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Herman van Veen stellt seine Autobiografie in Dresden vor

Meister von Absurdität und Feinsinn Herman van Veen stellt seine Autobiografie in Dresden vor

Als Herman van Veen so um die 35 war, spielte er des Öfteren auch mal in der DDR. Da deren Geld in jenen Tagen einen „feuchten Kehricht“ wert war, ersang er für sich zwei Geigen, wie er in seiner Autobiografie „Erinnerte Tage“ festhält, die er nun im Haus des Buches vorstellte.

Herman van Veen am Dienstagabend im Thalia.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Als Herman van Veen so um die 35 war, spielte er des Öfteren auch mal in der DDR. Da deren Geld in jenen Tagen einen „feuchten Kehricht“ wert war, durfte er als Gegenleistung in einem Speicher voller Antiquitäten etwas aussuchen – auf diese Weise sang er sich zwei Geigen zusammen, wie der niederländische Musiker in seiner Autobiografie „Erinnerte Tage“ festhält, die er nun – präsentiert von den DNN – im Haus des Buches vorstellte.

Die Veranstaltung war seit langem ausverkauft, van Veen ist der mit Sicherheit populärste Niederländer hierzulande – und verfügt auch in Dresden über eine passionierte Fangemeinde, die es sich nicht entgehen lässt, wenn der ob seines Sprachwitzes geschätzte Geschichtenerzähler und Denker, der Clown und Sänger, der Meister von Absurdität und Feinsinn vorbeischaut.

In „Erinnerte Tage“ blickt van Veen mit feiner Ironie wie selbstironischer Heiterkeit zurück auf seine Kindheit in der Nachkriegszeit, auf die Jahre als Heranwachsender, auf inspirierende Begegnungen. Und er erzählt von besonderen Erlebnissen, die er mit Deutschland verbindet: Von einem besonderen Brief Willy Brandts, seinen Auftritten in der DDR, als er etwa in Weimar alle Türen und Fenster der Halle aufmachen ließ, „damit mehrere tausend Menschen mithören konnten“.

Als Herman van Veen so um die 35 war, spielte er des Öfteren auch mal in der DDR. Da deren Geld in jenen Tagen einen „feuchten Kehricht“ wert war, ersang er für sich zwei Geigen, wie er in seiner Autobiografie „Erinnerte Tage“ festhält, die er nun im Haus des Buches vorstellte.

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Die Mauer, die van Veen ein „Unding“ und eine „Bankrotterklärung der DDR“ nennt, brachte er zweimal zur Sprache: Einmal bei einer Pressekonferenz im Palast der Republik, dann als er in einem Konzert in der Werner-Seelenbinder-Halle dem Publikum versprach, nächstes Jahr würde man sich im Olympia in Paris wiedersehen. Funktionäre von Partei und Staat waren entsetzt, wie sich van Veen erinnert, „aber es gab gleichwohl andere, die mich dann trotzdem wieder einluden“.

Van Veen, der von sich behauptet, „Ich bin politisch aktiv in der Hinsicht, dass ich mit Liedern, Metaphern und Formgebung heikle Dinge anprangere“, hat keine Biografie verfasst, die chronologisch aufgebaut ist, schon weil seiner Ansicht nach kein Leben stringent von A nach B geht.

Immer wieder reflektiert der das Leben bejahende und doch die Vergänglichkeit nicht verdrängende van Veen das Verhältnis zu seinen Eltern. Hätte es etwa eine Olympiade für Staubsaugen, Knöpfe-Annähen, Stricken oder Groschen-Umdrehen gegeben, seine Mutter wäre mehrfache Olympia-Siegerin gewesen. Als er sie an ihrem 80. Geburtstag fragte, „Mama, was glaubst du, was kommt nach dem Tod?“, antwortete sie weise: „Nach dem Tod, Liebling? Die Rechnungen.“

Ein anderes Thema des Abends war „de Paltz“, ein Landgut bei Utrecht, das in einer Parklandschaft liegt und von van Veen und seiner Künstlerkollegin Edith Leerkes mit viel Herzblut und noch mehr Arbeit zu einem offenen Kunstzentrum ausgebaut wurde. Deutlich wird, dass van Veen zwar einerseits eine gewisse Routine zu schätzen weiß, etwa was den Start in den Tag mit dem damit verbundenen Frühstück angeht, andererseits aber es zumindest bei Konzerten überhaupt nicht mag, sich zu wiederholen. Bei zwei, drei Liedern, die van Veen an diesem Abend zum Besten gab, begleitete Leerkes ihn auf der Gitarre. Zwar nur ein kleiner Ersatz für ein künftiges großes Konzert wann und wo auch immer in Dresden, aber immerhin.

Herman van Veen: Erinnerte Tage, Knaur Verlag, 320 Seiten, 19,99 Euro

Von Christian Ruf

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