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Haydns „Schöpfung“ in Musik und Tanz

Dresdner Musikfestspiele Haydns „Schöpfung“ in Musik und Tanz

Das blaue Eventlicht und der Zusatz „choreographierte Fassung“ konnten Misstrauen wecken. Die „Fassung“ war zur Aufführung in der Kreuzkirche im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele aber musikalisch unverändert, Festspielintendant Jan Vogler hatte Yaman Okur aber um eine Choreographie für die Aufführung gebeten.

Musik und Tanz: Die Haydn’sche „Schöpfung“ in der Dresdner Kreuzkirche

Quelle: Oliver Killig

Dresden. Das blaue Eventlicht und der Zusatz „choreographierte Fassung“ konnten Misstrauen wecken. Die „Fassung“ war zur Aufführung in der Kreuzkirche im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele aber musikalisch unverändert, Festspielintendant Jan Vogler hatte Yaman Okur aber um eine Choreographie für die Aufführung gebeten. Für Okur, der bisher Hip-Hop und den Cirque du Soleile kannte, war es das erste klassische Stück.

Haydns Oratorium beginnt mit dem Ton c. Der Mittelpunkt des Quintenzirkels ist der Ursprung der Welt. Haydn hat dies effektvoll umgesetzt: Licht bricht aus der Dunkelheit hervor, spiegelt sich im Mond. Wenn Streicher Klang in die Länge ziehen, ist klar, dass etwas kriecht (Würmer). Die klanglichen Bilder sind bunt und reich wie in einem Märchenbuch. Solch Effekte sinnig hervorzubringen, ohne sie nur herauszustellen, ist Aufgabe des Dirigenten. Die Balance entscheidet zwischen Affektiertheit und Feinzeichnung, als Feinzeichner wiederum gilt Hans-Christoph Rademann. Ihm stand das Dresdner Festspielorchester zur Verfügung, das sich jährlich neu findet, um mit alten Instrumenten der Klangwelt Johann Georg Pisendels nachspüren. Der Dresdner Kammerchor ist auch im 30. Jahr seines Bestehens bei den Alten Meistern zu Hause wie wenige andere Ensembles – die aktuellen Aufnahmen der Werke Heinrich Schütz’ sind ausdrucksvoller Beleg dieser Stetigkeit und Arbeit.

Ungewöhnliche Tanzbilder zur Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung " von Joseph Haydns zu den Dresdner Musikfestspielen 2016

Ungewöhnliche Tanzbilder zur Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung " von Joseph Haydns zu den Dresdner Musikfestspielen 2016.

Quelle: Oliver Killig

Hans-Christoph Rademann konnte beide Klangkörper ausdrucksstark verschmelzen (Einstudierung Chor: Olaf Katzer) und sorgte für Ausgewogenheit und Maß. Gerade die feine Verwebung, schwebende Piani und fließende Tempi ließen Feinheiten schimmern, hörbar werden. So konnten Holzbläser im Wechsel mit Sängern Akzente setzen, aber auch die Bassbegleitung (Hammerklavier: Raphael Altermann) in den Rezitativen gelang perlend melodiös.

Regula Mühlemann (Sopran), Daniel Behle (Tenor) und Georg Zeppenfeld (Bass) haben alle schon in Dresden gewirkt, Mühlemann etwa als „Ännchen“ in Jens Neuberts Opernfilm „Der Freischütz – Hunter‘s Bride“, der in der Region entstanden ist. Ihr glockenheller Sopran war eine ideale Verkörperung des Liebreizes, den Nachtigallen und Taubenpaar beschworen. Daniel Behle beeindruckte vor allem erzählerisch stark, trat aber gleich zu Beginn schon als strahlender Verkünder Uriel auf. Georg Zeppenfeld gestaltete seinen Rollen mit Verve und Wärme. Mit Textverständlichkeit konnten alle drei wie auch der Chor überzeugen. Im Schluss-Amen wurde das Terzett noch um Aneta Petrasova (Alt) erweitert – einem Schützling des Schütz-Experten Rademann.

Yaman Okurs Choreographie mit vier Tänzern hat das Werk nicht verändert, aber ergänzt. Schön, dass sie nicht permanent als Untermalung ablief, sondern in drei Sequenzen eine in vieler Hinsicht spannende Erweiterung war. Ob sich die Synthese aus Text, Musik und Tanz für die Besucher leicht und stringent ergeben hat, sei dahingestellt – zum Terzett von Gabriel, Uriel und Raphael konnten die direkt vor den Sängern agierenden Tänzer auch irritieren. Zu den Chorpassagen dagegen, vor allem Nr. 26 („Vollendet das große Werk“) und in ihrer tänzerischen Anlage, die mit modernen und Pop-Elementen, war es eine bemerkenswert starke Darstellung.

Von Wolfram Quellmalz

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