Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 1 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Händels Oper "Xerxes" wird in einer Kooperation Dresdner Hochschulen zur gelungenen Mischung

Händels Oper "Xerxes" wird in einer Kooperation Dresdner Hochschulen zur gelungenen Mischung

Georg Friedrich Händels Oper "Xerxes" (1738) ist ein verworrenes Stück Operngeschichte, das sich jeder klaren Genrezuweisung entzieht. Die Barockoper um den persischen König Xerxes ist gespickt mit komischen und tragischen Elementen, ein Mischwerk aus Heldensaga und typisch opernhaften Gefühlsverirrungen.

Voriger Artikel
Sachsens bester Vorleser kommt aus Dresden
Nächster Artikel
"I will be famous" rockt als Uraufführung das Dresdner Theater Junge Generation

Immer überzeugend: der Chor, hier als Soldaten von Xerxes.

Quelle: HL BOEHME

Ein alter Schinken, könnte man böswillig sagen. Doch in der Inszenierung von Jasmin Solfaghari am Kleinen Haus Dresden bekommt dieser einen durchaus zeitgemäßen Anstrich.

Zusammen mit den Studierenden der Dresdner Hochschulen für Musik (HfM) und Bildende Künste (HfBK), der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und dem Dresdner Staatsschauspiel beschert sie dabei einen farbigen und überraschend kurzweiligen Abend. Im Kern geht es natürlich um große Gefühle. Xerxes möchte die schöne Romilda für sich erobern. Sie jedoch ist mit seinem Bruder Arsamenes verlobt und hält dem Werben des Königs tapfer stand. Während Xerxes' Verlobte Amastris sich ins Heer einschleicht, um ihn zurückzugewinnen, intrigiert auch die raffinierte Atalanta gegen die Verbindung von Romilda und Arsamenes. Auch sie hat ein Auge auf Arsamenes geworfen und spielt Xerxes damit in die Hand.

Jasmin Solfaghari gelingt es in ihrer Inszenierung, die Grauzone zwischen Komödie und Tragödie gut abzustecken. Auf der einen Seite zeigt sie etwa den tollpatschigen Diener Elviro (Philipp Schreyer), der wie ein Harlekin des Orients erscheint. Auf der anderen Seite ist da das Seelendrama um Xerxes, Romilda und Amastris. Ausgewogen greift beides ineinander. Dazu haben Maira Bieler und Romina Kaap von der HfBK ein schlichtes, aber sinnliches Kostüm- und Bühnenbild entworfen, das im Vergleich mit vorherigen Hochschulinszenierungen klar heraussticht: seidige Stoffe, schimmernde Gewänder. Die Kulisse besteht aus falt- und schiebbaren Pappelementen mit orientalischen Verzierungen, die als Turm, Baum oder Schrank funktionieren. Nach der Pause dominiert eine Art sandiger Felsbrocken die Bühne. Raffiniert baut dabei das Spiel mit dem Licht (Rolf Pazek) wechselnde Atmosphären auf.

Ein gelungener Wechsel spiegelt sich auch auf musikalischer Seite. Die Arien werden auf Italienisch, der Originalsprache der Oper, gesungen. Die Rezitative sind auf Deutsch. Die Handlung ist aufgrund dieses Kunstgriffes gut nachvollziehbar, während die Musik in italienischer Sprache deutlich mehr Wirkungsspielraum und Stärke bekommt. Franz Brochhagen führt das Hochschulsinfonieorchester mit dynamischer Geste durch die Partitur, setzt gelungene Akzente und gestaltet Tempowechsel äußerst spannungsreich. Alexandre Balzamo (Cembalo), Tabea Brode (Barockgitarre) und Sophia Dimitrow (Violoncello) verleihen dem beinahe samtigen Orchesterklang als Continuo dazu die typisch barocken Färbungen.

Getragen jedoch wird diese Inszenierung von einem starken Ensemble, das die Tücken der Partitur in der Premiere souverän meistert. Patricia Osei-Kofi verleiht ihrem Xerxes dabei nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch ein energisch königliches Profil. Sie hat die typischen Männergesten des selbstgefällig aufbrausenden Eroberers wunderbar einstudiert, singt mit klarer, kraftvoller Stimme, deren warmes Timbre durch alle Gefühlslagen schimmert. Auch der Countertenor Sungwhan Sa gehört zweifelsohne zu den großen Stimmen des Abends. Als eher zurückgenommener Arsamenes ist er das Gegengewicht zum ungestümen Xerxes, kann sich im Gegensatz zu diesem auch gefühlvollen Arien hingeben. Mit Maria König steht ihm eine verführerische, gesanglich starke Romilda zur Seite. Das Spiel mit der Verschleierung wird bei ihr auch zu einem Versteckspiel vor den eigenen Gefühlen.

Extrovertierter kommt Teresa Suschke als Atalanta daher. Sie gestaltet die Rolle der Intrigantin gerade überzeichnet genug, um ihr noch eine komische Seite zu geben. Wunderbar gelingt ihr etwa die in einen dezenten Strip verpackte Verzierungsarie im ersten Akt, wobei sie kokett mit den Unwägbarkeiten barocker Opernpraxis spielt. Leandra Johne und Felix Schwandtke fehlt als Amastris und Ariodates meist die Gelegenheit zu solch glanzvollen Auftritten. Doch auch sie zeigen solide stimmliche wie darstellerische Leistungen.

Aus Händels schwer fassbarem Mischwerk wird so ein gelungenes Ganzes, das gekonnt barocke Traditionen mit moderner Reduktion paart und knapp drei unterhaltsame Theaterstunden wie im Fluge vorbeiwehen lässt.

nächste Aufführungen: 15. & 31.5.; 5., 10., 15., 18. & 29.6.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.05.2014

Nicoel Czerwinka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr