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Große Lücken bei den Filmen - DNN-Rezensent Andreas Körner blickt auf die Dresdner Saison

Große Lücken bei den Filmen - DNN-Rezensent Andreas Körner blickt auf die Dresdner Saison

W as war, was wird? Was war herausragend, wo konnten Erwartungen dagegen nicht erfüllt werden? Auch im Kulturbereich wird mittlerweile oft und gern nach Höhepunkten und Enttäuschungen gesucht, die eine Saison, ein Jahr, eine Spielzeit geprägt haben.

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Andreas Körner

Quelle: privat

Eine Aufgabe, der sich nun im Sommer in lockerer Folge auch Autoren der DNN-Kulturseiten stellen. Sie fassen ihre ganz persönlichen Favoriten und Impressionen zusammen, erzählen in komprimierter Form von ihren Eindrücken zwischen Bravos und Kopfschütteln. Es ist mehr ein Rück- als ein Ausblick, und er soll subjektiv und damit streitbar sein. Vielleicht ein Anlass, auch als Leser vor diesem Hintergrund sein ganz persönliches Resümee zu ziehen - oder sich bewusst mit dem Fazit unserer Autoren auseinanderzusetzen. Heute erinnert sich Andreas Körner.

Das herausragende Ereignis

Zum Glück waren es wieder die vielen kleinen Ereignisse, die sich zu einem großen formten. Ein Leuchtturm, der alles andere in den Schatten stellt, mag als Wert gelten. Wert aber hat er eigentlich nur bedingt. Und so konnte wirklich jeder Monat seit dem vergangenen Sommer mit feinen Ereignissen in Clubs, Kinos, Läden und der Nummer größer aufwarten.

Deshalb ist wohl Anna Aaron die bessere Sophie Hunger, holen die kanadischen Breitwand-Rock-Freigeister Godspeed You Black Emperor! weiterhin extrem viel aus gefühlten 376 Kilometer Kabel.

Schön zu sehen, dass die besondere Aufmerksamkeit des Dresdner Labels Discorporate Records für das New Yorker Duo Buke & Gase nicht nur in der ersten CD im Portfolio, sondern vor allem mit weltweiter Begeisterung korrespondierte. Oder wie die Grönländerin Nive Nielsen so rein gar nicht mit einem Inuk-Exotenstatus spielt, sondern mit frischherziger Musik.

Wunderbar auch, wenn sich alte Helden nach Jahren nicht als Pappkameraden entpuppen: Die Konzerte der finnischen 22 Pistepirkko oder der US-Amerikaner Swans (beide in Dresden) sowie der Grande-Blues-Dame Bonnie Raitt (in Berlin) waren ohne Fehl und Tadel. Was man unbedingt auch weiterhin von den Two Gallants sagen muss, die einem - im guten Sinne - die Lust auf andere vermiesen können (Namen liegen der Redaktion vor). Und von Sigur Rós sowieso. Vor allem: Was die Isländer auf der Bühne in Sound und Optik investieren, hat nicht nur Klasse, sondern setzt Maßstäbe, wie mit dem Erlös aus immer teurer werdenden Tickets verantwortlich umgegangen werden kann.

Die dänischen I Got You On Tape fahren hingegen ihre stadionrockraugliche Aufmachung mühelos auf Club-Niveau herunter, ohne nur einen Deut Wirkung zu verlieren. Oder wie der Schwede Daniel Norgren mit formal simplem, aber grandios zündenden Country-Blues einem Rudel junger Menschen im Beatpol deren erste Erfahrung mit urbaner Musik dieser Art beschert hat - wieder am 19. Oktober (für alle).

Als Kauf-CD dreht sich übrigens seit Januar Matthew E. Whites Soul-Variation "Big Inner" im Player. Und dreht und dreht sich -

Und Dresden? "Hamlet" wird auch durch die Musik der Woods Of Birnam gutes Schauspiel, SchnAAk muss man einfach gehört und gesehen haben, Lars Kutschkes Blues weist wirklich von hier nach wirklich draußen.

Überraschendster Künstler

Was hat man in all den Jahrzehnten nicht für Musik gehört, Konzerte erlebt, gelesen, geforscht! Und dann kommt ein schwedischer Dokumentarfilm-Regisseur und knallt einem einen Singer/Songwriter in Aug' und Ohr, der atem- und fassungslos macht. Einerseits, weil er solch ein großartiger Typ ist, andererseits, weil man fast beschämt zur Kenntnis nehmen muss, dass er nicht nur einem selbst bislang "durchgerutscht" ist: Sixto Rodriguez (71) aus Detroit, seit Malik Benjellouls "Searching For Sugar Man" endgültig in der Welt angekommen. Und noch vor dem Oscar 2013 gab es Kino-Aufführungen im klein-feinen Dresdner Thalia. Danke dafür!

Enttäuschte Erwartungen

Letztes Jahr stand an dieser Stelle: "Keine Erwartungen zu haben, erspart Enttäuschungen." Das funktioniert so lange, bis beispielsweise ein angemessen vergüteter Fachjournalismus in Tageszeitungen endgültig verdampft und im "Brackwasser der Beliebigkeit" (Georg Schramm) ersoffen ist. Könnte demnächst passieren. Die im Dresdner Schauspielhaus gestellten Fragen des Kabarettisten Schramm - der bald selbst das Solo-Spielen aufgibt - wirken da wie Hartmetallbohrer in der Seele: "Wann haben Sie sich das letzte Mal aufgebäumt? Kennen Sie diesen Begriff überhaupt noch? Ist er Teil Ihres aktiven Wortschatzes?"

Was fehlte in der Saison?

Das echte Aufbäumen. Und mehr als nur ein, zwei ordentliche französische Filme. "Der Geschmack von Rost und Knochen" von Jacques Audiard, so früh im Jahr gestartet - und dann nicht viel Gescheites mehr. Es könnte beruhigend sein, dass der Nachbar eben auch nur Wasser zum Kochen nimmt. Ist es aber nicht.

Worauf ist die Vorfreude groß?

Es gehört sich eigentlich, dass man Neil Young in den letzten 23 Jahren irgendwo im Land "abgeschnappt" hat. Glücklich war, dem es dereinst gelang, als der Meister mit Pearl Jam gespielt hat. Glücklich könnte werden, der den Filmnächte-Auftritt am 14. August mitnimmt. Young kommt schließlich mit Crazy Horse quasi vor die Haustür. Vorfreude darf gern auch die Wiederkehr der göttlichen Yo La Tengo (11. November, Hellerau) und die Einkehr der Aimee Mann (12. November, Lukaskirche) begleiten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.08.2013

Andreas Körner

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