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Günter Hofmann stellt im Haus der Kathedrale sein neues Buch vor

Günter Hofmann stellt im Haus der Kathedrale sein neues Buch vor

Unzählige Flüchtlinge strömen gegenwärtig nach Europa. Flucht und Vertreibung gab es auch in der jüngeren deutschen Geschichte. Ende 1944 verließen 14 Millionen Deutsche ihre Heimat, wurden deportiert oder in die Flucht geschlagen.

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Günter Hofmann hat 17 bislang unveröffentlichte Zeitzeugenberichte für sein Buch zusammengetragen.

Quelle: Catrin Steinbach

"In unzähligen Trecks drängen Flüchtlingsströme aus den ehemaligen deutschen Gebieten Ostpreußen, Pommern, Brandenburg und Schlesien in den Westen. Schlecht ausgerüstet, ohne ausreichende Lebensmittel und den militärischen Kräften schutzlos ausgeliefert, begeben sich die Deutschen auf einen Leidenszug quer durch das zerstörte Land. Die geballte Kriegsmaschinerie der Alliierten richtet sich in den letzten Kriegsmonaten gegen den Aggressor Deutschland. Der Krieg gegen Nazideutschland wird zunehmend zum Krieg gegen die zivile Bevölkerung. Hatten die Deutschen bereits die Schrecken der alliierten Bombenangriffe auf die großen Städte des Deutschen Reiches durchlitten, beginnt nun die systematische Einkreisung Deutschlands durch Bodentruppen. Der Einmarsch der Roten Armee und der westlichen Streitkräfte mündet schließlich in der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945-" Auszug aus einem geschichtlichen Abriss von Gregor Delvaux de Fenffe.

Der Flucht und Vertreibung der Deutschen vor 70 Jahren widmet sich Günter Hofmann, Entwicklungsingenieur, einst Kirchenvorsteher in Freital-Döhlen sowie Kreisrat im Weißeritzkreis und heute Ruheständler, in seinem neuen Buch. Es ist jetzt im Dresdner Verlag Hille erschienen und sowohl dort als auch im Buchhandel erhältlich. Hofmann, 1940 geboren, ist in der Lausitz aufgewachsen. "Pro Jahrgang gab es drei Klassen mit je 40 Schülern. Ein Viertel waren Flüchtlinge. In meine Klasse gingen Kinder, die viel älter waren als ich, weil sie zwei, drei Jahre nicht in die Schule gehen konnten. Als Schuljunge habe ich nicht begriffen, was es bedeutet, aus der Heimat flüchten zu müssen oder vertrieben zu werden", so Hofmann. "Heute ist dieses Thema wieder sehr aktuell und ich denke, es ist in diesem Zusammenhang wichtig, sich hierzulande der eigenen Geschichte zu erinnern. Keiner flüchtet, wenn er keinen triftigen Grund dafür hat. Wenn man sich mit der Flucht und Vertreibung vor 70 Jahren beschäftigt, sieht man auch, dass die Deutschen, die ihr Zuhause verlassen mussten, bei den eigenen Leuten oft gar nicht willkommen waren. Auch heute ist die Abwehr gegenüber Flüchtlingen groß. Und die Leute gehen auf die Straße, weil sie ein klein wenig von ihrem Wohlstand abgeben sollen. Das enttäuscht mich zutiefst", formuliert Hofmann seine Motivation, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Günter Hofmann, der schon mehrere Bücher im Zusammenhang mit der politischen Wende 1989 herausgegeben hat, setzt auch diesmal wieder auf Berichte von Augenzeugen. So enthält die Sammlung ein Tagebuch, das die damals 14-jährige Ilse Schneider über zehn Monate lang verfasste, als sie mit ihrer Familie im Januar 1945 aus Odersteine (heute polnisch Scinawa Polska) vor der Roten Armee flüchtete. "Das Tagebuch hatte Ilse Schneider, die es später nach England verschlug, einem Klassenkameraden im Ullendorf bei Meißen gegeben. Er drückte es mir in die Hand, als er von meinem Buchprojekt hörte. Über viele Umwege ist es mir gelungen, die Verfasserin ausfindig zu machen und mit ihr Kontakt aufzunehmen", erzählt Günter Hofmann. Insgesamt enthält das Buch 17 Berichte von Zeitzeugen, die ihre Heimat in Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien und dem Warthegau - so wurde ein 45 000 Quadratkilometer großes, durch die Reichsregierung völkerrechtswidrig annektiertes polnisches Territorium in der Landschaft Großpolen bezeichnet - verlassen mussten.

Günter Hofmann ergänzt die Berichte durch eigene Erinnerungen und Ansichten. Der Romanist, Historiker, Journalist und Pädagoge Gregor Delvaux de Fenffe stellte für das Buch einen geschichtlichen Abriss zur Verfügung. Rupert Neudeck, Journalist, Mitgründer des Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e.V. und Vorsitzender des Friedenskorps Grünhelme e.V., schrieb das Vorwort. "Günter Hofmann hat mit seinem Buch eine Epoche deutscher Zeitgeschichte ans Licht gebracht, die in den letzten sieben Jahrzehnten schmählich vernachlässigt worden ist... Das Volk der Täter hat über seine Wunden zu schweigen, sagte der politisch korrekte Volksmund", schreibt Neudeck. "Es ist gut, dass wir uns angesichts der tragischen Flüchtlingsströme aus Syrien, aus dem Nord-Irak, aus Eritrea und ganz Afrika immer wieder an die eigene Fluchtsituation zurückerinnern. Und daraus das lernen, was der lateinische Weisheitsspruch uns gesagt hat: Hoc meminisse iuvabit. ,Sich daran zurückzuerinnern, wird helfen', das eigene Leben in Gegenwart und Zukunft zu bewältigen - und anderen, die jetzt in dieser lebensbedrohlichen Situation zu überleben hoffen, beizustehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.06.2015

Catrin Steinbach

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