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Herta Müller eröffnet im Hygiene-Museum das Festival „Literatur Jetzt!“

Rede, Streit und Poesie Herta Müller eröffnet im Hygiene-Museum das Festival „Literatur Jetzt!“

„Was ich sagen will“, hat Herta Müller 2003 in einem Gespräch in der Zeitschrift „Ostragehege“ bemerkt, „darf sich nicht aufdrängen. Ich muss es einfach der Sprache überlassen.“ „Wir müssen reden“, lautet das Motto von „Literatur Jetzt!“. Eine gut gefüllte Woche mit Lesungen, Vorträgen, Diskussionen, Poetry-Slams, Performances, Konzerten und Tanztheater erwartet die Besucher.

Quelle: Gelya Bogatischcheva, Marina Petrova, Milena Schlösser (Montage DNN)

Dresden.  „Was ich sagen will“, hat Herta Müller 2003 in einem Gespräch in der Zeitschrift „Ostragehege“ bemerkt, „darf sich nicht aufdrängen. Ich muss es einfach der Sprache überlassen.“ Wenige Autoren haben unsere Vorstellungen über Sprechen, Wahrnehmung und Realität so in Frage gestellt, nach eigenen, bisweilen paradoxen Antworten gesucht wie die 1953 im deutschsprachigen Banat in Rumänien geborene Autorin, die 1987 nach Westdeutschland ausreiste. Dies, nicht zuletzt aber auch ihre Diktatur- wie Demokratieerfahrungen qualifizieren die Literaturnobelpreisträgerin von 2009, am 6. November ein Literaturfestival mit dem Schwerpunkt Sprache zu eröffnen. „Wir müssen reden“, lautet das Motto von „Literatur Jetzt!“. Eine gut gefüllte Woche mit Lesungen, Vorträgen, Diskussionen, Poetry-Slams, Performances, Konzerten und Tanztheater erwartet die Besucher.

Zahlreiche bekannte Autoren lesen zum Festival Literatur Jetzt! Wir präsentieren eine Auswahl der bekanntesten Gäste.

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Zentraler Veranstaltungsort ist diesmal das Deutsche Hygiene-Museum. Mit dem haben sich die Organisatoren vom Verein Livelyrix zusammengetan. Was naheliegend ist, läuft dort doch noch bis 20. August 2017 die Sonderausstellung „Sprache“. Die befreiende wie unterdrückende Seite von Sprache soll sichtbar werden, so Gisela Staupe vom Museum. Auch um brennende politische Fragen geht es. „Wie viel Streit braucht die Demokratie?“ – darüber will Lukas Bärfuss, Schweizer Schriftsteller und Dramaturg, mit Jürgen Kaube, dem Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) debattieren (9.11.). Es geht um sprachliche Sensibilität, „politische Korrektheit“, um Radikalisierung und Gefahren für den gesellschaftlichen Frieden. Und Peter Wawerzinek teilt Beobachtungen zum Thema Sprache und Macht aus seiner Stadtschreiberzeit an der Elbe mit (11.11.).

Auswahl aus dem Programm

6. November: 19 Uhr, Herta Müller, „Ich brauchte jeden Tag dringend die Schönheit der Sätze“, Lesung und Gespräch mit Ernest Wichner

9. November: 19 Uhr, Lukas Bärfuss, Jürgen Kaube, „Wie viel Streit braucht die Demokratie?“

10. November: 20 Uhr, Deutsch-Arabischer Lyriksalon „Ein Obdach für den Himmel“

11. November: 17 Uhr, Stadtschreiber Peter Wawerzinek, „Beobachtungen aus der Dresdner Arbeitsmappe“

12. November: 15 Uhr, Marcel Beyer, Manos Tsangaris, Martin Rohrmeier, dazu Countertenor Carl Thiemt und Hans-Ludwig Raatz (Violoncello), „Zur Sprachähnlichkeit von Musik“

12. November: 17 Uhr, Übersetzer Frank Günther, „Abenteuerliche Reise in Shakespeares Sprachwunderwelten“

13. November: ab 11 Uhr, Familiensonntag

Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1. Karten: Museumskasse, Di-So 10-18 Uhr

literatur-jetzt.de und dhmd.de

Andere Veranstaltungen begeben sich an die Grenzen der Sprache. Der Literaturkritiker Michael Braun spricht über den Dadaisten Hugo Ball (12.11.). Der trug 1916 im Cabaret Voltaire in Zürich seine „Verse ohne Worte“ vor. Aller ästhetischer und moralischer Regeln wollte er sich damit entledigen.

Um den Dialog von Sprache und Musik geht es dem Dresdner Autor Marcel Beyer, Büchnerpreisträger dieses Jahres, im Gespräch mit dem Komponisten Manos Tsangaris von der hiesigen Musikhochschule und dem Musikwissenschaftler Martin Rohrmeier von der TU (12.11.). Was kann Sprache, was Musik nicht kann, und umgekehrt?, fragen sie sich. Und: Worin ähneln sich beide Ausdrucksformen?

Wie wird man einem englischen Dramatiker gerecht, wenn man, was er seine Figuren sagen lässt, im Deutschen ganz anders ausdrücken muss?, fragt sich Frank Günther in einer Lecture-Performance (12.11.). Dreißig Jahre lang hat er Shakespeares Gesamtwerk noch einmal ganz neu übersetzt und es bei dtv herausgebracht.

Um die Begegnung fremder Sprachen und Kulturen geht es in einem Deutsch-Arabischen Lyriksalon (10.11.). Zu erleben sind aus dem arabischsprachigen Raum Fouad El-Auwad (Damaskus/Aachen), Mohamad Alaaedin Abdul Moula (Homs/ Hannover), Siham Bouhlal (Paris) sowie die deutschsprachigen Dichter Joachim Sartorius (Berlin) und Kerstin Becker (Dresden). Dazu spielt Thabet Azzawi die Oud, die arabische Laute. „Das wird Festcharakter haben“, verspricht der Dresdner Dichter Volker Sielaff, Festival-Mitorganisator und Moderator.

Den kinderfreundlichen Familiensonntag, mit dem das Festival am 13. November endet, empfiehlt Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke), selbst Mutter von drei Sprösslingen. Jugendbuchautor Bov Bjerg stellt dort seinen Bestseller „Auerhaus“ vor, die Geschichte einer Schüler-WG. Außerdem gibt es einen Poetry-Slam-Workshop für Kinder und Jugendliche mit Bas Böttcher. Das anspruchsvolle, hochkarätig besetzte Festivalprogramm hat auch die Stadt möglich gemacht durch einen Zuschuss von 22 000 Euro.

Von Tomas Gärtner

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