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Gutbucket aus New York stellten ihr neues Album in der Dresdner Tonne vor

Es rockt. Richtig. Gutbucket aus New York stellten ihr neues Album in der Dresdner Tonne vor

Schön ist sie, die neue, alte Tonne! Warum allerdings anscheinend niemand probegesessen hat, bevor die kolossal unbequemen Stühle angeschafft wurden, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Aber gut, bei einer Band wie Gutbucket hält es einen sowieso nicht auf den Plätzen.

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Gutbucket waren mit ihrem neuen Album "Dance" in der Tonne zu Gast.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Schön ist sie, die neue, alte Tonne! Warum allerdings anscheinend niemand probegesessen hat, bevor die kolossal unbequemen Stühle angeschafft wurden, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Aber gut, bei einer Band wie Gutbucket hält es einen sowieso nicht auf den Plätzen. Eigentlich muss man zu der Musik tanzen. Nicht umsonst heißt die aktuelle, die sechste CD des Quartetts, die sie jetzt in Dresden vorstellten, "Dance".

Auch für die New Yorker, die 2001 erstmals zu Gast waren, war dieser zehnte Tonne-Auftritt ein Debüt im Kurländer Palais. Und auch sie mochten es, wenngleich Ken Thomson, der Derwirsch am Alt-Saxofon, sagte, er hätte das Gefühl, die Töne würden von ihm weggezogen, ihm entfliehen. Die Sandsteinröhre, natürlich. Der Sound im Publikum dagegen: Vorzüglich. Nix zu meckern.

Und das bei einer Band, deren Klang nicht einfach ist: Da sind vier Virtuosen an ihren Instrumenten am Werk, neben Thomson Ty Citerman an der E-Gitarre, Pat Swoboda am E-Bass und Adam Gold an Drums, bei denen durchaus jeder Ton wichtig ist, die aber dabei so laut, voller Power und Drive, spielen, dass es ganz nah an den Rock kommt.

Seit ihrer Gründung in Brooklyn 1999 haben Kritiker das Problem, dieser Musik ein Etikett zu verpassen, und nichts scheint richtig zu passen. Nein, es ist kein Jazzrock, kein Punkrock. Natürlich ist es Fusion, damit ist man immer auf der sicheren Seite. Aber es ist Jazz, durch und durch - natürlich im wahren, umfassenden Sinne. Es ist Jazz, der rockt. Richtig rockt.

Dabei gibt Ken Thomson den Rock-Star. Wie der schmale Mann mit dem schütteren Haar und der Oberstudienrat-Brille da auf der Bühne herumspringt, während der Passagen, in denen er nicht spielt, gestikuliert und tanzt, das zieht alle Blicke auf sich und macht einfach Spaß. Dabei kann man schnell vergessen, dass das Quartett aus vier gleichberechtigten Musikern besteht. Deutlich wird das, wenn man sich allein aufs Hören verlegt. Dann ist klar, dass vor allem Ty Citermans Gitarre, auch wenn er die ganze Zeit fast schüchtern am rechten Rand der Bühne steht, ebenso wichtig ist wie das Saxofon. So wie Thomson es schafft, sein Blasinstrument mal wie ein klassisches (Tenor-)Sax klingen zu lassen und ihm dann so etwas wie Trompetenstöße zu entlocken, so beherrscht Citerman Blues- und Rock-Riffs genauso wie psychedelische Klangbilder und federleichte Jazzläufe. Pat Swoboda ist erst seit der aktuellen CD mit an Bord - was der Mann, der u.a. am Berklee studiert hat und dort auch ausgezeichnet wurde, mit dem elektrischen Standbass anstellt, dürfte vielen Kollegen neidvolle Tränen in die Augen treiben. Und last not least beherrscht Adam Gold die Kunst, sein ganz normales Drumset nicht nur rockig, punkig und fein-jazzig klingen zu lassen, sondern auch durch spezielles Streichen der Besen die Becken wie orientalische Klangschalen zu nutzen. Alle vier komponieren - und vermutlich könnte man Unterschiede in der Herangehensweise festmachen. Aber gemeinsam erzeugen sie das eine Gesamtwerk, das auch unbedingt live erlebt werden muss, wenn die Stücke nahtlos ineinander übergehen.

Für "Dance" hat die Combo aus dieser Not eine Tugend gemacht. Die neuen Titel wurden komplett aus Liveaufnahmen im New Yorker Club "The Stone" zusammengeschnitten. So kann man sich das Erlebnis auch nach Hause holen. Vor allem die Dreierkombination im zweiten Set des Tonne-Konzerts bezeugte die Qualitäten der neuen Scheibe: Bei dem Erlebnis aus "Exercise", "Luton" (Thomson: "Ja, wie der Flughafen") und "So many, so little" offenbart sich die unglaubliche Dynamik, aber auch Tiefe des Albums. Für Momente fühlte man sich gar an die frühen Pink Floyd erinnert und wünschte sich einen Durchbruch im Sandsteinrund der Decke, einen, durch den man die winterlichen Sterne sehen kann. Und natürlich eine bequeme Sitzmöglichkeit dazu...

Beate Baum

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