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Heinz Rennhack und Heinz Behrens mit Klamauk in der Dresdner Comödie

Heinz Rennhack und Heinz Behrens mit Klamauk in der Dresdner Comödie

Abgehalftert sind sie beide, von Geldnot geplagte und "vom Leben durchgebeutelte Freischaffende". Das hört sich deprimierend an. Schreiend komisch ist, was Heinz Rennhack und Heinz Behrens aus diesem Aufeinandertreffen der "Zwei Genies am Rande des Wahnsinns" in der Comödie Dresden machen.

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Heinz Behrens (vorn) und Heinz Rennhack auf der Bühne.

Quelle: Robert Jentzsch

Sie fordern bei der Premiere dieses Stücks die lauten Lacher und bekommen sie auch. Routiniert und mit großer Spiellaune geben sie zwei Figuren Ausdruck, die sich teils grotesk weit über die Grenzbereiche des Wahnsinns hinaus bewegen. Da ist einerseits der ehemalige Staatsschauspieler Maximilian von Rausch, dessen Beine sich immer dann merkwürdig zuckend verselbstständigen, wenn er Musik hört. Der 80-jährige Heinz Behrens spielt ihn mit übertriebener Gestik sowie einer angestrengt ausgesuchten Ausdrucksweise und sorgsam betonenden Sprechart, die mitunter an Hellmuth Karasek erinnert. Uneingeschränkt selbstbewusst meint er, dass sich Europas Bühnen dereinst verfinstern werden, wenn sein Licht erlischt; und schlägt sich doch nur als "Trauertragöde" durch, der den Programmteil bei Beerdigungen bestreitet. Großartig, wie Behrens diesen verhinderten Großschauspieler mit Gedächtnisschwäche karikiert, indem er zum theatralischen Auftreten immer absurdere Textzeilen hervorbringt.

Die Figur des von Heinz Rennhack gespielten Komödianten ist weniger facettenreich, was der erfahrene Theaterhase mit seinem Spielwitz mühelos ausgleicht. Nach traumatisch vergeigten Vorsprechen reagiert Bertholt-Balduin Schmiddt mit Schweißattacken auf die Namen Shakespeare und Schiller, außerdem fahren ihn fremde Geister in den Leib, wenn er Tabak und Alkohol zugleich konsumiert. Der ausgefallene Kniff des Autorenduos Ingo und Ralph Woesner wirkt deplatziert, zumal Rennhack die in ihn fahrenden Hitler und Honecker wenig überzeugend parodiert.

Seine Stärken, das zeigt er, liegen woanders: Er springt über die Bühne, kommentiert Behrens überkandideltes Gehabe mit den passenden Grimassen und strahlt eine derartige Agilität aus, dass man ihm seine 76 Lenze nicht glauben mag. Rennhack nimmt das Publikum aus dem Stand in Beschlag. Dass er mit der ersten Reihe auf Tuchfühlung geht, ist dafür kaum nötig, verstärkt das Wohlwollen nur noch. Später im Stück singt der an der Dresdner Musikhochschule ausgebildete Rennhack mit den Theaterbesuchern die "Ode an die Freude". "Sind ja lauter Kruzianer hier", lobt er. Es ist wie ein Heimspiel für das Multitalent.

Die Handlung des Zweipersonenstücks wird durch ein Missverständnis in Gang gebracht: Während der Staatsschauspieler sich für eine Trauerfeier engagiert hält, meint der Komödiant, sich auf eine Hochzeit vorbereiten zu müssen. Entsprechend unvereinbar gehen sie an das Programm heran, das beide im Auftrag ihrer Agenten ausarbeiten sollen. Diese Kluft ist der Treibstoff für das Gagfeuerwerk, das die zwei Heinze in der Inszenierung von Sebastian Wirnitzer entfachen. Was sie zeigen, erinnert an Sketchparaden, Bauernschwank und die Wortverdrehereien von Herricht und Preil. Das ist wenig neu, wenig überraschend, aber gut gespielter Klamauk mit hoher Pointendichte. Die manchmal etwas grobe Masche kommt an. Sehr zum Gefallen der fast vollen Ränge ist auch, wie sich beide beim Einspielen der Balkonszene von Romeo und Julia verheddern. Komödiant und Tragöde verleihen dem weiblichen Part ihre Note, wobei insbesondere der im Stoff nicht so ganz sichere Schmiddt meint, die Verkörperung dieser "Juliane" sei ganz sicher sein Durchbruch.

Immer rasanter schaukelt sich das Stück dem ins Absurde mündenden Ende entgegen. Da macht es wenig aus, dass bei dem Tempo die Konturen der Figuren verschwimmen. Mit seinem Kollegen versteht er sich inzwischen, sind sie doch beide auf dieselbe kleine Italienerin hereingefallen, wie sich herausstellt. Soll heißen: So verschieden sind diese Männer eben nicht. Und so passt es, dass beide sich in die nächstbeste Kneipe verabschieden, nachdem sich die Ereignisse überschlagen haben. Letztlich ein altbewährtes Rezept also: eine etwas fade Geschichte, die mit gepfeffertem Klamauk gehörig aufgepeppt worden ist. Beim Bühnenabgang singen die zwei Theaterhasen: "Schalala Lustgewinn, Puff-puff". Für den hat dieses famos harmonisierende Duo ganz sicher gesorgt. Uwe Hofmann

iWeitere Aufführungen werden in der Comödie heute Abend sowie am Mittwoch, Donnerstag und Freitag jeweils um 19.30 Uhr gezeigt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2013

Uwe Hofmann

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