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Heidemarie Dreßel und Melanie Kramer stellen ihre Werke auf der Ostrale aus

Heidemarie Dreßel und Melanie Kramer stellen ihre Werke auf der Ostrale aus

Unter dem Jubiläumstitel "25 Jahre Friedliche Revolution" hat die Ostrale versucht, zusammenzutragen, was kaum zusammenzufassen geht: die Entwicklung der Kunstszene und ihrer Akteure in Dresden seit der Wende.

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Heidemarie Dreßel 8l.) und Melanie Kramer: Dem Altersunterschied geschuldet, haben sie einen unterschiedlichen Blick auf den Kunstbetrieb.

Quelle: Amac Garbe

Die Ostrale nennt es "eine Gegenüberstellung von Generationen, von Arbeitsweisen und - unvermeidlich - auch von Aussagen". Exemplarisch präsentieren sich nun hinter den Toren 13 bis 16 der alten Erlwein-Speicherhallen auf dem Ostragehege einstmals und teilweise bis heute prägende Künstler der Wendezeit mit Fragmenten oder Neuinterpretationen ihrer Werke und Aktionen neben Kunsthochschulstudenten, die selbst kaum so alt sind wie das titelgebende Jubiläum.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Künstlerinnengruppe Sezession'89. Zu den 23 Gründerinnen gehört auch die Bildhauerin Heidemarie Dreßel. Bewusst wollten sie ein Podium nur für Künstlerinnen schaffen. "Es gab damals genug Männerdominanz," erzählt die heute 70-Jährige. Ursprünglich vor allem als Förderung unterrepräsentierter professioneller Künstlerinnen gedacht, hatten sie die Chance der Wendeeuphorie genutzt, um die Vereinigung zu gründen. Gemeinsam wollten sie sich deutlich positionieren: was sie schaffen ist keine Hausfrauenkunst, sondern Kunst von Frauen.

Bald sorgten sie mit stadteinnehmenden Aktionen für Aufmerksamkeit. Noch heute zeugen Teile des Wasserkunstprojekts "Mnemosyne" in ganz Dresden von ihrer Präsenz. Das Element Wasser, als das Fließende, gewissermaßen Weibliche, immer Weitergehende, beschäftigt viele Künstlerinnen der Sezession'89 bis heute. Allerdings sind auf dem "WasserKunstWeg", der den unterirdischen Verlauf de Kaitzbaches als wahrnehmbare Schwerpunkte in der Stadt offenlegt und dabei auch politische und ökologische Akzente setzt, längst nicht mehr allein weibliche Positionen zu finden.

Im Tor 13 der Ostrale präsentieren die Akteurinnen nun einen Ausschnitt ihres Schaffens. Heidemarie Dreßel ist heute vor allem als inspirierende und organisierende Kraft im Hintergrund aktiv. Gerne blickt sie zurück auf die Anfangseuphorie: "Wir hatten hehre Ziele und dann haben wir uns gerieben." Auf die bleibenden Projekte wie den Skulpturenparcours ist sie wirklich stolz. Was die erreichte Durchsetzungskraft weiblicher Kunst angeht, ist sie deutlich verhaltener und meint, "wir haben uns die Welt schöner gedacht, als sie dann tatsächlich war." Ihr Eindruck ist, dass es sich sogar eher wieder verschlechtere, Frauen von den Führungspositionen eher abermals weggedrängt würden und in der Kunstwelt sowieso nie ganz oben angekommen seien.

Sie selbst ist auch mit ihren 70 Jahren noch künstlerisch aktiv. Erst im vergangenen Jahr hatte sie anlässlich ihres Jubiläums eine Einzelausstellung zu bestücken. "Man kriegt keine Ruhe", erzählt sie schmunzelnd. Gerne verbringt sie ihre Zeit auch weiterhin in den Atelierräumen ihres Hauses und erzählt, dass es nur mit strikter Disziplin und Trennung von Arbeit und Familie immer alles unter einen Hut zu bringen war.

