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Haydns Oratorium mit der Singakademie Dresden

Ein Werk – drei Dirigenten Haydns Oratorium mit der Singakademie Dresden

So etwas erlebt man wahrlich nicht alle Tage: ein Werk – Haydns „Schöpfung“ – und drei Dirigenten. Die Singakademie Dresden hat gemeinsam mit dem Jenaer Madrigalkreis und dem Sachsenringchor Zwickau an drei Orten das Oratorium aufgeführt. Ein gelungenes Wagnis.

Dresden. So etwas erlebt man wahrlich nicht alle Tage: ein Werk – Haydns „Schöpfung“ – und drei Dirigenten. Ursache dieses Wagnisses (und ein solches blieb es bei allem spürbaren Engagement der Beteiligten) war ein Dirigieratelier „Chorsinfonik“, das vom Verband Deutscher KonzertChöre (VDKC) veranstaltet wurde und dessen Ergebnis nun zu hören war. Die Zahl drei spielte dabei eine große Rolle: Es gab drei Konzertorte. Mit der Singakademie Dresden, dem Jenaer Madrigalkreis und dem Sachsenringchor Zwickau wirkten drei Chöre mit. Jeweils drei Dirigentinnen und Dirigenten oblag in jedem Konzert immer ein Teil von Haydns „Schöpfung“. Damit ging zwar die interpretatorische Geschlossenheit verloren. Doch das direkte Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Interpretationsansätzen in einem Konzert barg auch einen Reiz.

Die Idee zu seinem Oratorium und der Text eines unbekannten englischen Autors waren das Mitbringsel Joseph Haydns von seinen Londoner Reisen. Der Komponist befand sich schon im reiferen Alter, als er sich von Baron van Swieten überreden ließ (immer auch Händel im Kopf), mit des Barons heute reichlich naiv wirkender Textfassung zur Schöpfungsgeschichte ein Oratorium zu komponieren. 1799 kam es in Wien zur Uraufführung, und noch heute erfreut sich das Werk in seiner musikalischen Farbigkeit und der schlichten, textlichen Nachvollziehbarkeit großer Beliebtheit, was nicht bedeutet, dass es einfach aufzuführen ist.

Zunächst trat in der Dresdner Lukaskirche Felix-Immanuel Achtner ans Pult, der etwa die Darstellung des Chaos regelrecht zelebrierte, es aber dann mit Leidenschaft „Licht werden“ ließ. Musikalisch wirkte alles wohl durchdacht und überzeugend. Bei Annette Borck (Teil 2) spürte man die vorhandene Ensembleerfahrung, gemischt mit inspirierender Energie und gestalterischer Sorgfalt. Dritter und Jüngster im dirigentischen Bunde war Jan Arvid Prée, vor noch gar nicht so lang zurückliegender Zeit Chorpräfekt beim Dresdner Kreuzchor. Vielleicht lag es daran, dass ihm ein besonders differenzierter, in sich stimmiger Chorklang gelang, wunderbar lebendig. Alle drei legten viel Wert auf Präzision und plastische Gestaltung – und das klappte vorzüglich.

Dem Chorverbund ist ob seiner Flexibilität und Einsatzbereitschaft (so ohne ist es ja nicht, sich in kurzer Zeit auf drei Dirigenten einstellen zu müssen) ein Riesenlob zu zollen. Klangschön und genau kamen die Fugen. In strahlender Pracht entfalteten sich die Jubelchöre, etwa der Schlusschor „Singet dem Herren alle Stimmen“. Das Choraufgebot war zahlenmäßig riesig (mag also dem der Uraufführung in etwa entsprochen haben), faszinierte aber dennoch mit Durchsichtigkeit und Eleganz.

Mindestens ebenso zu bewundern ist das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau, das unvoreingenommen sämtliche Proben und alle Konzerte mit ständig wechselnder Besetzung mitmachte und in der Lukaskirche eine mehr als respektable Leistung einbrachte. Sicher war nicht alles lupenrein, aber es gab neben orchestraler Zuverlässigkeit auch wunderbare Einzelleistungen zu bewundern, wenn man etwa an die zauberhaften Flötengirlanden in der Gabriel-Arie „Auf starken Fittige“ denke. Der Chef der Singakademie, Ekkehard Klemm, steuerte diesmal vom Cembalo aus entscheidende Impulse bei. Was wären solche Konzerte ohne die kleineren Orchester der Umgebung – sie fänden nicht statt!

Ausgewogenheit und Souveränität bestimmten auch das Solistentrio: Teresa Suschke mit ihrem glasklaren, höhensicheren Sopran, Tenor Falk Hoffmann mit stimmlicher Kraft und überzeugender Ausdrucksindividualität und schließlich Georg Streuber, der seinen noblen Bass einbrachte.

Von Mareile Hanns

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