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Hattler hat's - Hellmut Hattler kommt zum siebten Drum & Bass-Festival 2013 in Dresden

Hattler hat's - Hellmut Hattler kommt zum siebten Drum & Bass-Festival 2013 in Dresden

Selbst in Sachen Drum & Bass hat nunmehr das Crowdfunding Einzug gehalten. Nicht nur CD- und Filmproduktionen als Startnext-Projekt - warum eigentlich nicht? Es könnte Publikum binden, sichert vielleicht zivile Eintrittspreise, schafft Nähe, fördert Abnabelung.

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Eine unbestrittene heimische Legende mit einer Band, die heißt, wie er: Hattler - (v.l.) Oli Rubow, Torsten de Winkel, Fola Dada und Hellmut Hattler.

Quelle: PR

Gute Idee also - als Zukunftsmodell.

Das diesjährige Fest, das siebente insgesamt und verdienstvoll in Art und Anspruch, findet wieder in der Scheune (drei Spielorte) und in der Groove Station statt. Ab heute Mittag 12 Uhr gibt es parallel in beiden Häusern 15 Workshops und fünf Konzerte (ab 17 Uhr), also vor allem persönliche Begegnungen. Dass dabei auch ein Familienticket angeboten wird, ist alles andere als grundlos. Denn noch immer ist die Faszination jugendlicher Menschen gerade für das rhythmische Fundament einer wie auch immer stilistisch ausgerichteten Band groß. An diesem Tag sind Eltern und ihre Kinder sehr gern gesehen.

Stile treffen Strömungen

Das zunächst als reines Drum-Festival gestartete Ereignis zeigt sich in diesem Jahrgang wieder breit angelegt. Rock, Jazz, Electronics, Metal, Soul - Stile treffen Strömungen, Typen präsentieren angewandtes Handwerk. Faszinierend ist und bleibt die Zusammenstellung der Musiker. Wie von selbst wird Dresden an diesem Tag international, wobei sich auch lokale Größen nie verstecken - weil sie es nicht müssen. Insgesamt werden über 30 Künstler aus sieben Ländern erwartet. Alle spielen und arbeiten für Freundschaftsgagen, und sie tun es gern. Natürlich ist es schmerzlich, wenn eine Drums- und Percussions-Koryphäe wie Trilok Gurtu aufgrund einer Operation absagen muss. Auch Perkussionist Pitti Hecht hat noch in dieser Woche abgesagt, weil ihn die Scorpions gerufen haben. Absolut nichts ändern diese Negativmeldungen am wirklich erstklassigen Line-up des Festivals. Und auch die "Ersatzmänner" heißen nur so: Es kommt kurzfristig zu einer spannenden Wiederbegegnung zwischen Lehrer und Schüler - Baby Sommer trifft Matthias Macht. Und für etwas mehr Hitze im Dresdner September sorgen Cuban-Sounds von Alexis Herrera Estevez (Timbales, Bongos) und Elio Rodriguez Luis (Congas). Die Veranstalter bezeichnen es als "kleine Sensation", dass sie die schweizerisch-US-amerikanischen Bass-Drums-Electronica-Größen Jojo Mayer und John Davis (Nerve light) für Workshop und Live-Auftritt gewinnen konnten, ohne die anderen damit abwerten zu wollen. Nicht Sean Noonan oder die deutsche Band Spun, nicht Gary Willis oder Randy Black und wie sie alle heißen. Workshops im Stundentakt gibt es u.a. zu kreativem Metal Drumming, Polyrhythmen, Sound-Design oder Cajun und Conga.

Primetime-Konzert mit Legende

Gemeinsam mit seinem Drummer Oli Rubow kommt auch eine unbestrittene einheimische Legende zunächst zum Workshop. Zum abendlichen Primetime-Konzert wird er dann auf der Scheune-Bühne stehen, seine aktuelle Band heißt noch immer kurz und knackig wie er selbst: Hattler. So wie Filmregisseur Andreas Dresen immer bemängelt hat, dass wir uns gegenseitig nach der "Wende" nicht die wichtigsten Filme gezeigt haben, die Westdeutschen den Ostdeutschen und umgekehrt, so bleiben einige Lücken in der populärmusikalischen Kern-Entwicklung wohl dauerhaft offen. Nur die wirklich Interessierten haben sich im Nachgang mit Tiefgang angehört, was in den jeweiligen Regionen des wiedervereinigten Landes passiert ist. Mit Ost-Blick glaubte man oft, in Kraft-werk und Can schon die Spitze des progressiven und freigeistigen West-Rocks erklommen zu haben. Es war ohne Zweifel ein Stück Arbeit, andere einflussreiche Bands wie Kraan, Faust, Amon Düül oder Guru Guru wirklich "nachzuholen". Und wenn, dann ist der Name Hattler schnell gefallen. Der heute 61-Jährige ist Bassist von Rang, umtriebiger Künstler, der Schubladen hasst oder sie sperrig macht. Ein Pionier, der bereits in den frühen 1970ern begann. Wahrscheinlich wäre er als Teenie auch Kandidat für ein Drum & Bass Festival dieser Art gewesen. Kraut- und Jazzrock, Weltmusik, Jazz, Soul, Pop-Jazz, Acid-Jazz - Hellmut Hattler hat's. Angst hatte er nie. Auch nicht vor kreativen Pausen, Bandauflösungen, Reunions, Gastrollen, gleich gar nicht vor jungen Kollegen. Man kann sich heute über 40 Alben kommen lassen und Hattler hören. Nach Kraan war Tab Two, sein Duo mit dem Trompeter Jo Kraus, Überlebensgarant für die 1990er, später nahm Hattler die Solo-Idee von 1978 wieder auf und reanimiert sie bis heute.

Aktuell liegt seit August "Kite" (Bassball/Broken Silence) vor, die neue CD. "Ich brauche kein Imponiergehabe mehr", sagt Hattler, "ich habe hier alles weggelassen, was irgendwie ,drüber' ist." Im Kaleidoskop von zwölf Songs atmet die CD Rhythmus und Takt, Beats und Baff, synthetisches Wumm, Hit-Geblinzel und feingliedrigen Soul. Jo Kraus ist als Gast dabei und bringt sofort die Wärme zurück, Sängerin Fola Dada sorgt weiter für unumstößlichen Pop-Appeal.

Vieles bleibt auch anno 2013 wie gehabt: Hattler wird in den fließenden Instrumentals, wenn er sich mit Kollegen wie Peter Musebrink oder Thorsten de Winkel freischießt, immer stärker sein. Dort rettet er auch auf CD das Live-Gefühl. Wird es mehr Format, verliert es Originalität, und auch "The Kite" hat solche Phasen. Zur erneuten Zündung aber ist sie trotzdem geeignet.

iDrum & Bass Festival heute ab 12 Uhr, Scheune und Groove Station

www.dresdner-drum-bass-festival.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.09.2013

Andreas Körner

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