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Großer Erfolg: Herchet-Uraufführung im Außerordentlichen Konzert der Dresdner Philharmonie

Großer Erfolg: Herchet-Uraufführung im Außerordentlichen Konzert der Dresdner Philharmonie

Natürlich ist es keine Komposition, die man als Zuhörer wohlig entspannt und bequem zurückgelehnt genießen kann. Neben innerer Bereitschaft, sich auf das Risiko einzulassen, muss auch das Wissen darum vorhanden sein, dass selbst ein so konsequenter Komponist wie Herchet unterschiedliche Entwicklungsetappen durchläuft und heute anders schreibt als vor zehn oder fünfzehn Jahren, obwohl die Zusammenarbeit mit dem Textautor Jörg Milbradt im Rahmen des Kantatenzyklus "Das geistliche Jahr" nicht abgebrochen ist.

Worüber sollte man sich am meisten freuen? Darüber, dass die Dresdner Philharmonie nach vielen Jahren wieder einmal ein Werk bei Jörg Herchet in Auftrag gegeben und in ihrem 5. Außerordentlichen Konzert im Kulturpalast in hoher Qualität uraufgeführt hat? Darüber, dass die Kantate zum 5. Sonntag nach Trinitatis eine gelungene Kombination aus Intelligenz und Emotion ist? Oder darüber, dass dieses Werk, dessen Aufführung ja doch ein Risiko darstellt, vom Publikum mit ungewöhnlich langem Beifall bedacht wurde?

Und man muss auch in Kauf nehmen, dass sich die Kantate in all ihrer Fülle ohne einen erläuternden Einführungstext nicht erschließt, zumindest nicht beim erstmaligen Hören. (Auf eine Folgeaufführung werden wir, fürchte ich, lange warten müssen.)

Die Besetzung ist ungewöhnlich und verlangt Bass, Kontrabass, Live-Elektronik, Kinderchor und Orchester. Die elektronische Aufrüstung hat Herchet zum ersten Mal verwendet und setzt sie so dezent ein, dass sie nicht als technischer Fremdkörper in einem lebenden Organismus wirkt. Hier muss noch einmal auf die intensive Probenarbeit mit Hartmut Lissner (Toningenieur der Philharmonie) und dem Kontrabassisten Peter Krauß verwiesen werden.

Aber selbst wenn man den Werktext "mit heißem Bemüh'n" studiert, wird nicht völlig klar, dass es um den Fischzug des Petrus und um die Nachfolge Jesu handelt. Die Nüsse in Milbradts Texten sind inzwischen schwerer zu knacken als die in Herchets Musik, die sanfter und freundlicher geworden ist und weniger als früher von Zweifeln und Ängsten des Komponisten kündet.

Klug war der Raum genutzt; einige Instrumentalisten spielten aus dem Logenbereich des Festsaals, gingen dann, ohne ihr Spiel zu unterbrechen, auf die Bühne und kehrten gegen Ende wieder an ihre Ausgangspositionen zurück. Der Kinderchor, der hauptsächlich Zahlenwerte zu rufen hat, war an den beiden Längsseiten des Saals postiert. Krauß' Part war nicht so hervorgehoben, dass man von einem Kontrabasskonzert sprechen müsste. Damit soll aber nicht etwa gesagt sein, dass es sich um leicht Spielbares handelt. Oft müssen orchestrale Turbulenzen überwunden werden. Viele Bläserglissandi und fallende Klangkaskaden stehen neben flächigen Klängen, und noch nie ist mir bei Herchet die Funktion von Pausen im musikalischen Ablauf so deutlich geworden wie in dieser Kantate. Da musste auch Chefdirigent Michael Sanderling eingreifen, der an vielen anderen Stellen die Musiker ohne sein Zutun arbeiten lassen konnte. Sehr angenehm war, dass der Bass Andreas Bauer seinen Part völlig ohne Pathos, aber mit hoher innerer Spannung sang und keine Mühe hatte, sich gegen das Orchester zu behaupten.

Sanderling hatte mit Schönbergs Orchestrierung von J.S. Bachs Choralvorspiel zu "Komm, Gott, Schöpfer" begonnen. Das ist ein kurzes Werk, das vor allem durch unerwartet scharfe Bläserklänge aufhorchen lässt. Den Abschluss bildete Tschaikowskis 6. Sinfonie, als Pathétique bekannt. Pathos, hier weniger als Leiden und eher als Leidenschaft interpretiert, gelang glücklicherweise so diszipliniert, dass die Sinfonie von Depressionen berichtet, bei den Hörern aber keine erzeugte.

Den Mitschnitt des Konzerts sendet der MDR am Dienstag, 20.05 Uhr, in der Reihe "Figaro im Konzert".

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Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.04.2012

Peter Zacher

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