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Herman van Veen kommt am Sonnabend mit seinem Album "Für einen Kuss von Dir" nach Dresden

Herman van Veen kommt am Sonnabend mit seinem Album "Für einen Kuss von Dir" nach Dresden

Seit fast 50 Jahren steht Herman van Veen auf der Bühne. Trotz dieser langen Zeit strahlt er eine Begeisterung aus, als würde er gerade debütieren. Stephan Hönigschmid sprach mit ihm im Vorfeld seines Dresdner Auftrittes über den Mauerfall, über die Begeisterung der Fans und über das Alter und den Tod.

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Herman van Veen

Quelle: Robin Utrecht/dpa

Frage: Sie waren bereits einige Male in Dresden, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an die Stadt denken?

Herman van Veen: Ich denke dann immer an einen Auftritt einige Jahre vor dem Mauerfall zurück. Irgendwie hatte ich bereits damals das Gefühl, wenn ich im Hotel oder andernorts den Menschen begegnet bin, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis die Grenze geöffnet wird. Ich spürte förmlich ihren Hunger nach freier Meinungsäußerung und freier Wahl des Aufenthaltsortes und glaubte, dass man das nicht auf Dauer unterdrücken kann.

Welche Unterschiede haben Sie bei späteren Auftritten nach dem Mauerfall festgestellt?

Ein markanter Unterschied war der Duft der Frauen. Als ich zu DDR-Zeiten das erste Mal nach Dresden kam, haben die Frauen noch nach Seife gerochen, so wie bei uns in den 1950er Jahren. Nach der Wende hat sich dann alles schnell angeglichen, und sie dufteten wie im Westen nach Eau de Cologne, nach Deodorant oder anderen Parfümen.

Wissen Sie, wie oft Sie bisher in Dresden auf der Bühne standen?

Ich denke, dass ich ungefähr zum zehnten Mal nach Dresden komme.

Wie unterscheidet sich das Dresdner Publikum vom dem anderer Städte?

Die Städte sind alle sehr unterschiedlich. Man kann beispielsweise Dresden nicht mit Rostock vergleichen. Das hängt ganz einfach mit der Landschaft zusammen, die die Menschen prägt. Rostock liegt eben am Meer und Dresden nicht. Außerdem ist es natürlich etwas anderes, ob man in eine Universitätsstadt oder in eine Industriestadt kommt. Aber gerade diese Vielfalt an Menschen macht meinen Beruf so schön.

Gibt es von Ihren Dresdner Auftritten bestimmte Erlebnisse, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ich muss immer wieder daran denken, wie meine Dresdner Fans zu DDR-Zeiten tagelang mit Schlafsäcken vor dem Kulturpalast angestanden haben, um zu meinem Konzert zu kommen. Ich dachte, ich wäre beim Camping. Aber es machte den Menschen nichts aus, weil sie unbedingt dabei sein wollten. Das war einfach unvergesslich.

Wie erklären Sie sich nach all den Jahren die ungebrochene Begeisterung für Ihre Musik?

Heute morgen habe ich im Fernsehen eine Reportage über einen Auftritt von mir gesehen. Als ich den Mann dort auf dem Bildschirm betrachtete, dachte ich mir sofort: Der liebt seinen Beruf. Und das ist es letztendlich, worauf es ankommt. Ich liebe Musik und tue alles dafür, um so schön, so gut und so energiereich wie möglich zu spielen. Diese Begeisterung färbt auch auf andere ab, weil die Leute Freude daran haben, wenn jemand seine Arbeit gerne macht - sei es im Sport, im Handwerk oder eben in der Musik.

Auf Ihrer Tour singen Sie Songs von Ihrem Album "Für einen Kuss von Dir". Wovon handeln die Lieder?

Das Album ist meinen beiden Enkelsöhnen gewidmet. Das Lied "Für einen Kuss von Dir" habe ich für die zwei Jungs geschrieben. Wie alle meine Lieder spielen sie in meinem persönlichen Umfeld. Ich spreche über unser Dorf, meinen Garten, die Kinder oder die Großeltern und nutze diese Geschichten als Metapher für größere Vergleiche. Ich liebe es, das zu tun, und kann ehrlich gesagt auch nicht anders, als meine kleine Welt zu beschreiben.

Viele Ihrer Lieder sind recht traurig. Da stellt sich die Frage, ob man selber oft traurig sein muss, um nachdenkliche Lieder schreiben zu können?

Es geht nicht darum, ob man selber traurig ist. Vielmehr muss man die Dinge zur Kenntnis zu nehmen, die eben passieren. Menschen sterben nun einmal. Vor allem in meinem Alter ist das immer öfter der Fall. Vor zehn Jahren habe ich diese Periode Herbst genannt, jetzt befinde ich mich mitten im Winter. Und ich beschreibe das auf eine sehr fröhliche und gefasste Art und Weise. Ich habe so einen Satz in der Vorstellung, wo ich sage: "Das Leben ist nichts anderes, als ein Haufen Getue zwischen zwei Perioden Bettnässerei". Das ist ein lustiger Satz, aber auch ein sehr realistischer Satz.

Haben Sie in Ihrem Programm neben den neuen Liedern auch die Klassiker wie "Kleiner Fratz" oder "Zärtliches Gefühl" mit dabei?

Eigentlich nicht, aber wenn mich die Leute vorher in Mails oder Briefen darum bitten, dann spiele ich sie als Zugabe.

Wenn Sie heute als junger Musiker noch einmal anfangen würden, hätten Sie es da in Zeiten von Castingshows leichter oder schwerer als früher?

Schwerer, weil es schwieriger geworden ist, das eigene Talent zu entwickeln. Viele Karrieren starten heute in diversen Shows so, dass jemand so tun muss, als wäre er ein anderer. Wenn ich über diese Wettbewerbe nachdenke, fällt mir immer eine Anekdote über Charlie Chaplin ein. Der hat einmal incognito an einem Imitationswettbewerb mitgemacht, wo die Teilnehmer Chaplin imitieren sollten. Obwohl er das Original war, wurde er nur Sechster.

Sie sind jetzt 68 Jahre alt. Wie lange möchten Sie noch auf der Bühne stehen?

Wenn ich nicht mehr weiß, was ich am Abend gespielt habe, dann höre ich auf. Ich hoffe, eines Tages so alt zu sein, dass der Tod kein Interesse mehr an mir hat.

iKonzert Herman van Veen am Sonnabend, 19 Uhr, Junge Garde Dresden

Karten von 41,60 bis 52,10 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2013

Stephan Hönigschmid

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