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Hartwig Fischer wird Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Hartwig Fischer wird Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Dr. Hartwig Fischer, Direktor des Folkwang Museums in Essen. Er wird der Neue: der Nachfolger von Martin Roth als Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden.

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Im Frühjahr 2012 soll er das Ruder in Dresden übernehmen: Hartwig Fischer.

Quelle: Roland Weihrauch dpa

Hartwig Fischer also. Diesen Namen hatte keiner auf der Liste. Monatelang wurde in der Stadt gemutmaßt und gemunkelt, jeder wusste es besser oder wenigstens ein bisschen. Von Max Hollein, dem Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt, war die Rede oder von Wolfgang Holler, dem langjährigen Direktor des Kupferstich-Kabinetts und jetzigen Generaldirektor der Museen der Klassik Stiftung Weimar. 30 Bewerber standen zur Debatte. Auch von einer Frau war noch die Rede. Die galt als ganze heiße Kandidatin. Sie jedoch wurde es nicht, kam aber anders als alle anderen ins Spiel gebrachte Namen tatsächlich in die engere Auswahl. Der gebürtige Hamburger allerdings konnte die Findungskommission und auch die sächsische Kunstministerin ganz offensichtlich mehr von sich überzeugen. Für Sabine von Schorlemer war er sogar die Nummer 1. Sie hatte sichtlich Freude an dieser Verkündung, sie lobte ihren neuen Mann in höchsten Tönen: "Mit ihm haben wir eine versierte, kompetente und engagierte Persönlichkeit gefunden, welche die große Tradition der Pflege des sächsischen Staatsschatzes erfolgreich fortsetzen wird."

Hartwig Fischer also. Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben, er kommt im Frühjahr 2012. Die Essener aber werden ihn ungern nach Dresden ziehen lassen. Der promovierte Kunsthistoriker verantwortete mit viel Geschick die Planungen zur räumlichen Neuordnung und organisatorischen Umstrukturierung der Essener Museumslandschaft nach dem Auszug des Ruhrlandmuseums im Jahr 2007. Ohne ihn wäre das renovierte und neu gestaltete Museum Folkwang nicht das, was es jetzt ist. Eines der bedeutendsten Museen der Klassischen Moderne in Deutschland. Folkwang verfügt über herausragende Sammlungen zur Kunst des 19., 20. und 21. Jahrhunderts, der Fotografie, der Grafik, des Plakats sowie der alten und außereuropäischen Kunst.

Fischer, Jahrgang 1962, gilt als ausgewiesener Museumsfachmann, der nicht nur Führungs- und Managerqualitäten besitzt, er verfügt auch über exzellente Kontakte in die Wirtschaft und zu großen Sponsoren und Mäzenatenkreisen. Auch deshalb kann sich das Kunstmuseum Essen rühmen, dass die Sammlungen durch bedeutende Ankäufe und Schenkungen ausgebaut werden konnten. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden benötigen solche Kontakte mehr denn je. Großzügige Spenden, wie Fischer sie für das Museum Folkwang eingeworben hat, sind in Dresden nicht die Regel. Sie werden aber dringender denn je gebraucht, um den großen Bestand zu sichern, aufzubereiten und immer wieder neu präsentieren zu können. Und so stimmt es schon fast beruhigend, wenn der Generaldirektor in spe in einer Presseerklärung von einer wunderbaren Herausforderung für die Zukunft spricht und erklärt: "Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehören zu den großartigsten europäischen Museumskomplexen mit einzigartigen Sammlungen in einzigartigen Gebäuden. Mit Bewunderung habe ich in den vergangenen Jahren die Entwicklung dieser Institution verfolgt und empfinde es nun als besondere Ehre, mit ihrer Leitung betraut zu werden."

