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"Handlungsbereitschaft" in Zeiten des Hedonismus: junge Künstler in der Motorenhalle Dresden

"Handlungsbereitschaft" in Zeiten des Hedonismus: junge Künstler in der Motorenhalle Dresden

Drei Nazis turnen durchs Video: zwei Männer, eine Frau. Die Parallelen zum NSU-Trio sind offenbar. Aber nicht nur filmisch. Henrike Naumann, die das Video gedreht hat, legte vorher ihrem Professor Requisiten vor, die sie aus dem sehr realen Leben hatte: aus der Ruine des NSU-Unterschlupfs in Zwickau nämlich.

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Henrike Naumanns "Triangular Stories": eine Arbeit über das Zwickauer NSU-Trio, die ganz ähnlich auch in der Motorenhalle zu sehen ist.

Quelle: Stefan Kaz

Damit wird Naumanns Doppel-Film-Installation "Triangular Stories" zu einem Werk mit Beklemmungspotenzial: zwei Dreiecksgeschichten, betitelt "Terror" und "Amnesia". Im ersten jagt das Extremismus-Trio durch die Bilder, immer aggressiv, immer auf dem Sprung. Im zweiten wird eine Art Gegenwelt entworfen: Disko, Drogen, Betäubung durch Musik und Mittelchen. Beide Videos sind in Raumecken eingebettet, spielen gegeneinander an. Und sind doch erstaunlich komplementär.

Was nicht nur die beiden 15-minütigen Filme, sondern auch viele der anderen Arbeiten der 26 ausstellenden Künstler eint, ist eine ständig durchschimmernde Unsicherheit. Zwischen 20 und 30 sind sie, ein Abbild ihrer Generation, die vor dem Hintergrund (scheinbar) sicherer Gesellschaftsverhältnisse mit den daraus resultierenden Anforderungen klarkommen muss. Ihr habt alle Freiheit, nutzt sie, sagen die Altvorderen. Und es klingt mehr und mehr bedrohlich. Denn ungebremste Freiheit führt auch zu einer Art Diffusität als Lebensgefühl. Wer ständig zwischen sämtlichen Polen hin und her rast, dem bleibt kein Daheim. Und das ist mehr als nur eine geografische Zuschreibung.

Für keine andere Generation gibt es so viele Bezeichnungen: Generation Praktikum, Twixter, parasitäre Singles. Der Antrieb, der sie eint, ist das Anstrampeln gegen eine recht allgegenwärtige Leere. Selbstverwirklichung gilt als höchstes Ziel, der Preis ist hoch. Gruppe, Wir heißen die Antipoden dieser Entwicklung. Doch ganz so einfach liegen die Dinge dann eben nicht.

Obwohl die gezeigten Arbeiten teilweise politische Themen streifen, bleibt die Gesamtatmosphäre davon unberührt. Trotz des Begriffs Handlungsbereitschaft im Ausstellungstitel kein platter Aufruf zur Weltrevolution. Das würde auch nicht zum Selbstverständnis der agierenden Generation passen, trotz Occupy-Bewegung.

Eine Ausfallschritt hin zum Politischen ist dennoch hier und da zu konstatieren. Dazu zählt jedenfalls Max Kowalewskis "Salutiermaschine", die unregelmäßig, aber einheitlich 16 Paar Kinderschuhe die Hacken zusammenschlagen lässt. Laura McLardy und Lorenzo Sandoval wiederum bieten durchaus intellektuelles Unterfutter zum Umsturz in ihrer Installation "Proposal for Work and Tumble". Die ausgelegten Bücher sind gedruckte Ausbrüche eines Zorns, der jedoch nur in der geballten Faust mündet, die in der Manteltasche bleibt. Dennoch bleiben Titel wie "Der Mensch in der Revolte", "Anleitung zum Bürgerkrieg", "Das Gespenst des Kapitals" oder der Fast-schon-Klassiker "Der kommende Aufstand" Ausrufezeichen. Selbst die Erinnerung an den jüngst gestorbenen Stéphane Hessel setzt wieder ein, der mit seiner Streitschrift "Empört Euch!" vor allem junge Leute erreichte und erreichen wollte. Jene Generation, die in der Motorenhalle in der Friedrichstadt ausstellt.

Vor allem die Stärke der gezeigten Videos bleibt hängen. Nicht nur Henrike Naumanns Arbeit zeigt das. Konrad Mühes "Mauer" oder Friedemann Heckels "JA" belegen das ebenso. Und die kritische Brechung von Eigenaussagen des geflissentlich etwas überschätzten Fotografen Andreas Gursky durch Markues' Video "Meine Welt" ist schlicht großartig. Kürzlich war im Lipsiusbau die Ausstellung "jetzt hier" mit Gegenwartskunst aus dem Kunstfonds eröffnet worden. Stärkere Aussagen aber liefert die Motorenhalle. Erneut, muss man anfügen.

bis 23. März, geöffnet Di-Fr 16-20, Sa 14-18 Uhr

riesa-efau.de/kunst-erleben/motorenhalle/

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.03.2013

Torsten Klaus

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