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Heitere Donizetti-Oper mit der Philharmonie Dresden

Heitere Donizetti-Oper mit der Philharmonie Dresden

Als Michael Sanderling beschloss, Gaetano Donizettis Opera buffa "Le convenienze ed inconvenienze teatrali" im 8. Außerordentlichen Konzert der Philharmonie aufzuführen, hätte er sich vielleicht doch besser für die italienische Originalversion entscheiden sollen.

Dann nämlich wäre es legitimer Zwang vorhanden gewesen, die deutsche Übersetzung zu projizieren oder wenigstens im Programmheft zum Mitlesen abzudrucken. Hierzu äußerte Derek Gimpel, der Verfasser der deutschen Version, der auch Regisseur der halbszenischen Inszenierung ist: "Es war der Wunsch von Herrn Sanderling, die Oper auf Deutsch zu singen. Es handelt sich um eine Komödie, und die soll das deutsche Publikum nicht nur in groben Zügen, sondern um Detail folgen können." Schön wär's ja gewesen, aber genau das Gegenteil ist eingetreten. Bis auf wenige Ausnahmen war der Text in gut gemeintem Deutsch so unverständlich, wie es eigentlich nur in der Oper zu verzeichnen ist. Wer sich nicht vorher über die Handlung informiert hatte, konnte dem Geschehen nicht einmal "in groben Zügen" folgen, von Detailverständlichkeit ganz zu schweigen.

Das ist schade, denn diese Opernparodie hat Witz und Biss. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht zu Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos", denn auch hier geht es um eine Oper über eine Oper. Gewürzt ist das mit einer gehörigen Portion Pfeffer, denn es werden sachliche und personale Unzulänglichkeiten des Theaterbetriebs und seiner Protagonisten dem Spott der Zuhörer preisgegeben. Man kann in der Absage der Premiere durch die Stadtverwaltung sogar ein Abbild gegenwärtiger Kulturpolitik sehen, ohne dem Original Zwang anzutun. Nicht zufällig heißt die deutsche Übersetzung des Titels "Sitten und Unsitten der Leute vom Theater". Der italienische Kurztitel "Viva la mamma" stammt aus einer späteren Bearbeitung der ursprünglichen Farsa, die 1827 (erste Fassung) beziehungsweise 1831 (zweite Fassung) in Neapel uraufgeführt wurde.

Der Wunsch nach Verständlichkeit des Textes wurde also nicht erfüllt. Aber etwas anderes gelang Sanderling mühelos: Er zeigte, dass Donizetti ein unglaublich geschickter und das Genre der Oper souverän beherrschender Komponist war. Er gehört mit seinen 71 (!) Opern in die Reihe der erstaunlich fruchtbaren italienischen Opernkomponisten. Als "Le convenienze" entstanden, hatte Rossini das Schreiben weitgehend aufgegeben, Bellini starb 1835, und es sollten noch einige Jahre vergehen, bis Verdi als Repräsentant einer neuen Schreibweise anerkannt wurde. Es macht keinen Unterschied, ob man Donizettis Kompositionen als geschickt oder routiniert bezeichnet; er füllte auf jeden Fall eine Lücke und ist auf deutschen Bühnen noch lange nicht in ganzer Fülle neu entdeckt. Dass die knapp anderthalb Stunden dauernde Oper überhaupt in den philharmonischen Spielplan geraten ist, darf als Verdienst Sanderlings gewertet werden, zumal sein Dirigat aus dem Werk herausholte, was überhaupt möglich war. Fast immer waren Sänger und Orchester synchron, ein paar wacklige Stellen waren nach wenigen Takten wieder im Lot. Genussvoll zelebrierte er die Zitate, die Donizetti aus "Freischütz" und "Zauberflöte" in seine Partitur eingearbeitet hat. Derek Gimpel lässt die Sänger vor dem Orchester spielen, also mit dem Rücken zum Dirigenten und trotzdem ergaben sich kaum je Unstimmigkeiten. Das Arrangement kam auch dem autstärkegleichgewicht zugute. Die als halbszenisch bezeichnete Personenführung könnte dabei sogar eine optimale Lösung sein, weil sie davor schützt, dass das Werk durch ein Übermaß an Regieeinfällen zur Klamotte verkommt.

Zehn Solisten weist die internationale Besetzung aus. Alle hätten eine ausführliche Würdigung ihrer Leistungen verdient, was hier allerdings unmöglich ist. Stellvertretend für alle soll die Chinesin Yitian Luan in der Rolle der Primadonna Daria genannt sein. Sie entfachte ein Brillantfeuerwerk italienischen Ziergesangs mit extremem Ambitus und reichster Ornamentik. Da dürfte, wie in jener Zeit üblich, der Sängerin ein hohes Maß an freier Ausgestaltung eines relativ simpel anmutenden Notenbilds erlaubt gewesen, ja sogar von ihr gefordert sein. Und dem kam sie mit sicherem Gefühl für Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Rolle nach. Ebenso üblich war, dass neben ihr keine andere Sängerin bestehen konnte und nur einige Männerrollen für ein Gleichgewicht sorgten. Die kleinen Chorpartien wurden von Herren des philharmonischen Chors und Mitgliedern des freien Opernchors Sachsen ebenso sicher bewältigt.

Es war ein vergnügliches Konzert, bei dem die Unverständlichkeit des Textes in Kauf genommen werden konnte, weil die Musik zweifelsfrei der wichtigste Teil des Gesamtgeschehens ist.

Peter Zacher

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.06.2012

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