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Günter Philipp zum 85.: Pianist, Pädagoge, Komponist, bildender Künstler und Autor

Günter Philipp zum 85.: Pianist, Pädagoge, Komponist, bildender Künstler und Autor

Nur ansatzweise in einem Konzert lässt sich der Umfang dessen würdigen, was Günter Philipp als Pianist, Pädagoge, Komponist, bildender Künstler und Autor geleistet hat.

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Sein Buch "Klavierspiel und Improvisation" (Kamprad, 2003) zeigt schon äußerlich mit über 800 Seiten die Komplexität eines eigenständigen Kunstbegriffes auf. Ihren früheren Dozenten und Professor für Klavierspiel würdigte die Dresdner Musikhochschule am Freitag mit einem von Ute Pruggmayer-Philipp gespielten Jubiläumskonzert zu dessen 85. Geburtstag, den Günter Philipp am 13. September feiern konnte.

Rektor Ekkehard Klemm fragte in seiner humorvoll gehaltenen Laudatio mit Verweis auf einen Zeitschriftenartikel über die unterschätzten Introvertierten in der Gesellschaft, ob Philipp nicht eher ein stiller Extrovertierter sei. Das von Klemm zitierte Bekenntnis des Pädagogen Philipp, ein Lehrer müsse den Mut haben, sich zu blamieren, wirkt noch ebenso aktuell, wie im Jahr 1984. Damals erschien das Klavierlehrbuch erstmals, jedoch nur in Teilen, denn mit vielen Ansichten lag der Autor quer zur Ausrichtung des sozialistischen Lehrbetriebes. Es wundert daher nicht, dass Philipps in den 1980er Jahren an der Musikhochschule bestehende Improvisationsklasse ein "Geheimtipp" war. Das Improvisieren als Kern seines Unterrichts gab er vor allem an seine Schülerin Ute Pruggmayer-Philipp weiter, die das musikalische Werk als Professorin der Hochschule fortführt. Viele von Philipps neuen Ansätzen zum Klavierstudium sind mittlerweile fester Bestandteil der Ausbildung. Mit besonderer Freude berichtete Ekkehard Klemm, dass drei Gemälde von Günter Philipp zu musikalischen Themen als seine Schenkung an die Hochschule kommen und demnächst im Haus zu sehen sein werden.

Diese Gemälde rahmten auf der Bühne des Konzertsaals der Hochschule das Klavier und lediglich zwischen den Stücken wurden sie und die Pianistin vom Licht der Scheinwerfer erfasst. Ansonsten blieb Ute Pruggmayer-Philipp am Instrument im unaufdringlichen Licht des Saales und gab der Konzentration auf das Hören uneingeschränkten Vorrang. Das Programm des Jubiläumskonzerts entsprach dem einer während der Pause vorgestellten CD-Einspielung, die von der Hochschule im Sommer produziert wurde. Am Beginn stand die anspruchsvolle und selten zu hörende Sonate es-Moll von Paul Dukas, die sich in ihrer Ideenfülle auch als Umschreibung für den Anlasses des Konzerts lesen ließ. Mit einer klaren, vom spätromantischen Ideal gelösten Spielweise hob die Pianistin dunkle, ernste Passagen der ersten beiden Sätze fast leicht heraus und erhielt so dem Stück einen hintergründigen Humor. Im dritten Satz dann weitete sie die Dynamik ganz und vertiefte die umfangreiche Sonate stark auf ihr Finale hin.

Mit "Variationen über ein Thema von George Shearing" stand eine von Günter Philipps erfolgreichsten Kompositionen auf dem Programm, die mit ihrem Filigran, ihren Farben und mit rhythmischer Unbegrenztheit begeisterte. Ganz frisch und alterslos sprach das Stück in Ute Pruggmayer-Philipps Vortrag. In Vergessenheit geriet da fast, dass es zur Entstehungszeit (1965) mit einem Jazzstandard als Thema (Lullaby of Birdland) auf grandiose Weise die ideologische Enge des Konzertlebens der DDR unterlief. Die Summe aus spätromantischer Expressivität und Günter Philipps Musik fand sich schließlich in einer "Freien Improvisation zwischen Dukas und Shearing". Ute Pruggmayer-Philipp kam hier wieder auf das musikalisch Flüchtige, Unvorbereitete zurück, das Günter Philipp ins Zentrum seiner Arbeit stellte.

Hartmut Schütz

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.12.2012

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