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Holz im Stresstest: Welcher Belag ist der richtige für die Bühnen im Kraftwerk Mitte?

Holz im Stresstest: Welcher Belag ist der richtige für die Bühnen im Kraftwerk Mitte?

Es ist der Albtraum jeder gründlichen Hausfrau. Der Schrecken eines jeden Hausbesitzers: Der Transportwagen hat winzige Rollen und eine zentnerschwere Ladung. Glasfenster stapeln sich auf der Karre, die insgesamt zwei Tonnen wiegt.

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Bretter, die die Welt bedeuten: In einem Probenraum in Cotta wird der Belag für das Kraftwerk Mitte getestet.Fotos (3): Carola Fritzsche

Quelle: CAROLA FRITZSCHE

Kräftige Männer schieben sie über das frisch verlegte Parkett. Eine Katastrophe. Tief drücken sich die Räder in das weiche Holz. Lack splittert, es knackt bedenklich.

Jeder, der in seinen heimischen vier Wänden das Parkett hegt und pflegt, würde nach einem Blick auf die Rillen und Einschläge in Tränen ausbrechen. Die Damen und Herren in einem Probenraum des Theaters Junge Generation (TJG) betrachten die Schäden am Parkett ungerührt. Einige bücken sich und kratzen in den Rillen herum. Andere wischen mit den Schuhen über das Parkett. Treten fest auf.

Die Schäden sind gewollt. Es werden nicht die letzten bleiben. Sechs Studenten werden ab sofort nächtelang mit Rollwagen und Hubbühnen das Parkett bis aufs Äußerste quälen. Hier wird der Belag für die künftigen Bühnen von Staatsoperette und TJG im Kraftwerk Mitte getestet.

"Wir haben ein finanzielles Problem", erklärt Hartmut Beyer, der beim Bauunternehmen Ed. Züblin AG die Dresdner Bühnen plant. 14 Millionen Euro dürfen die Bretter, die die Welt bedeuten, inklusive Ausstattung kosten. Keinen Cent mehr. "Wir müssen irgendwo 200 000 Euro sparen", seufzt Beyer.

Gemeinsam mit dem Dresdner Architekten Christoph Hahn machte Beyer aus der Not eine Tugend: "Am 22. Dezember 2014 haben wir zusammengesessen und die Idee geboren, alternative Beläge zu testen." Schwarzkiefer ist das Nonplusultra der Beläge für Theaterbühnen, weiß Christina Pophal von der Dresdner Tischlerei "Constantia". Das Nonplusultra ist teuer, deshalb haben die fünf Constantia-Mitarbeiter in den Probenraum in Cotta Produkte eines finnischen Herstellers verlegt: Birke und Birke mit Phenolharz. Daneben liegen Schwarzkiefer und Buche, aber auch die ursprünglich vorhandenen Pine-Dielen.

Die technischen Leiter der Dresdner Theater hat Beyer zu seinem Test eingeladen, sie sollen als Jury bei der Wahl des richtigen Bodens ein Wörtchen mitreden. Buche kommt für die Bühne der Staatsoperette schon mal nicht in Betracht. "Das Material ist sehr hart und hat den Nachteil, dass es nicht federt. Es ist für Ballettaufführungen nicht geeignet", erklärt Hahn. Das Bühnenparkett muss nicht nur Rollwagen und Kulissen verkraften, es darf auch nicht hallen, wenn Schauspieler mit festem Schuhwerk darüber schreiten. Schließlich müssen die Bühnenarbeiter geräuschlos beim Umbau Schrauben befestigen können - die speziellen Bühnenbohrer lassen sich bei den finnischen Produkten nicht benutzen. Da ist eher der herkömmliche Akkuschrauber gefragt - eine Umstellung für das Personal.

Rund 10 000 Bewegungen pro Jahr muss eine Theaterbühne verkraften, erklärt Beyer. Erste Ergebnisse des Härtetests sollen in zwei Wochen vorliegen. Zwischen 22 und 6 Uhr wird das Holz in der Probebühne gnadenlos strapaziert. Die Tests dürfen Proben und Vorstellungen nicht beeinträchtigen. Später einmal, wenn das Kraftwerk Mitte in Betrieb genommen ist, wird aus dem Probenraum ein Kulissenlager, erläutert Lutz Hofmann, technischer Direktor des TJG. Der Testfußbodenbelag soll gleich liegenbleiben.

Wird das Kraftwerk Mitte pünktlich Ende 2016 eingeweiht? "Wir haben Bauverzug aufgeholt", sagt Florian H. Brandenburg, der Projektleiter für den Theaterbau bei der Kommunalen Immobilien Dresden (KID). Drei Monate hatten sich beim Aushub der Baugrube aufgeschaukelt. "Wenn nichts Unvorhergesehenes kommt, werden wir es zum Termin schaffen", glaubt er.

Problem ist aus Sicht von Beyer die Versorgung des Theaterneubaus mit Strom, Wärme und Kälte. Die Dresdner Stadtwerke (Drewag) würden das Gebäude erst im Juni oder Juli 2016 anschließen wollen, aus Sicht des Bauunternehmens müssten die Medien schon im April anliegen. "Sonst wird es zu knapp für den Innenausbau", erklärt Beyer, der auf Entgegenkommen bei der Drewag hofft.

Gefeiert wird auf der Großbaustelle am Wettiner Platz aber auch: Am 7. Mai ist Handwerkerfest. "Da arbeitet nur die Frühschicht", erläutert Beyer. Beim Richtfest seien die meisten Hochbauarbeiter schon auf anderen Baustellen beschäftigt. "Deshalb wollen wir jetzt alle beteiligten Handwerker zusammenholen und ihnen Dank für ihre Arbeit sagen." Das Richtfest für das Kraftwerk ist am 20. August geplant, so Beyer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.04.2015

Thomas Baumann-Hartwig

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