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Heinrich Schütz Musikfest 2011 - 4400 Besucher kamen zu 36 Veranstaltungen

Heinrich Schütz Musikfest 2011 - 4400 Besucher kamen zu 36 Veranstaltungen

Die Kontinuität, mit der das Dresdner Heinrich Schütz Konservatorium seine Programme zum Heinrich Schütz Musikfest beisteuert, zahl sich hörbar aus: Wer die Auftritte der Musikschüler in der Dreikönigskirche über einige Jahre verfolgt hat, durfte beim Jahrgang 2011 feststellen, dass sie mittlerweile ein Niveau erreicht haben, das weit über ein braves Vorspiel fleißig einstudierter Stücke hinausreicht.

Ganz üblich unterrichtet auch diese Musikschule das Spiel auf "normalen", also moderne Instrumenten, doch im Namen der Schule steckt eigentlich schon die Verpflichtung, die Aufmerksamkeit auch den stilistischen Wurzeln zu schenken.

Den klangvollen Auftakt brachte das Blechbläserensemble (Leitung: Andreas Roth) in Sätzen von Schein, Scheidt und Gabrieli. Bereits im vergangenen Jahr war die junge Alma-Elisabeth Stoye mit ihrer Diskantgambe aufgefallen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Marie-Alice spielte sie diesmal zwei Duette von Thomas Morley. Einen Moment der Ruhe setzten Josephine Brüning (Sopran, Studentin der Dresdner Musikhochschule) und Christian Lutz (Tenor) mit Andreas Hammerschmidts "Kommet her zu mir alle" im Zentrum des Programms, begleitet von Ulrike Dauderstädt (Bassgambe) und Dietlind Baumgarten (Orgel). Darum gruppierten sich die beiden Blockflötenensembles des Schütz-Konservatoriums (Leitung: Ulrike Gelhard und Gabriele Schubert) mit locker gespielten Tanzsätzen, auffallend darunter war Christoph Kudla, der die an Diminutionen reiche "Fantasia" von John Coperario in mitreißender Gewandtheit spielte. Mit drei Violinen, Violoncello und Schlagwerk musizierten die Musikschülerinnen des "Ensemble Alte Musik" (Leitung: Franziska Graefe) stilecht und an der historischen Aufführungspraxis geschult. Am Schluss erklangen zwei Vertonungen desselben Textes von Schein und Schütz: Die Motetten "Das ist mir lieb" mit Dresdner Motettenchor und Gambenconsort, geleitet von Matthias Jung, standen als kraftvolles Finale und als Bündelung des Könnens in der "Alten Musik".

Protestantische Vesper

Der Erinnerung an den Dresdner Musikwissenschaftler Wolfram Steude (1931-2006), Schütz-Forscher und über Jahrzehnte Initiator von Aufführungen "Alter Musik", war ein weiteres Konzert an gleicher Stelle gewidmet. Dieses zentrale Konzert der Cappella Sagittariana Dresden widmete sich ganz ausdrücklich der Musik von Heinrich Schütz in einem Programm, dessen Zusammenstellung auf Steude zurückging. In dieser prächtigen, vor allem aber klangmächtigen Aufführung im Stil einer protestantischen Vesper unter Ensembleleiter Norbert Schuster waren die Intentionen von Schütz' Kirchenkompositionen bis in die Tiefe ausgereizt.

Das Programm gewann seine Spannung aus einer gekonnten Dramaturgie. Wechselnde Besetzungen sorgten für die gezielte Steigerung, beginnend mit dem solistisch besetzten "Eile mich, Gott, zu erretten" (Michael Schaffrath, Tenor), weitergeführt in zwei Psalmkonzerten. Zwei Instrumentalstücke von Schein und Fabricius schufen zwischen den drei geistlichen Abteilungen die nötigen gedanklichen Zäsuren und gaben den Instrumentalisten mit Violinen, Gamben, Posaunen, Zinken und dem Continuo (Konzertmeister: Daniel Deuter) Gelegenheit, ihr lebhaftes Spiel vorzustellen.

Zentral war das In-Beziehung-Treten des Menschen mit Gott in der lutherischen Kirchenmusik: Überwältigende Kraft ("Saul, Saul, was verfolgst du mich") und unbefangene Gewissheit des Glaubens ("Wohl dem, der den Herren fürchtet") strahlte die Aufführung aus. Die Schlichtheit des Doppelquartetts (Heidi Maria Taubert, Maria Skiba, Sopran; David Erler, Stefan Kunath, Altus; Michael Schaffrath, Stephan Gähler, Tenor; Tobias Bernd, Clemens Heidrich, Bass) im a-cappella-Satz "Christe fac ut sapiam" fing die Wucht der vorigen Stücke auf und leitete zum "Deutschen Magnificat" aus Schütz' "Schwanengesang" hin.

