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HfM-Bigband debütiert in kleiner Besetzung in Dresdner Tonne

HfM-Bigband debütiert in kleiner Besetzung in Dresdner Tonne

John Coltrane ist nie im Dresdner Jazzclub Tonne gewesen, ja, er war noch nicht mal in Dresden, obwohl hier doch ansonsten so ziemlich alles erfunden worden sein soll.

Bis auf den Jazz. Der ist Import.

Coltrane wird aber in der Tonne gespielt und Jazz ist in Dresden ein gutgehender Ausbildungszweig. Daher war die Idee gar nicht abwegig, junge Jazzer der Musikhochschule einen reinen Coltrane-Abend im Gewölbekeller unterm Kulturrathaus gestalten zu lassen. Das HfMDD Jazz Orchestra, das in gerader Linie auf Günter Hörigs legendäre Bigband zurückgeht, im neuen Jahrtausend von Friedhelm Schönfelder geleitet wurde und nunmehr unter neuem Namen von Thomas Zoller auf Simon Harrer übergeht, wurde in diesem Konzert in kleiner Besetzung erstaunlich akademisch geleitet. Der Posaunen-Professor, der am morgigen Sonntag im Dozentenkonzert der Fachrichtung Jazz/Rock/Pop seine Ernennungsurkunde vom Hochschulrektor erhalten wird, gab sich zwar unaufgeregt souverän, ließ aber (noch?) jegliche Lässigkeit dieses mitreißenden Genres vermissen. Den irren Sound von Coltranes Gras, das den mit nur 40 Jahren verstorbenen Meister ebenso beflügelte wie zerstörte, lieferte statt dessen das Rohmaterial aus dessen fast unerschöpflicher Schatztruhe.

Was die überwiegend studentischen Mitstreiter betraf, beherrschte freilich höchste Vitalität die Szene. Ein bronzenes Ensemblespiel, aus dem silberne und goldige Bläserkaskaden hervortraten. Feine Arrangements sowohl von Simon Harrer als auch vom mitwirkenden Saxofonisten Finn Wiesner spielten mit der Raffinesse des Coltrane-Materials und boten allen Instrumentalisten gehörig Auslauf, um mit ihrem solistischen Können zu brillieren. Da klangen gewaltige Potenziale an, durfte sich vor allem die Bläserfraktion mit Glanzleistungen hervortun.

John Coltrane ist ja für seine teils aberwitzigen Rhythmen bekannt und wird selbst von gestandenen Musikern wenn nicht gefürchtet, so doch heftig respektiert. Dass dieser dennoch stets elegante Schwung immer wieder mit effektvollen Taktwechseln aufgebrochen wurde, darf einerseits als Beweis für die hohe Qualität der Jazzausbildung an der hiesigen Musikhochschule gelten, war zugleich aber auch beständig der knisternde Funke, aus dem das Tonne-Konzert zum Feuerwerk geriet. Manchem mag es beinahe schon zu perfekt geklungen haben - Coltrane hätte gewiss nie einen elektronischen Taktgeber zugelassen -, doch das stete Vorantreiben von "mood & feeling" zielte direkt in die Jazz-Herzen und traf, auch ohne Schwaden von Gras.

Das Antrittskonzert des HfMDD Jazz Orchestra in großer Besetzung gibt es am 22. Januar im Konzertsaal der Musikhochschule unter Simon Harrers Leitung. Im morgigen Dozentenkonzert werden neben dem Posaunisten auch die Sängerin Esther Kaiser sowie der Trompeter Sebastian Studnitzky zu Professoren ernannt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.12.2014

Aldo Lindhorst

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