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Grüner Hügel statt Semperoper Dresden - Ricarda Merbeth gibt ihr Rollendebüt in Bayreuth

Grüner Hügel statt Semperoper Dresden - Ricarda Merbeth gibt ihr Rollendebüt in Bayreuth

Wem es einfach zu lange dauert, auf eine Karte für die Festspiele in Bayreuth zu warten, wem sie dann auch noch zu teuer ist, oder wer das Martyrium der knappen, harten Holzsitze und die stickige Luft im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel nicht noch einmal ertragen möchte, all denen kann geholfen werden.

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In Bayreuth ein bekanntes Gesicht: Ricarda Merbeth.

Quelle: Masahiko Takeda

Keine Wartezeiten, angemessene Preise, bequeme Sitze, frische Luft, im Dresdner Rundkino nämlich, denn hier kann man morgen ab 17 Uhr dabei sein, wenn die Eröffnung der Festspiele im Wagnerjahr 2013 live übertragen wird. Zudem sind Künstler aus Dresden bzw. Künstler, die hier den Mittelpunkt ihrer Arbeit haben, dabei. Am Pult des Festspielorchesters, in dem auch Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle spielen, steht Christian Thielemann. Die Partie der Mary singt Christa Mayer, die des Jägers Erik Tomislav Muzek, der auch in der Semperoper zuletzt für den vorgesehenen Tenor Wookyung Kim einsprang.

In der Partie der Senta gibt die Sopranistin Ricarda Merbeth ihr Rollendebüt in Bayreuth. Präsent ist sie bei den Festspielen bereits seit 2000, zunächst als Freia, Gerhilde und Gutrune in "Der Ring des Nibelungen", dann ab 2002 für sechs Festspielsommer als Elisabeth im "Tannhäuser", jetzt zur Eröffnung der Festspiele als Senta.

Ricarda Merbeth, im damaligen Karl-Marx-Stadt geboren, in Maxen bei Dresden aufgewachsen, nach dem Studium an der Hochschule für Musik "Felix Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig, sofort an die Oper der Städtischen Bühnen in Magdeburg engagiert, dann an das Nationaltheater in Weimar, startete durch zu einer traumhaften, internationalen Karriere. Die begann so richtig mit dem Engagement ins Ensemble der Wiener Staatsoper, wo sie etliche der großen Partien des lyrischen und später des lyrisch-dramatischen Sopranfaches sang. Erstaunlich ist von Beginn an die Bandbreite des Repertoires dieser Sängerin. Sie sang die Partie der Pamina in Mozarts "Zauberflöte", die wesentlich dramatischere der Donna Anna in "Don Giovanni" und bei entsprechendem zeitlichen Abstand eine so gefürchtet hoch gelegte Partie der Chrysothemis in "Elektra" von Richard Strauss oder dann wieder ganz anders, als aufgeregte Anstandsdame im Hause Faninal die Leitmetzerin in "Der Rosenkavalier", und später dann, ganz klar, in Wien, wo das Stück ja auch spielt, die Frau Marschallin selbst in der in Dresden uraufgeführten Erfolgsoper.

Damit pflegt Ricarda Merbeth, die als bekennende Christin Talent und Erfolg als Geschenk betrachtet, eine fast vergessene Tradition des Gesangs im sogenannten deutschen Fach. Man muss Partien von Mozart singen, um das Gespür für die Feinheiten bei Strauss zu bekommen. Bei Partien wie die der Elisabeth in Wagners "Tannhäuser" oder die der Elsa in "Lohengrin" können bei Mozart, im Konzert- und Liedgesang gewonnene Erfahrung nur helfen das Klischee vom lauten Wagnergesang ad absurdum zu führen.

In Wien wurde die Sängerin übrigens hoch geehrt, 2010 erhielt sie gemeinsam mit Vesselina Kasarova den Titel "Österreichische Kammersängerin".

Immer wieder gastierte sie an den großen europäischen Opernhäusern, in Partien von Mahler, Strauss, Dvorak oder Beethoven eroberte sie die Konzertpodien, unmöglich die Namen der großen Dirigenten zu nennen, mit denen sie in der Oper oder im Konzert oder in Kirchen erfolgreich ist. 2002 sang sie die Sopranpartie in Beethovens "Missa solemnis" in der Semperoper, ein Jahr zuvor hatte sie hier ihr Operndebüt als Pamina in Mozarts "Zauberflöte" gegeben, die Chrysothemis in "Elektra" von Strauss folgte in Dresden 2006 und 2008 war sie noch einmal als Mozartsängerin mit der Donna Anna in "Don Giovanni" zu erleben.

Inzwischen hat die Sängerin ihren Wohnsitz nach Dresden verlegt. Erleben kann man sie hier vorerst nur im Kino. Oder man steigt in den Zug und fährt nach Paris, wo sie im Herbst an der Opera Bastille die Emilia Marty in Leoš Janáceks "Die Sache Makropulos" mehrmals singen wird oder wieder die Chrysothemis in "Elektra". Wann Ricarda Merbeth wieder in der Semperoper, in einer Aufführung der Sächsischen Staatsoper Dresden, zu erleben sein wird, steht in den Sternen, und da steht im Hinblick auf die Zukunft dieser Institution ja derzeit etliches.

imorgen, 17 Uhr, "Der Fliegende Holländer", Rundkino Dresden

Buchempfehlung: Eva-Maria Krone: "Von Hertzen - Möge es wieder zu Hertzen gehen": Ricarda Merbeth, zwanzig Jahre Opern- und Konzertbühne

CD-Empfehlung: Richard Strauss, Vier letzte Lieder, Brentano-Lieder, bei NAXOS

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.07.2013

Boris Michael Gruhl

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