Die Beteiligung der Sezession'89-Künstlerinnen bei der Ostrale freut sie insofern, als dass sie sich erhofft, dass die noch immer aktiven Projekte der Wasserkunst vor allem von der jungen Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Vielleicht finden sie ja Nachahmer oder inspirieren nachrückende Dresdner Künstler, denn für Heidemarie Dreßel war es zeitlebens eine wichtige Aufgabe, sich (stadt-)politisch einzumischen.

Die über 40 Jahre jüngere Künstlerin Melanie Kramer, die neben der Ostrale-Beteiligung gerade ihr Diplom nebst Ausstellung an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste zu absolvieren hatte, trägt ihren Teil dazu bei, dass Kunst und künstlerischer Diskurs in Dresden auch ohne institutionelle Vernetzung leben und Früchte tragen. Vor zwei Jahren gründete sie mit einem befreundeten Kunsthistoriker das Projekt "10plus10", das in einer Art Tandemstruktur Kunst- und Kunstwissenschaftsstudierende zusammenbringt. Die jeweils zehn HfBK- und TU-Studierenden haben seitdem immerhin vier Ausstellungen und einen Katalog in gemeinsamem Austausch auf die Beine gestellt. Einen Teil ihrer Arbeiten präsentieren sie nun unter der Kuration des Kunsthistorikers Jonas Wietelmann im Tor 16 der Ostrale. Für Melanie Kramer selbst war Kunst immer Teil ihres Lebens. Ihre Mutter studierte Kunstgeschichte, in ihrer Jugend lebte die Künstlerin in einer Kommune, die sie sehr inspirierte. "Letztlich ist aber nicht die Initialzündung entscheidend, sondern das Dabeibleiben. Kunst ist ein Sprachrohr und wer nichts mitzuteilen hat, wird sich auf Dauer schwer tun mit diesem merkwürdigsten aller Berufe", erzählt die 28-Jährige. Ihre Gemälde und Grafiken zeigen oft Menschen, die manchmal verletzlich wirken, manchmal durch Verfremdungen oder Verhüllungen eine starke Kraft ausstrahlen. Sie selbst meint dazu: "So ist das Leben. Wir sehen nie alles, allzu oft kommen wir nicht ansatzweise über die äußere Hülle hinaus. Wir suchen Schutz und wir verweigern Schutz, wir wollen alles wissen und nicht alles preisgeben." Melanie Kramer kann also genauso deutlich wie Heidemarie Dreßel benennen, was sie ausdrücken möchte. In einem Punkt würde sie ihrer älteren Kollegin aber vermutlich widersprechen: Nicht nur, dass sie den Trend so wahrnimmt, dass Künstlerinnen zunehmend gleichwertig wahrgenommen werden - bei ihrem "10plus10"-Projekt gab es fünf Künstlerinnen und fünf Künstler -, auch in ihrer eigenen Herangehensweise sieht sie keinen Unterschied zu ihren männlichen Künstlerkollegen.

Egal, welchen künstlerischen Blick sie mitbringen, für die Ostrale hofft Kramer auf viele interessierte Leute, die Zeit, Muße und Entdeckerlaune mitbringen.

Auch wenn mit dem präsentierten Bereich zwangsläufig lediglich Schlaglichter der Dresdner Kunstlandschaft beleuchtet werden können, nimmt sich die Ostrale damit doch ihrer Rolle als federführende regionale Kunstschau für zeitgenössische Kunst an, die im Rahmen des Schwerpunkts "25 Jahre Friedliche Revolution" auf künstlerische, aber auch soziale Diskurse aufmerksam machen kann, indem sie prekäre materielle und räumliche Bedingungen genauso thematisiert wie die noch deutlich ausbaufähige Offenheit der Stadt gegenüber ihrer Kunstszene.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.08.2014

Susanne Magister

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