Geblieben von Schütz' Oper "Dafne" sind der Text des Dichters Martin Opitz und die Berichte darüber, dass anlässlich der Heirat von Sophie Eleonore von Sachsen (der ältesten Tochter von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen) mit Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt eine "Sing-Comoedi" am Ort der Feierlichkeiten, dem Torgauer Schloss Hartenfels, aufgeführt wurde: Hofkapellmeister Heinrich Schütz hatte Opitz' "Dafne" vertont und am 13. April 1627 im Komödiensaal des Schlosses mit 30 Mitgliedern der Dresdner Hofkapelle gespielt. Damit schlug die Geburtsstunde der deutschen Oper. Allerdings ist die Musik verschollen.

Zum Schütz Musikfest 2011 nun hatte der Lautenist Stephan Rath (Batzdorfer Hofkapelle) den Versuch einer Annäherung an die Torgauer Aufführung unternommen und Teilen des Textes Musik von Schütz und seinen Zeitgenossen (Farina, Hammerschmidt, Monteverdi, Krieger u.a.) unterlegt, wodurch wieder eine Idee von der Wirkung des Stückes möglich wurde.

Gezeigt wurden diese "Dafne-Fantasien - Figuren-Musik-Theater" auf Schloss Batzdorf im ausverkauften großen Tonnengewölbe, in einer für ein Werk der "Alten Musik" unüblichen Verbindung: Das Sängerensemble (Birte Kulawik, Heidi Maria Taubert, Sopran; Benjamin Glaubitz, Michael Schaffrath, Tenor; Johannes G. Schmidt, Bass) und die Batzdorfer Hofkapelle (Johanna Seitz, Harfe; Daniel Deuter, Violine; Michael Dücker, Laute, Gitarre) unter Stephan Rath (Leitung und Laute) spielten gemeinsam mit dem Puppentheater Gera. So agierten hier nicht die Sänger, sondern Handpuppen in der Bühnenhandlung zu Gesang und gesprochenem Text. Das vom Geraer Ensemble verwendete Spiel nach Art des Bunraku, bei dem halblebensgroße Puppen (Puppen und Bühne: Jan Hofmann, Regie Astrid Griesbach ) von mehreren Spielern bewegt werden, stellte eine Verbindung der Musik mit einer fast gleich alten japanischen Kunst her.

Blockflötenquartett

Dem ersten Teil des Mottos zum diesjährigen Heinrich Schütz Musikfest "Glaubenstrost und Lebenslust" folgte das Konzert der Cappella Sagittariana in besonderer Weise, das Abschlusskonzert in der Loschwitzer Kirche verlegte sich stärker auf die andere Hälfte. Mit einem Programm aus Canzonen, Suiten und einzelnen Tanzsätzen von Schein und Scheidt sorgte das Amsterdamer Brisk Recorder Quartet für beste Unterhaltung. Doch nicht nur unterhaltend, auch exquisit in der musikalischen Ausführung war das Spiel des 1986 gegründeten Blockflötenquartetts (Marjan Banis, Saskia Coolen, Bert Honig, Alide Verheij, Blockflöten) und der beiden Continuospieler (Susanne Braumann, Viola da gamba; Bernard Winsemius, Orgel).

Die Kraft im Spiel auf den doch milden Blockflöten war beachtlich, ideenreiche Artikulation und die lebendige Gestaltung der Sätze stellte auch die kürzeren Stücke in einen engen Zusammenhang. Dass die Intonation der Flöten eine heikle sein kann, war ab und an zu hören, ohne dass es störend ins Gewicht fiel. Ein Solostück (Scheidts "Weh, Windchen, weh") blieb dem Organisten Bernard Winsemius vorbehalten, der darin mit derselben Virtuosität aufzuwarten wusste, wie das Flötenquartett. Ein anderes Orgelstück von Scheidt, sein bekanntes "Ach du feiner Reiter", spielte das Quartett als Bearbeitung und verblüffte darin in einer ganz adäquaten Beweglichkeit. Was den Instrumenten am angemessensten ist, gab es mit der Canzona "O Nachbar Roland" von Scheidt als Finale zu hören: Springlebendiges Musizieren bis in den flirrenden Schluss, der auch als Effekt mit Blick auf kräftigen Applaus seine Wirkung nicht verfehlte.

Insgesamt sind 4400 Besucher zu den 36 Veranstaltungen des länderübergreifenden Heinrich Schütz Musikfestes 2011 gekommen. Der Veranstalter, der Verein Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, zeigte sich zufrieden. Das nächste Festival soll im Oktober 2012 zum Thema Reformation und Musik stattfinden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2011

Hartmut Schütz

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