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Heinrich Schütz Musikfest begeistert 4000 Besucher

Heinrich Schütz Musikfest begeistert 4000 Besucher

Einen Eindruck vom Blühen der Kirchenmusik um 1600 vermittelte das Konzert des Bremer Barock Consort unter Leitung von Manfred Cordes in der Dreikönigskirche. Die einstmals große Bedeutung der sieben Bußpsalmen wurde deutlich, da Cordes aufwendige Vertonungen von Franck, Utendal, Lechner, Byrd, Croce, Gabrieli und schließlich Orlando di Lasso im Programm zusammengefasst hatte.

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Aus diversen Sammlungen entnommen, entstand ein musikhistorischer Überblick, der als Konzert allerdings etwas unter seinem enzyklopädischen Anspruch litt. Manfred Cordes setzte dem Inhaltlichen mit seinen sechs Sängerinnen und Sängern und dem Instrumentalisten etwas wenig Expressivität in der Darbietung entgegen. Mit seiner introvertierten Sicht, die stets im harmonisch spannenden Moment die Stärke und Akzentuierung zurücknahm, vergab der Dirigent viel von der Eindringlichkeit, die den Psalmtexten in der Musik unterlegt ist. So blieb das Augenmerk auf die Klangschönheit und die kompositorischen Strukturen, kaum jedoch auf die emotionale Wirkung gerichtet.

Mit "Der Augentäuscher" hat Mathias Gatza seine Leser in eine barocke Welt entführt, die fantastisch um Kunst und Denken kreist. Dieser Idee folgt er auch mit einem neuen Text über einen Gambenspieler, der vergangenen Zeiten nachhängt und seinem Diener allerlei Gedanken diktiert. Gatzas Lesung aus dem Manuskript im Literaturhaus Villa Augustin ergänzte sich mit Gambenmusik, gespielt von Robert Smith, in der die nach 1760 angesiedelte Geschichte einen nicht weniger dramatischen und virtuosen Gegenpol hatte. Im Monolog des über den Erfolg des Cellos und eine unglückliche Liebe räsonierenden, alten und vergessenen Gambisten verwischte Gatza immer mehr die Grenze von Fiktion und Realität, wahnhafte Züge des Protagonisten drangen durch, die Zuhörer fanden sich in der Rolle des angesprochenen Dieners wieder. Mathias Gatza und Robert Smith gelang ein atmosphärisches Spiel mit dem zeitgenössischen Streit Viola da Gambe gegen Violoncello, der schließlich eine unerwartete Wendung fand.

Die Reformationszeit und ihre kulturellen Umwälzungen waren der historische Hintergrund zum Konzert "Musik für Dr. Luther" des Ensembles Stimmwerck (Franz Vitzthum, Altus; Gerhard Hölzle, Klaus Wenk, Tenor; Marcus Schmidl, Bass) in der Loschwitzer Kirche. Mit Motetten und der Missa super psalmus "Nisi Dominus" von Ludwig Senfl standen Werke auf dem Programm, die der süddeutsche Meister, selbst in katholischen Diensten, dem Reformator widmete. Auch musikalisch markieren diese Stücke die Grenze zwischen Mittelalter und Renaissance. Der an der dominanten Altstimme orientierte, kopflastige Klang des Ensembles erwies sich schon daher als schwierig. Störend in der Summe wirkte das fast durchgängige Mezza voce des Vortrags, das die Musik in eine meditative Richtung nach heutigem Verständnis drängte und ihr die bekennende Kraft der Glaubensüberzeugung über weite Strecken geradezu entzog.

Auf bemerkenswerte Weise schloss sich der Kreis des Musikfestes mit dem letzten Abend. In der Annenkirche nahmen Collegium 1704 und Collegium Vocale 1704 aus Prag den Faden des Eröffnungskonzertes wieder auf, und sie gingen doch in der Verbindung einiger der Italienischen Madrigale von Heinrich Schütz mit Stücken von dessen Zeitgenossen Bartlomiej Pekiel (1600-1670) und Adam Michna (1600-1676) entscheidend darüber hinaus. Der Rundblick, den das Heinrich Schütz Musikfest bot, darf als seine Besonderheit gelten, nicht zuletzt durch den musikhistorischen Blick nach Polen und Böhmen, der dank der Zusammenarbeit mit der Musikbrücke Prag-Dresden möglich wurde.

Denn was Dirigent Václav Luks mit seinen Ensembles auf berührende wie quicklebendige Art darbot, war wie der Beweis für den Gleichklang der Musikkultur im Europa des 17. Jahrhunderts über alle politischen Gegensätze hinweg. Die 14-stimmige Messe des Polen Pekiel und noch mehr die Missa Sancti Wenceslai des Tschechen Michna verrieten, wie selbstverständlich in der Epoche die italienischen Einflüsse auch in kleine Städte vorzudringen und dort reiche künstlerische Früchte herzubringen vermochten. Der fröhliche, prachtvolle Tonfall bei Michna hat seinen Grund natürlich darin, dass der Heilige Wenzel als böhmischer Nationalheiliger nur so gewürdigt werden konnte - königliche Trompeten eingeschlossen. Diese Aufführung, deren Klangverständnis Gesang, Violinen und Trompeten so unkompliziert zusammenführte, ließ vergessen, dass Michnas Musik voller polyphoner Schwierigkeit steckt. Hier wie auch in Schütz' Madrigalen gelang den Musikern um Luks ein eindrückliches, das Empfinden wie den Intellekt gleichermaßen ansprechendes Musikerlebnis, das dem Musikfest einen ausgesprochen starken Abschluss bescherte.

In diesem Jahr wartete das von den Dresdner Neuesten Nachrichten präsentierte Heinrich Schütz Musikfest an seinen fünf Veranstaltungsorten Bad Köstritz, Weißenfels, Gera, Zeitz und Dresden mit insgesamt 40 Veranstaltungen auf, zu denen der veranstaltende Mitteldeutsche Barockmusik e.V. mit 4000 Besuchern auf eine Auslastung von reichlich drei Viertel der angebotenen Plätze zurückblicken kann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2013

Hartmut Schütz

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