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Holzschnitte von Katharina Kretschmer im Kunstfoyer des Kulturrathauses Dresden

Holzschnitte von Katharina Kretschmer im Kunstfoyer des Kulturrathauses Dresden

Katharina Kretschmers neuere Holzschnitte knüpfen an ihre bewährte Art der expressiven Geste an, die sie schon als junge Künstlerin vor fünfzehn Jahren praktizierte.

Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, die Brücke-Maler, der Expressionismus fallen einem ein. Als versierte Grafikerin lotet sie das Medium optimal aus, bezieht aber auch das übliche Holz mit seiner natürlichen Gewachsenheit sicher in die Gravur ein. Neben Schwarz-Weiß-Drucken finden sich in der neuen Ausstellung im Kunstfoyer des Kulturrathauses Dresden, meist aber nur sparsam, zwei bis drei andere Farben vertreten, die wie Lichter aus dem Dunkel der Bilder aufleuchten.

Mehrere bemalte und unbemalte Holzstöcke dokumentieren nicht nur ihre Arbeit, sondern ergänzen sie wie prächtig bemalte Assemblagen, so das Titelbild der Ausstellung "Mutter Erde": Ein prächtiger goldener Ohrring glänzt, blutrote Lippen und üppige Brüste schmücken den leicht grau getönten Körper einer "Urfrau" in ganz orientalischer Würde und Verzückung.

Zurück zu den Wurzeln begibt sich Katharina Kretschmer auf den Weg ins eigene Ich-und Mutter-und Künstlerin-Sein auf dem schwierigen Grat der eigenen Existenzerhaltung, der großen Familie mit den vier kleinen Söhnen, die sie auch auf ihren Bildern immer wieder darstellt. Ihr Gefährte, der Dichter Ivar Bahn, schrieb als Motto für die jetzige Ausstellung ein Loblied auf Mutter Erde: "hab dich umarmt nackende erde/und deine hornhaut geküsst/willig ließest du mich in dir graben/was wär nur gäb es dich nicht".

Hier findet man den Angelpunkt der Ausstellung, gewiss nicht nur seherisch angelegt, eher mahnend und die leidende Menschenkreatur in die Mitte rückend, sowohl im Erlebnis eigener und fremder Schwangerschaften, des Mutterseins und als lese-und reisehungrige Künstlerin, die über den Tellerrand von Dresden hinausschaut und auf die Welt mit ihrer Schönheit und Bedrohung durch Krieg, Armut und Gewalt blickt, auf den ausgegrenzten Menschen, den Fremden, den Flüchtling. Dabei spielt die Perspektive als Frau und Mutter immer eine wichtige Rolle. Die Lektüre von Weltliteratur, darunter insbesondere Franz Werfels Epos "Die vierzig Tage des Musa Dagh", liefern ihr Stoff und Hintergrund für ihre Botschaften von Menschenglück und Leid. Werfel schrieb: "Armenieraugen sind immer groß, schreckensgroß von tausendjährigen Schmerz-Gesichten". Das ist besonders bei den jungen schön gekleideten Mädchen der Fall, denen Katharina Kretschmer eine ganze Reihe von Holzschnitten widmet, als Gruppe zarter Geschöpfe, mit Blumen im Haar oder im prächtigen weißen Sonntagskleid.

So kann man den Zyklus zu dem Roman als Kernstück der neuen Ausstellung betrachten, während diverse Einzelblätter sich zu Menschen und ihrer Geschichte äußern, wie zum Schicksal des früh verstorbenen französischen Schauspielers Guillaume Depardieu, dessen Umrissporträt als geschlossen wirkender Linolschnitt in der Ausstellung vorliegt. Ein Blatt zu "Josef, Maria und Jesus auf der Flucht" (2006) wird zum Gleichnis für den christlichen Urtyp der Familie, ihrer Schutzfunktion, durch eine ineinander geschobene, runde Schalenhaftigkeit der Figuren ausgedrückt. Eros und Liebe zwischen Mann und Frau kommen in sehr behutsamen Paardarstellungen zum Ausdruck, voller Kraft ist "Matriachalisch", 2010.

Zwei Einzelblätter entstanden zur "Weißen Rose", ebenso zwei Urbäume, der Ölbaum und der mediterrane Erdbeerbaum, die ihre großen Zweige um die Welt legen. Nennenswert ist auch der Holzschnitt "Brüder II" (2007) mit seiner grafischen Finesse und Feinheit der Linien in einer sensiblen Grauwertigkeit. Die ausgezeichnete Qualität der Drucke ist Udo Haufe zu verdanken.

Bis 11. Juni. Kunstfoyer im Kulturrathaus, Königstr. 15, Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-17 Uhr. Arbeiten von Katharina Kretschmer sind auch bis 16. Juni in der Galerie Kunst und Eros und bis 10. Juni im Kunstdienst Dreikönigskirche zu sehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.05.2012

Heinz Weißflog

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