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Heinrich Schütz Musikfest ab 12. Oktober in Dresden

Heinrich Schütz Musikfest ab 12. Oktober in Dresden

Die Bedeutung Johann Sebastian Bachs für Leipzig ist unumstritten. Dass Heinrich Schütz für Dresden eine ähnliche Funktion haben kann, würde zumindest langsam ankommen in den Köpfen, gibt sich Christina Siegfried hoffnungsfroh.

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Die Intendantin des Heinrich Schütz Musikfestes hat mit ihren Mitstreitern in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die Festtage zu Ehren des Komponisten inhaltlich zu profilieren, das Bild von dessen Wirken zu schärfen. Kurz vor der Eröffnung der 16. Auflage des überregionalen Festivals am 11. Oktober betont sie: "Dresden war Hauptwirkungsort des Komponisten - das ist eine große Verpflichtung."

Das bis zum 20. Oktober dauernde Programm unterstreicht dies mit der Tatsache, das 18 der insgesamt 40 Veranstaltungen hier stattfinden. Daneben sind wie stets Bad Köstritz und Weißenfels, zudem erneut Gera und erstmals Zeitz die Orte des Geschehens. Dass die Dresdner durchaus auch einmal dorthin reisen könnten, wäre eine Reminiszenz an das diesjährige Motto "die Welt zu durchsehen". Dieses bezieht sich auf den jungen Schütz, der sich 1609 nach Italien aufmachte und in Venedig eine fremde, aber unglaublich faszinierende Welt entdeckte und lebenslang prägende Eindrücke sammelte.

Die unmittelbaren Eindrücke des Italien-Aufenthaltes greift gleich das Eröffnungskonzert am 11. Oktober in Weißenfels auf - die Dresdner dürfen das Programm am 12. Oktober in der Annenkirche genießen: Das Ensemble Sette Voci unter Peter Kooij - in diesem Jahr "Artist in residence" - setzt sich mit des Sagittarius Italienischen Madrigalen und den Cantiones Sacrae auseinander.

Zu den international gefeierten Interpreten, die nach Dresden kommen, gehört u.a. das Ensemble Stimmwerck, das sich mit der Geistlichen Vokalmusik Ludwig Senfls befasst. Die Hoffnung, dass das oft sehr regional bezogene Dresdner Publikum die Herzen öffnet für die Künstler von außerhalb, verfolgen die Veranstalter - die vor Ort mit dem Dresdner Hofmusik e.V. ihren langjährigen Kooperationspartner haben - mit der Tatsache, dass einheimische Künstler in diesem Jahr eher rar gesät sind. Vertreten werden sie durch das Vocal Concert Dresden, das in einer Vesper in der Kreuzkirche A-cappella-Werke von Schütz und Franck solchen von Charles Ives, Reiner Kunad und Falk Joost (UA) gegenüberstellt, sowie die Talente vom Heinrich-Schütz-Konservatorium, die wieder zu Schütz Junior! laden. Beides steht für wichtige Schwerpunkte des Festivals: für den Fokus "Kontrapunkt Modern" und die Hinwendung zum jungen Publikum, dem übrigens mit Fünf-Euro-Tickets zu allen Konzerten (bei Vorlage eines Schülerausweises) generell ein lukratives Angebot gemacht wird.

Zu ersterem gehört unbedingt auch das Konzert der belgischen Ensembles Bl!ndman [sax] und Bl!ndman [voc] in der Frauenkirche, die die Musik Alter Meister in modernem Gewand präsentieren. Musik von Schütz auf Saxophonen und das Auftragswerk des Musikfestes vom in Berlin und Amerika lebenden Komponisten Oliver Schneller dürften spannende Perspektiven öffnen.

An die Jüngsten richtet sich das Familien-Musik-Theater "Däumelinchen", Puppentheater mit Alter Musik. Studierende und Absolventen der Alte-Musik-Abteilung der Hochschule für Künste Bremen werden ihre junge Sicht auf das Vergangene vorstellen, und ebenfalls ein junger Interpret der Szene gastiert mit dem Gambisten Robert Smith. Der 1. Preisträger des Internationalen Viola da gamba Wettbewerbs Bach-Abel 2012 ist der musikalische Begleiter Mathias Gatzas, der aus seinem Roman "Der Augentäuscher" liest, ein im barocken Dresden spielendes, historische, philosophische und kriminalistische Elemente einendes Buch. In ein, zwei Jahren werde sich das Musikfest den aufstrebenden Smith nicht mehr leisten können, preist Christina Siegfried den Gambisten an, der auf seinem alten Instrument selbst Titel von Metallica spielt. Das zielt auf das mit insgesamt 195 000 Euro vergleichsweise geringe Festival-Budget ab. Den Großteil davon trägt die Dreiländer-Anstalt Mitteldeutsche Barockmusik, den Rest die beteiligten Kommunen bzw. Landkreise und Sponsoren - ein Netz von Kooperationspartnern, über das die Intendantin sehr froh ist. Wichtige Einnahmequelle ist gleichwohl der Kartenverkauf, den man zu optimieren bestrebt ist, indem ein neues Preissystem mit unterschiedlichen Kategorien bei Sitzplatzbindung sich ausdrücklich an jeden Geldbeutel wendet.

Während die diesjährige Auflage des Festes in Dresden am 20. Oktober mit einem Blick der Ensembles Collegium 1704 und Collegium Vocale 1704 auf Schütz' Böhmischen Zeitgenossen Adam Václav Michnas zu Ende geht, soll der neugierige Blick, "die Welt zu durchsehen", noch länger nachwirken. Vornehmlich die jungen Hörer sind aufgefordert, in einem Wettbewerb ihren eigenen Blick auf, ihre eigene Idee von der Welt zu präsentieren (siehe Kasten). Als Preis für die drei Gewinner winken ein Bausatz für einen Nachbau des berühmten Teleskops, mit dem Galileo Galilei einst die Weiten des Himmels erkundete, und Karten für das Eröffnungskonzert des Festivals 2014.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.09.2013

Sybille Graf

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