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Großmütter im Keller - Frank-Zappa-Revival in Dresden im Jazzclub Tonne

Großmütter im Keller - Frank-Zappa-Revival in Dresden im Jazzclub Tonne

Wie früher! Wie einst im Mai! Solche Gefühlsausbrüche kamen im dicht mit Fans und Neugierigen gefüllten Jazzclub Tonne beim Konzert von The Grandmothers of Invention auf.

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Don Preston, Dave Parlato und Bunk Gardner (v.l.) von The Grandmothers of Invention brachten Zappa-Nostalgie in den Jazzclub Tonne.

Quelle: Dietrich Flechtner

Gemischt waren sie mit einer gehörigen Portion Nostalgie und jeder Menge Erstaunen, dass man nicht träumt, sondern leibhaftig Zeuge eines Konzertes wurde, wie es schon vor einem halben Jahrhundert recht ähnlich stattgefunden haben dürfte. Und seitdem immer mal wieder. Mit einem gewaltigen Unterschied: Ursprünglich wirkte Großmeister Frank Zappa höchstselbst noch mit und kreierte diese legendäre Mixtur aus Elektronik und Experiment, Klangmagie und Kuriosität, um Rock'n'Roll nebst Modern Pop in seine Art von Jazzrock umzuschmieden.

Damals nannte sich das Ganze bekanntlich The Mothers of Invention und wechselte die Rhythmen so beständig wie die Besetzung. Grandiose Einspielungen blieben davon ebenso wie zahllose Skandale und Streit um Tantiemen. Immerhin drei Originalmitglieder von einst gastierten jetzt wieder so friedfertig wie impulsiv in der Tonne und zauberten tatsächlich eine Art Geist des unsterblichen Meister Zappa ins Kellergewölbe. Seit mehr als zehn Jahren, länger als The Mothers je Bestand hatten, halten The Grandmothers of Invention die Erinnerung ebenso wach wie die Begeisterung für eine originäre Form von Musik, die puren Schalk im Sound hat, strukturell ein knallhartes Regelwerk bedient und dennoch überraschende Improvisationen zulässt. Mit dem Keyboarder Don Preston (Jahrgang 1932), dem Saxofonisten Bunk Gardner (Jg. 1933) und dem Bassgitarristen Dave Parlato (Jg. 1945) strömte jene uramerikanische Aura widerständiger Musik in den Raum, die natürlich im Mothers-Debüt "Freak Out!" zu hören war. So kurzlebig manche Bandbesetzung war, so wechselvoll deren Geschichte, so vielfältig klang das überaus lautstarke Konzert, bei dem niemand im plötzlich eng gewordenen Saal stillhalten konnte. Die Moderne der 60er und 70er Jahre wirkte nachhaltig vital, wenngleich viele Phrasen an einstige Filmmusik der Science-Fiction-Frühtage erinnerten. Die Wechsel aus gemeinsamem Spiel, Sprechgesang und Soli waren faszinierend, punktgenau und witzig, als hätten die Großmütter in ihren gebatikten Shirts nie etwas anderen getan.

Kongenial eingepasst in diese Revival-Band haben sich Rotbart Max Kutner an der E-Gitarre sowie Christopher Garcia an den Drums. Der Meister hätte seine Freude an seinen Freunden gehabt. Und unsere Großmütter hätten - wie einst im Mai - das Weite gesucht. Oder sich mit den durchweg sympathischen Grandmothers inzwischen arrangiert. Wer weiß?

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2014

Aldo Lindhorst

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