Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
"Herr Doktor, die Kanüle klemmt" im Boulevardtheater Dresden

"Herr Doktor, die Kanüle klemmt" im Boulevardtheater Dresden

Eine Komödie mit dem Titel "Herr Doktor, die Kanüle klemmt", das klingt frivol, frech, ein bisschen schlüpfrig - und genauso ist das im Boulevardtheater auch gemeint.

Voriger Artikel
Das Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt stellt Werke von Elisabeth Richter aus
Nächster Artikel
Dieter Hoffmanns empfehlenswerte Spaziergänge durch die Dresdner Kunst des 20. Jahrhunderts

Chaos in der Praxis: Rosina Nudelmann (Katharina Eirich) und Doktor Löchler (Manuel Krstnovic) verarzten das Publikum.

Quelle: Robert Jentzsch

Man lese sich nur das Programmheft durch: Das Stück aus der Feder von Clemens Wolkmann spielt in einer Frauenarztpraxis, steht da. Dort treffen Figuren mit den Namen Löchler, Nudelmann oder Kitzler aufeinander. Und wie zu erwarten, überbieten sich die eindeutig zweideutigen Wortspielereien schon in den ersten sechs Minuten des Stückes.

Professor Doktor Alex Löchler möchte nämlich zum Kongress nach Cambridge fahren und überlässt Praxis samt Patienten in dieser Zeit seinem Zwillingsbruder, dem Veterinärarzt Axel, der allerdings eher auf die Behandlung von Großgetier spezialisiert ist. Dieser wirft auch sogleich ein Auge auf die neue Sprechstundenhilfe Rosina Nudelmann, die schön knappe Röcke trägt - und eigentlich sowieso viel lieber bei "Deutschland sucht den Superstar" berühmt werden würde. Dazwischen stolzieren, kriechen und tappen natürlich noch ein paar delikat pikante Patientinnen in die Praxis, ach ja, ein Pharma-Spion aus Amerika darf auch nicht fehlen.

Das war es eigentlich schon an Handlung. Dafür allerdings ist an frivol fluffigen Witzen tatsächlich reichlich vorhanden. Wer jetzt allerdings denkt, dass sich daraus kein unterhaltsamer (sondern allenfalls ein billiger) Theaterabend machen ließe, der irrt gewaltig. Denn Jürgen Mai zaubert in seiner Inszenierung aus dem seicht komödiantischen Verwirrspiel irgendwie doch einen flottes Bühnenstück, das leichtfüßig unterhält, aber Gott sei Dank gar nicht so doll unter die Gürtellinie geht, wie die Lektüre des Programmheftes - vom Theater übrigens ebenso wie die Aufführung selbst vorsorglich auf ein Mindestalter von 18 Jahren beschränkt - es zuvor vermuten ließe.

Anna Beck hat dazu ein detailreiches Bühnenbild in warmer Praxisoptik entworfen, in dem weder Arztschrank, Liege, Schreibtisch noch der obligatorische Frauenarztstuhl fehlen. Schwung bekommt das Ganze allerdings vor allem durch das Personal - und da können sich Regie wie Autor zum Glück auf ein überzeugendes Ensemble verlassen, das spürbar große Freude an der leichten Muse auf die Rampe bringt. Manuel Krstanovic gibt einen beherzten Doktor in Zwillingsrolle, dem in der Praxis das ganze Spektrum menschlicher Zipperlein begegnet. Katharina Eirich steht ihm und dem Zwilling als liebenswert patente Sprechstundenhilfe mit einer Leidenschaft für deutschen Schlager zur Seite. Wenn sie im minikurzen Rock auf Pumps (Kostüm: Michael Wolf) durch die Praxis stöckelt, erinnert sie streckenweise sogar an die schrille "Nanny" Fran aus der gleichnamigen Fernseh-Sitcom.

Doch auch die Patienten lassen den Praxisalltag auf der Bühne brodeln. Ulrike Mai könnte als die schrullige, bucklige Frau Leutheuser-Schnarrenthal (Maske: Christine Palme) fast schon zur Kultfigur dieser Komödie werden: Die ist nämlich 95 Jahre alt, tätowiert, mit Piercing (zum Glück an Stellen, die man hier nicht sieht), ihrem Gynäkologen treu verbunden und auch sonst noch sehr aktiv. Doch auch Katrin Jaehne beweist unterhaltsame Wandelbarkeit. Ob als lebende Diskokugel im schwarz-rosa Petticoat (der Name Kitty Kitzler muss hier nicht weiter erwähnt werden), als maskuline Frau Berge, die sich am Ende in einen Herrn verwandelt hat, oder als prüde Bibliothekarin, die versehentlich mit einem Stammleser im Archiv nächtigte.

Schließlich ist da noch Herbert Graedtke, der hier als amerikanischer Spion namens Miller die frauenärztlichen Forschungen von Doktor Löchler unterwandern will, schließlich jedoch als jene unverzichtbar lustige Figur endet, die in dem Moment, wo gerade alles andere im Chaos zu versinken droht, lautstark aus dem Wandschrank plumpst. Die im Stücktitel beklemmend klemmende Kanüle übrigens streikt denn auch gar nicht direkt am Patienten. Sie dient den beiden Praxisaushilfen, die sich körperlich natürlich bald nahe kommen, lediglich als Signalwort zur Überführung dieses Schnüfflers mit NSA-Agententalenten. Alles nicht so schlimm eben, bloß lustig - und ein wirksames Rezept, um zwei Stunden lang den Ernst des Lebens auszukurieren.

Boulevardtheater Dresden: "Herr Doktor, die Kanüle klemmt", wieder am Donnerstag 20 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2015

Nicole Czerwinka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr