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Harsche Kritik am Ausstellungskonzept des Militärhistorischen Museums Dresden

Harsche Kritik am Ausstellungskonzept des Militärhistorischen Museums Dresden

Was haben sie anfangs geschimpft, die Dresdner, als die Entwürfe des US-Architekten Daniel Libeskind bekannt wurden. Sieben Jahre und rund 65 verbaute Millionen später gibt es sieben Wochen nach der Eröffnung hauptsächlich Lob und Anerkennung für den gewagten Anbau.

Geschimpft wird dennoch - nun allerdings über das Museumskonzept.

Bei all der Euphorie um die schillernde Verpackung trat das eigentliche Herzstück, die Ausstellung, bislang in den Hintergrund. Ein Blick in das im Foyer ausliegende Gästebuch bringt bislang wenig Beachtetes ans Licht. Darin hat sich auf mehr als 100 Seiten neben Lob vor allem der Unmut enttäuschter Museumsbesucher Bahn gebrochen. Fast alle monieren das Gleiche: verwirrender Ausstellungsaufbau, zu kleine oder fehlende Beschriftung der Exponate, zu viele Objekte in den Vitrinen, die Beleuchtung zu spärlich. Großexponate aus der Vorwende-Ära des Hauses werden schmerzlich vermisst. Probleme bereitet vielen Gästen zudem die labyrinth-artige Anordnung der Schaukästen, die falsches Abbiegen unter Umständen mit einem unfreiwilligen Zeitsprung von der französischen Revolution zu den Bauernkriegen bestraft. Und auch das museumseigene Restaurant "zeitlos" bekommt sein Fett weg: zu teuer, unfreundliches Personal. Lob gibt es hingegen für die Vielfalt der gezeigten Objekte, die Architektur sowie die Verflechtung des Militärischen mit dem Zivilleben.

Rund 150 000 Besucher haben die Sammlung bislang besichtigt; in den ersten Tagen wurde sie mit bis zu 7000 Gästen am Tag förmlich überrannt. Die größte Sorge der Museumsleitung ist deshalb momentan die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten im Garderobenbereich. Die Kritik der Gäste nehme man aber selbstverständlich sehr ernst, betont Museumssprecher Sebastian Bangert. Nachbesserungsbedarf sehe man dennoch lediglich bei den Beschriftungen und auch hier nur punktuell: "Die Objektbeschreibungen unterliegen einer DIN-Norm, die wir eingehalten haben", erläutert Bangert. Diese habe sich jedoch in der Tat als "praxisschwierig" erwiesen, deshalb würden höher angeordnete Exponate künftig größere Beschriftungen erhalten. Die entsprechenden Arbeiten liefen bereits.

Dass so manches Exponat - wie etwa die Panzer im Außenbereich - gar keine Beschreibung aufweist, sei durchaus beabsichtigt. "Wir haben uns dem Konzept der sprechenden Bilder verschrieben. Dabei stehen nicht die technischen Details im Vordergrund, sondern das Wirken der Arrangements auf den Besucher." So stünden die Panzer nicht jeder für sich selbst, sondern bildeten insgesamt die Konfrontation im Kalten Krieg nach. Um dies dem Publikum künftig zu vermitteln, ist eine Übersichtstafel angedacht.

Den Vorwurf der Unübersichtlichkeit weist das Museum zurück. Vielmehr sei die Kombination aus chronologischer und thematischer Anordnung "anfangs schlicht ungewohnt". Am Ausstellungsaufbau werde daher nichts verändert: "Wir haben mündige Besucher, die wir weder an die Hand nehmen noch bevormunden wollen", so Sprecher Sebastian Bangert. Audio-Guide und 3-D-Übersichtspläne auf allen Etagen helfen zudem, den Rundgang zu strukturieren. Und auch in Sachen Beleuchtung hält man am Konzept fest: "Wir haben hier sehr alte Exponate, die auf Licht empfindlich reagieren", die Beleuchtung sei auf diese Erfordernisse optimal abgestimmt. Recht machen könne man es ohnehin nicht jedem, so das Credo des Museums. Die Gästezahlen sprächen überdies für das Konzept. Nach Abflauen des ersten Andranges rechne man dauerhaft mit etwa 1000 bis 1500 Gästen täglich.

Zu viel gewollt

"Umfangreich" wäre noch untertrieben. Tatsächlich wird der unvorbereitete Besucher von der Fülle der Exponate fast erschlagen. Man wird das Gefühl nicht los, dass die Macher schlicht zu viel wollten. Interaktive Präsentation - gerne! Doch wird aus Vergnügen schnell Mühsal, wenn man Oberarme wie die Klitschkos braucht, um Rollläden nach unten zu ziehen und so lange unten zu halten, bis man die Schriftstücke dahinter gelesen hat. Auch fragen sich die Gäste völlig zu Recht, ob es im chronologischen Bereich wirklich eine solche Düsternis braucht. Sie verstärkt in Kombination mit abgedunkelten Fenstern und dunklen Aufbauten die ohnehin bedrückende Atmosphäre von Krieg und Leid und verschärft zudem das Problem der zu kleinen Beschriftungen. Das Argument, man wolle die teils sehr alten Exponate schützen, wirkt halbseiden. Andere große Häuser zeigen, dass es anders geht. Eine schöne Architektur allein reicht nicht. Ein Museum sollte zum Verweilen einladen, statt anzustrengen. Fehlende Beschriftungen gehen gar nicht, Konzept hin oder her. Der Besucher kann nicht in die Köpfe der Macher schauen.

j.jannke@dnn.de

Von Jane Jannke

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.12.2011

Jane Jannke

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