Das klingt nach guten Zeiten, auch für die Museumsmitarbeiter. Ob im Schloss, im Albertinum oder bei den Alten Meistern: Aufatmen. Einige kennen Fischer sowieso schon. Anfang Juni dieses Jahres weilte er zum Beispiel im Dresden und hielt einen Vortrag, natürlich über sein neu gestaltetes Museum, das MoMA-Mitbegründer Paul J. Sachs einst als "schönstes Museum der Welt" bezeichnete. Fischer hat zur Elbestadt übrigens noch einen ganz anderen Bezug. Er beschäftigte sich für seine Dissertation lange mit einem Verfechter der Monumentalmalerei, mit dem Dresdner Maler Hermann Prell (1854-1922). Darf hier vermutet werden, dass er nach dem Abschied von Ulrich Bischof dessen Direktorenposten für das Albertinum gleich mit übernehmen wird? Das zumindest schiene nicht unlogisch. Bischof soll seinen Vertrag um ein Jahr lang verlängert haben. Vielleicht auch, um den neuen Mann erst einmal den Rücken freizuhalten. Wie auch immer.

"Hartwig Fischer, welch ein Glück." Das sagt einer, der still und zurückhaltend, deshalb aber nicht minder neugierig als alle anderen Kunstinteressierten in der Stadt auf den Ausgang dieser Personalie gewartet hat. Der Galerist Frank Lehmann kann seine Freude über diesen ausgewiesenen Experten für moderne und zeitgenössische Kunst nicht verhehlen: "Es sprechen viele Gründe für ihn. Er ist sehr intelligent, hat das richtige Alter, und er hat Erfahrung in Umgestaltung von Museen. Dresden braucht gerade jetzt genau so einen. Einen, der mit viel Energie die nächsten Bau- und Umgestaltungsphasen begleitet." Das wichtigste für den Galeristen aber ist, dass Fischer aus dem Bereich der zeitgenössischen Kunst kommt, durch diese Weichenstellung werde die moderne Kunst wieder gestärkt.

Auch Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer und kommissarischer Generaldirektor, freut sich auf die Zusammenarbeit mit seinem zukünftigen Chef: "Ich bin sicher, dass es ihm gelingen wird, die bereits bestehende internationale Wirkungskraft dieses einzigartigen Verbandes traditionsreicher Museen weiter auszubauen und zugleich ganz neue, eigene Akzente zu setzen".

Hartwig Fischer also. Zu Eröffnung des Museum Folkwang sagte er in einem Interview auf die Frage, was das Museum für den Besucher leisten solle: "Es soll ihn beglücken, bereichern, animieren, provozieren und zur eigenen Kreativität befreien". Im Januar stellt er sich das erste Mal öffentlich in Dresden vor. Man sollte ihn fragen, ob diese Antwort auch für einen der bedeutendsten und ältesten Museumsverbünde der Welt gilt. Ein Ja wäre bestimmt ein gutes Omen.

Hartwig Fischer: Ein Museum soll den Besucher beglücken, bereichern, animieren, provozieren und zur eigenen Kreativität befreien.

1993-2000

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kunstmuseum Basel

Sammlung Alte Meister

Sammlung 19. und 20. Jahrhundert

Internationale Sonderausstellungen

1994

Promotion, Universität Bonn - Dissertation über den Dresdner Maler Hermann Prell (1854-1922)

2001-2006

Konservator, 19. Jahrhundert und Klassische Moderne (1800-1969), Kunstmuseum Basel

Betreuung der Sammlungen 19. und 20. Jahrhundert

Internationale Sonderausstellungen

seit 2006

Direktor des Museum Folkwang, Essen. Die Sammlung enthält Werke des Impressionismus, Expressionismus, Surrealismus und weiterer Stilrichtungen der Modernen Kunst. Zudem besitzt das Museum Folkwang Objekte des Kunstgewerbes, eine graphische und eine photographische Sammlung.

Folkwang-Neubau von David Chipperfield (2007-2009); Renovierung des Folkwang-Altbaus (2009-2010)

Neuorganisation des Museumsbetriebs; Ausbau der Sammlungen

Internationale Sonderausstellungen; Ausstellungen zeitgenössischer Kunst Fundraising, Ausbau der Freundes- und Förderkreise; Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.12.2011

Adina Rieckmann

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