, der wurde ab diesem Moment belohnt mit einem Grundkurs in Frohsinn.

Übrigens, am 23.11.2012 wird es wieder im Alten Schlachthof einen Aufbaukurs geben mit Hubert von Goisern und dem entsprechenden internationalen Engagement.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.02.2012

Stephan Wiegand

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