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"Großes Buuuuh!" oder "Starker Applaus!": Das Dresdner Rudi feierte sein Zehnjähriges

"Großes Buuuuh!" oder "Starker Applaus!": Das Dresdner Rudi feierte sein Zehnjähriges

Alles begann mit einer Katastrophe. Gerade noch mit zahllosen guten Wünschen und allerhand Vorschusslorbeeren auf die Reise geschickt, versank das Kellergeschoss vom Theaterhaus Rudi im August 2002 in den Fluten des Elbehochwassers.

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Das "Eclectic Theatre" zeigte einen Boxkampf zwischen Queen Elizabeth und Maria Stuart.

Quelle: W. Zimmermann

Eine Tragödie, die durchaus das letzte Stündlein für dieses theatralische Experiment hätte einläuten können, noch bevor es überhaupt begonnen hatte. Ein überfluteter Theaterkeller und die zerstörten Werkstätten bremsten zunächst allen Optimismus. Erst 2004 dann hat man sich komplett von diesen Geburtswehen befreit. Derweil aber spielte man im glücklicherweise trocken gebliebenen Saal weiter Theater. Besser gesagt; Amateure spielten dort. Was sich nach Wertung anhört, ist aber alles andere als das. Denn schon zu dieser Zeit war die Dresdner Amateurtheaterszene so bunt gemischt wie in kaum einer anderen deutschen Großstadt.

Eine Stadt mit Universitäten und Hochschulen absorbiert zwangsläufig zugleich auch eine musische Klientel. Und eine Stadt wie Dresden zehrt von großen Theatertraditionen. Mit dem Theaterhaus Rudi hat die Amateurtheaterszene im Verlauf der letzten zehn Jahre nicht nur eine, sondern gleich drei Spielstätten bekommen. Den Saal für die großen Besetzungen, das Theater im Dach für die kleine bzw. platzsparende Inszenierung und den Theaterkeller für das Kabarett oder die Liedermacherszene.

Nun jährte sich die Eröffnung des Rudi zum zehnten Male. Die Bilanz dieser Dekade verweist auf beeindruckende Zahlen. Immerhin konnte man 77 000 Besucher zählen, die sich zu insgesamt 1925 Veranstaltungen einfanden, die von 60 unterschiedlichsten Amateurkünstlern absolviert wurden. All dies nun war Grund genug für eine runde, bunte und selbstverständlich theatralisch geprägte Geburtstagsparty. Die Dresdner Amateurtheater wollten samt und sonders gratulieren und taten das auch mit einem etwa zweieinhalbstündigen Programm. Die Rudi-Mannschaft selbst wurde dabei Teil des Publikums.

Da sind die längst etablierten Amateurtheatergruppen wie bspw. Spielbrett - das seine Wurzeln in der TU-Studentenbühne hat und vor zwei Jahren das 25. Jubiläum im Rudi feierte. Da ist das verdienstvolle, vor 30 Jahren gegründete H.O.Theater, das vor allem die Theaterklassiker inszeniert. Da ist das vor 19 Jahren im TJG entstandene Allraunen Theater, das sich in seinen Stücken vor allem jugendlichen Themen widmet. Da ist auch das englischsprachige Eclectic Theatre - 2005 von dem Briten Mike Halstead gegründet -, das natürlich die Komödien und Tragödien Shakespeares, aber auch deutsche Klassiker spielt. Da sind bspw. die rüstigen Senioren, die sich selbstbewusst den Namen "Ohne Verfallsdatum" gegeben haben und in ihren Inszenierungen durchaus selbstkritisch das eigene Leben betrachten. Und da ist seit einigen Monaten auch das Impro Theater Bääähm, das sich der Kunst des spontanen Improvisierens widmet. Nicht vergessen werden sollen in der Aufzählung die vielen anderen Theatergruppen, die im Rudi regelmäßig zu sehr kulanten Konditionen Auftrittsmöglichkeiten erhalten. Wie die Radebeuler Gruppe Kerija, das Freitaler "Theater unterm Dach" oder zahlreiche Puppenspieler, Kabarett- und Theatergruppen der Umgebung.

Das alles bedarf natürlich einer gut geölten Organisationsarbeit durch die relativ kleine Mannschaft des Rudi. Verteilt ist die auf gerade mal vier Personen, als da sind; der Hausmeister, Techniker etc. Michael "Wölffi" Wolf, der Finanzchef Dirk Tschirschwitz, die Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit Silke Gaube sowie die Chefin Katrin Gawel.

Für das Jubiläumsprogramm nun nahm man dem Leitungsquartett die Fäden komplett aus der Hand. Was nicht ganz ohne "blaue Flecken" abging. Die beiden Moderatoren bspw. bezeichneten sich selbst nicht nur als "dritte Wahl", sie agierten mitunter leider auch so. Selbst die mit Hilfe des Publikums beabsichtigte Animation ging reichlich daneben. Auf Tafeln mit den Aufschriften "Großes Buuuh" oder "Starker Applaus" sollten die Besucher reagieren, was aber nur in Ansätzen funktionierte. Von den Beiträgen der Theatergruppen fiel vor allem das Eclectic Theatre positiv auf, das einen herrlichen Boxkampf zwischen Queen Elizabeth und Maria Stuart zeigte. Spielbrett wollte mit einem Public Viewing punkten. Das aber ist heute schon Vergangenheit.

Die Veranstaltungspläne für die Zukunft hingegen sind bereits reichlich gefüllt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.07.2012

W. Zimmermann

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