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Herbert Köfer wird 95 – Stammgast an Dresdner Comödie

Geburtstag Herbert Köfer wird 95 – Stammgast an Dresdner Comödie

Er ist DDR-Fernseh-Legende, Volksschauspieler und Publikumsliebling. Herbert Köfer liebt die kleinen Rollen auf Bühne und Bildschirm.

Köfer gemeinsam mit Ingeborg Krabbe (l.) und Dorit Gäbler im Sommer 2011 in Dresden in einer Kleingartenanlage. Anlass waren die Proben des DDR-Klassikers „Rentner haben niemals Zeit“.

Quelle: Matthias Hiekel, dpa

Dresden. Das Publikum ist sein Lebenselixier. „Ich lebe mit jeder Vorstellung, jeder Lesung und jedem Tag, an dem ich spiele, auf“, sagt Herbert Köfer. Seit mehr als sieben Jahrzehnten steht er auf der Bühne. Am Mittwoch (17. Februar) wird der Volksschauspieler 95 Jahre alt. Nach wie vor ist er präsent im Fernsehen und steht noch regelmäßig auf der Bühne. Erst kürzlich endete in der Comödie Dresden das jüngste Wagnis: eine Frauenrolle. 33 gefeierte Vorstellungen von „Opa ist die beste Oma“ sprechen für sich.

Und selbst am Ehrentag gönnt sich der charmante Mime keine Pause. „Es gibt diesmal keine große Feier mit Kollegen und Familie“, erzählt der Jubilar. „Ich stehe auf der Bühne.“ Denn Köfer und seine dritte Ehefrau Heike sind gerade mit ihrer Komödiantenbühne und dem Kult-Stück „Rentner haben niemals Zeit“ auf Tournee durch Ostdeutschland. In der Stadthalle von Bernau bei Berlin lädt er nach der Vorstellung ein. „Es gibt Freibier und Schmalzstullen für alle.“ Von Ruhestand will der wesentlich jünger aussehende Senior nichts wissen. „Der Beruf ist mit Schönheit verbunden und die auch anstrengende Arbeit mit Erfüllung“, sagt er.

Dabei kam der 1921 in Berlin geborene Köfer eher zufällig zur Schauspielerei. „Ich war ein Jüngelchen zwischen den kräftigen sportlichen Kerlen“, erzählt er. Zwar hätten sich die Mädchen auch für ihn interessiert. „Aber ich wollte etwas machen, mit dem man Aufmerksamkeit erregt.“ Also lernte er Geige, war auch am Konservatorium, bis ihm das ständige Üben von Tonleitern zu langweilig wurde. „Ich konnte immer alles, aber nicht perfekt.“ Als Schauspieler gesucht wurden, sprach er vor – und war dabei. „Ich bereue das nicht einen Tag, es war die richtige Entscheidung.“ Auch wenn es Hochs, Tiefs und Tränen gab.

Köfers künstlerische Heimat ist das Theater. 1940 debütierte er nach der Schauspielschule als Kronprinz Friedrich im Stadttheater Brieg (Schlesien). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Rollen und die Bühnen immer größer – bis er bei Wolfgang Langhoff am Deutschen Theater landete. Zwei Jahre später wechselte er dann zum Deutschen Fernsehen, machte Filme und Unterhaltungssendungen. Am 21. Dezember 1952 sprach er beim offiziellen Start des Deutschen Fernsehfunks die Nachrichten – und am 31. Dezember 1991 moderierte er mit der Silvestershow auch dessen letzte Sendung.

Köfer spielte in Schwänken und Komödien ebenso wie in Drama, Kabarett und TV-Serien, moderierte Unterhaltungssendungen und wirkte in zig Hörspielen wie „Neumann, zweimal klingeln“ und Features mit. Bis in die Gegenwart ist er mit kleinen Rollen präsent: in Filmen wie „Nackt unter Wölfen“, „Kleiner Mann, was nun?“ oder „Wolf unter Wölfen“, in Lustspielen wie „Drei Mann auf einem Pferd“, in Schwänken und TV-Serien wie „Geschichten überm Gartenzaun“ oder „Maxe Baumann“. Mit seinem Opa Paul Schmidt, der Hauptfigur der Reihe „Rentner haben niemals Zeit“ 1978/1979 wurde Köfer Kult – und endgültig zum Publikumsliebling. „Wir haben sie nicht als Rentner mit Zipperlein gespielt, sondern als Menschen, die mitten im Leben stehen“, erklärt er den Erfolg des Stücks.

„Eine schöne Rolle im Film macht Spaß, auf der Bühne ist es ganz anders, die Bühne ist mein Podium.“ Dabei schätzt Köfer das direkte Urteil, ob es gut oder schlecht war. „Man wächst mit jeder Minute, die der Applaus anschwillt.“ Das will er auskosten, so lange die Gesundheit mitmacht. „Nur auf die Bühne getragen werden möchte ich nicht.“

Momentan ist Köfer davon weit entfernt. Seine Energie und Fitness verblüffen sogar die Ärzte. „Ich kann rennen, springen und Treppen steigen.“ Nur das Text-Lernen wird im Alter schwieriger – und morgens braucht er Zeit. „Ich gehe den Tag sehr ruhig an, ohne Hektik.“ Mit 92 hat er nochmals ein Haus gebaut und einen Kirschbaum gepflanzt, in dessen Schatten er sich unbedingt noch legen will. Nur für Kinder, Enkel und Urenkel bleibt wenig Zeit. „Ich bin kein idealer Opa, weil ich immer zu tun habe.“

Zum Geburtstag erscheint eine erweiterte Neuauflage der Biografie von Herbert Köfer: Nie war es so verrückt wie immer ...; Verlag Das Neue Berlin, 219 S., 20,50 Euro, ISBN 978-360-01934-9

Von Simona Block

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