Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Heinz Rudolf Kunze im Dresdner Schlachthof

Konzert Heinz Rudolf Kunze im Dresdner Schlachthof

Das Licht geht an, „Tach“ klingt es hart aus den Lautsprechern und ebenso hart setzen Bass und Gitarre zu einem markanten Bluesriff an. Heinz Rudolf Kunze steigt sofort und ohne langes Geplänkel ein in den Konzertabend.

Geballte Man- und Saiten-Power: Gitarrist Peter Koobs, Heinz Rudolf Kunze und Bassist Leo Schmidthals (v.l.n.r).

Quelle: Andreas Weihs

Dresden. Das Licht geht an, „Tach“ klingt es hart aus den Lautsprechern und ebenso hart setzen Bass und Gitarre zu einem markanten Bluesriff an. Heinz Rudolf Kunze steigt sofort und ohne langes Geplänkel ein in den Konzertabend. Hier im Schlachthof macht er Halt auf seiner Deutschland-Tour, mit Liedern seines im Frühjahr veröffentlichten gleichnamigen Albums und zeitlosen Hits. Der Rockpoet ist dabei bereits auf der Zielgeraden seiner jetzigen Konzertreise.

„Es ist in ihm drin“ vom aktuellen Album wählt Kunze als Einstieg, um musikalisch sofort den Bogen zum 30 Jahre früheren „Wunderkinder“ zu schlagen. Ein roter Faden, der sich über mehrere Jahrzehnte spannt und an dem viele weitere Lieder aufgereiht sind. Das Publikum ist angesichts der bekannten Melodie schnell aufgewärmt. Die analytisch-kritische Bestandsaufnahme der Zustände in der „Wirtschaftswunderzeit“ ist ummantelt mit Gute-Laune-Pop, der mitreißt und trotz des kritischen Inhalts kaum Schwermut aufkommen lässt. „Als wir klein waren, war das Allermeiste sonnenklar…“. Was daraus wurde und wie es heute ist, darüber berichtet Kunze in Wort und Ton in den folgenden gut zweieinhalb Stunden.

Heiße Eisen anzufassen, Befindlichkeiten aufzuzeigen, Zustände zu analysieren, Kritik zu üben – das ist ganz sein Ding. Da, wo viele Leute sich nicht trauen, etwas zu sagen, hat er eine Meinung. Viele seiner Lieder sind eine Bestandsaufnahme der jeweiligen Zeit, genau beobachtet und mit spitzen, treffenden Worten formuliert. Und dann gibt es aber auch noch die „Gassenhauer“, die einfach nur Spaß bereiten, mit eingängigen Melodien und „unverfänglich“ bis sogar humorvollen Texten. Beides passt auf die Dresdner Setliste. Die ist wohl durchdacht und ausgereift, bietet ein Wechselbad an Stimmungen, an Emotionen, an Mitmach-Songs und Zuhör-Liedern, und spannt sich über den gesamten künstlerischen Werdegang Kunzes, von den Achtzigern bis Heute. Einige Stücke des Deutschland-Albums stehen auch auf dieser Liste, sind aber nicht der Mittelpunkt. Vielmehr fügen sich das melodisch-balladeske „In der alten Picardie“, das poppige „Das Paradies ist hier“, das nachdenkliche „Jeder bete für sich allein“ und natürlich das titelgebende, schonungslose „Deutschland“, nahtlos in das Gesamtprogramm ein.

Es braucht etwas Zeit, um den Enthusiasmus des Publikums so weit zu entfachen, dass die Begeisterung über das Zuhören hinaus sich auch in Arme und Beine entlädt. Zunächst wird also genau zugehört und zwischen den Stücken applaudiert. Doch Kunzes Auftritt folgt einer Dramaturgie, die irgendwann jeden im Saal einfängt.

Doch die Musik und Hits sind nicht alles. Ein paar Mal setzt sich Kunze an sein Klavier und packt sein Textbuch aus. Auf dieser Tour bekommen seine gesprochenen Texte wieder eine größere Bedeutung und mehr Raum. Kunze ist bekannt für seine geschliffenen Worte, seine feinsinnige Sprache, die auch hintersinnig sein kann, aber immer scharf und genau analysierend, auf den Punkt kommend. Es macht einfach Spaß, zuzuhören. Auch (oder gerade weil) der Humor schon Mal tiefschwarz werden kann. Die Themen, breit gefächert: Vom Alltäglichen, gesellschaftlichen Befindlichkeiten, den Zuständen im Land bis hin zur Asylproblematik. Nicht einmal der HipHop ist vor ihm sicher, obwohl er sich „lange sträubte“. Am Bühnenrand sitzend und Finger schnippend will er dieses Feld nicht Leuten wie dem Wu-Tan-Clan und Bushido allein überlassen. Bei Kunze wird nicht nur gerockt, ein kleiner Akustikblock mit „Elixier“, „So wie du bist“ und „Leg nicht auf“ lockert das Geschehen auf und rückt die „Verstärkung“ – mit Bassist Leo Schmidthals, Keyboarder Matthias Ulmer, Schlagzeuger Jens Carstens und Gitarrist Peter Koobs – nach vorn. Doch das Intermezzo dauert nicht lang, bald schon heißt es: Zurück zum Rock’n’Roll. Kunze greift zur Gitarre, lässt es krachen. Der Sound druckvoll, voller Kraft und Energie, selbst bei den ruhigeren Stücken.

Natürlich dürfen in einem Kunze-Konzert Lieder wie „Mit Leib und Seele“, „Finden sie Mabel“ und das ewig-junge „Dein ist mein ganzes Herz“ nicht fehlen. Auch „Lola“ und „Wenn du nicht wiederkommst“ feiert das Publikum.

Kunze präsentiert sich in Bestform und das merken auch die Zuhörer. Die Freude am Spielen, darüber, auf der Bühne zu sein, die merkt man ihm an. Zum Finale sitzt der Rockpoet allein am Klavier, singt „Ein fauler Trick“ vom neuen Album und resümiert schließlich: „Das Leben ist ein fauler Trick, das Leben vielleicht, aber die Bühne nicht.“ Dann lässt er den langen Abend ausklingen mit „Ich hab’s versucht“ und seine Fans nach vier (!) Doppel-Zugaben hinaus in die Nacht.

Von Andreas Weihs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr