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Gunter Böhnke ging in der Thalia-Buchhandlung der sächsischen Seele auf den Grund

Gunter Böhnke ging in der Thalia-Buchhandlung der sächsischen Seele auf den Grund

Woody Allen beantwortete einst anno 1972 in einem herrlichen Film in seiner ganz eigenen witzigen Art, was wir schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten.

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Gunter Böhnke klärt nun in einem Buch, das er, präsentiert von den DNN, in der Thalia-Buchhandlung vorstellte, Sachsen wie Nichtsachsen über "50 einfache Dinge" auf, die man über Sachsen wissen sollte.

Nanu?, wird sich so mancher fragen, der den Kabarettisten vorrangig aus dem Fernsehen kennt, wo Böhnke mal solo, mal im Duett mit Bernd-Lutz Lange eigentlich so manches grassierende Klischee über den Sachsen und seinen Humor bestätigt. Ganz unfreiwillig natürlich. Aber gut. Wenn andere für sich die Devise "Und noch 'n Gedicht" in Anspruch nehmen, gern auch mal, weil es einfach mal gesagt werden muss, dann ist es natürlich auch durchaus legitim, den Markt mit einem weiteren Buch zum unerschöpflichen Thema Sachsen zu bereichern.

Vieles, was der "Ur-Leipziger" Böhnke vermittelt, der in Dresden das Licht der Welt erblickte, ist an sich kalter Kaffee, aber er hält sich an das im Vorwort nicht unterschlagene Credo "Wiederholung festigt das Wissen". Um die markante, im Rest des Landes weitgehend unbeliebte Sprache kommt der Autor natürlich nicht herum. Die Varianten des durch Sprachökonomie geprägten Sächsischen mit all seinen Konsonantenproblemen und Lautverschiebungen, die Gusche macht's mit.

Manchmal wird's philosophisch. Böhnke ist sich bei seiner Ehrenrettung und Hommage sicher: Das Sächsische ist Philosophie an sich wie das Hegelsche "Ding an sich. Das Sächsische berührt die Tiefen der menschlichen Seele. Es erfasst nur das, was die Welt im Innersten zusammenhält." Flott formuliert, was? Schenken kann sich der Autor aber den Verweis darauf, dass Weimar mal zu Sachsen gehörte. Na und? Nürnberg gehört heute auch zu Bayern, trotzdem wird dort überwiegend fränkisch gesprochen. Und man muss kein Rheinländer sein, um innerlich aufzujaulen, wenn um der lieben Alliteration willen den Bonner Beethoven vereinnahmend verkündet wird: "Dor Gaffeesaggse is doch a Sinoniehm for Bach und Beethoven, for dä Budderbemme und'n Bilcherchor!"

Hübsch, kurzweilig durchaus, wie Böhnke im Kapitel über den sächsischen Revolutionär festhält, dass Sachsen keine guten geografischen Voraussetzungen für eine Revolution hat. Keine hohle Gasse, durch die der zu ermordende Tyrann kommen könnte. Keine Hauptstadt an der Seine, wo man eine Bastille stürmen könnte. Und ein Panzerkreuzer ist auch nirgends in Sicht. Des Revoluzzers Grundproblem aber: Er ist kein Krieger, er ist "ä Griecher". Und was den sächsischen Dichter angeht - das sei eine contradictio per se. Denn der Dichter verdichtet - Gedanken, Sprache. Doch wie will ein Sachse verdichten, wo doch seine Sprache weitschweifig und redundant sei? Aber keine Bange: Böhnke findet viele Belege dafür, dass das sächsische Land bedeutende Dichter hervorbrachte. Dass er sie kennt, aus ihren Werken zu zitieren weiß, auch aus nicht ganz so bekannten, das ist eine der Stärken von Böhnkes Buch, ein absolutes Manko jedoch sind die vielen Witze. Verstaubt, völlig aus der Zeit gefallen. Einfach zu bieder. Hanebüchen auch etliche der historischen Exkurse und Deutungen.

Mitunter las der Mitbegründer des legendären Leipziger Kabaretts "academixer" Passagen aus anderen Büchern, ließ etwa die Schwierigkeiten einer Fahrradtour 1987 mit seinen Söhnen an die Ostsee Revue passieren. Noch siechte der Sozialismus, konnte es also einem auf der Suche nach Frühstück passieren, dass am Montag alle Kaufhallen Stralsunds geschlossen waren - bis auf eine, die allerdings nur für Milch verkaufte. Christian Ruf

Gunter Böhnke: 50 einfache Dinge, die Sie über Sachsen wissen sollten. Westend Verlag, 205 Seiten 14,99 Euro

Animationsfilmer mit DVD gewürdigt

Der Animationsfilmer Kurt Weiler gilt als zentrale Figur in der Szene: Nun wird er, der lange in Dresden arbeitete, mit einer Doppel-DVD gewürdigt. Sie präsentiert aus dem gut 40-jährigen Schaffen eine Auswahl seiner besten DEFA-Animationsfilme für Erwachsene, teilte das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF) gestern in Dresden mit. Das Bonusmaterial stelle ihn zudem als brillanten Regisseur von animierten Kinder- und Aufklärungsfilmen sowie mit Interviewpassagen vor. Die Doppel-DVD soll an diesem Freitag auf den Markt kommen.

Gemeinsam mit namhaften Bühnenbildnern, Theaterregisseuren, Komponisten und bildenden Künstlern habe er eine völlig neuartige Form des Puppen- und Collage-Animationsfilms entwickelt, die auf Verknappung und Abstraktion in Erzählung, Bewegung und Gestaltung setzt, hieß es in der Ankündigung. Seine Arbeiten würden mit zum Besten gehören, was in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in deutschen Animationsfilm-Ateliers entstand. dpa/DNN

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.05.2012

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