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Hans-Eckhardt Wenzel gastierte im Boulevardtheater

"... und rüste dich nicht auf" Hans-Eckhardt Wenzel gastierte im Boulevardtheater

"Da musst du sehr genau hinhören", riet ein Bekannter vor dem Konzert jüngst im Boulevardtheater. Und fügte noch die Erklärung an: "Der Wenzel ist nämlich so einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt!"

Natürlich kam der solcherart Informierte ohne den guten Ratschlag aus.

Dresden. Denn wer ein Konzert von Hans-Eckardt Wenzel besucht, der weiß in der Regel, worauf er sich einlässt. Und wer die letzten Jahre der DDR vor ihrem Ende bewusst bzw. aktiv erlebt hat, der weiß auch ziemlich genau, dass Menschen wie Hans-Eckardt Wenzel nebst seinem damaligen Bühnenpartner Steffen Mensching schon lange vor dem 9. November 1989 mit dafür gesorgt haben, dass die Berliner Mauer ihre ersten Risse bekam. Diese wurden bspw. schon 1981 mit der Tournee des Clownduos "Wenzel & Mensching" und ihrer "Hammer-Rewüh" und dem nachfolgenden Programm "Neues aus der DaDaEr" quer durch die DDR erfolgreich vertieft.

Doch das alles ist mittlerweile längst Geschichte. Steffen Mensching leitet heute selbst ein Theater und Hans-Eckardt Wenzel - der im Juli dieses Jahres seinen 60. Geburtstag feierte - ist mit seinen Konzerten vielseitig bzw. weltweit unterwegs, um mit seiner Musik und seinen Texten die Menschen wachzurütteln. Außerdem: Seit ihm die Welt offenstand, nutzte er jede Gelegenheit, sie mit klarem Verstand und mit wachen Augen zu bereisen. Er wandelte dabei u.a. sehr intensiv auf den Spuren eines seiner musikalischen Vorbilder: des amerikanischen Singer-Songwriters Woody Guthrie. 2014 bereiste Wenzel ausgiebig Nicaragua und Kuba, wobei er vor allem auf der Karibikinsel musikalische Impulse empfing. Aber auch die zahllosen Veränderungen in Deutschland nach dem Mauerfall inspirierten ihn. Er selbst formulierte das sehr viel einfacher, indem er bekannte: "Ich fand einfach keine Ruhe, weil hier so viel geschah, was ich eigentlich so nicht wollte!" Wenzel flüchtete sich folgerichtig in seine Musik und seine Texte und legt dort den Finger in die Wunden, die er gern noch heilen möchte. Denn die Welt, wie sie sich derzeit zeigt, ist aus seiner Sicht noch reparabel. Man müsse sich eben nur beeilen mit solcherart Reparaturen. "Schöner Lügen" ist Wenzels aktuelles Album überschrieben, von dem die meisten Stücke denn auch in seinem aktuellen Bühnenprogramm enthalten sind. Darin heißt es u.a.: "Ein Ex-Minister lacht verstört. Der Mittelstand ist höchst empört. / Ein Säufer hat sich stumm gegrölt. / Die Hausfrau hat sich eingeölt. / Das ist die Zeit der Irren und Idioten!" Wenzel relativiert an anderer Stelle all dies nur scheinbar, wenn er mahnt: "Bleibe sanft und rüste dich nicht auf!"

Nicht zuletzt sei noch angemerkt, dass Hans-Eckardt Wenzel bei seiner Suche nach verwertbaren Texten u.a. auch auf Johannes R. Becher stieß, jenen von der SED-Parteiideologie kaputtgespielten Ersten Kulturminister in der DDR. Wenzel war so begeistert von der Lyrik Bechers, dass er einige dieser Gedichte vertonte und auf eine CD pressen ließ. Die sollte man sich unbedingt anhören, wenn man ein besseres bzw. deutlicheres Bild von jenem - dem Bürgertum entstammenden - "Genossen" Johannes R. Becher haben möchte.

Wolfgang Zimmermann

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