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Großartiger Jazz: Ingrid Laubrock mit Band in der Tonne

Großartiger Jazz: Ingrid Laubrock mit Band in der Tonne

Sie beherrscht die Palette aller auf dem Saxofon spielbaren Töne mit Bravour. Sie hatte großartige Lehrer, spielte mit Billy Cobham, Kenny Wheeler oder Evan Parker (um nur einige zu nennen).

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Ingrid Laubrock kann ihrem Saxofon unwahrscheinliche Töne und Stimmungen entlocken.

Quelle: Matthias Creutziger

Und sie hat vor geraumer Zeit selbst vier großartige Musiker um sich scharen können, mit denen die in Deutschland geborene Saxofonistin Ingrid Laubrock erfolgreich zusammenarbeitet und mit denen sie die aktuelle Platte eingespielt hat. Diese nennt sich "Strong Place" und ist seit November auf dem Markt. Ein großer Teil von den Stücken dieser Scheibe bildete auch den Inhalt des Gastspiels der 42-jährigen Ausnahmemusikerin im Jazzclub Tonne. Und mit dieser Musik machten Ingrid Laubrock und ihre Band Anti-House den Bandnamen zum Programm. Raffinierte Arrangements verbannen ganz konsequent das dumpfe Einerlei jenes in den 1980-er Jahren in Chicago geborenen Musikstils in die Schmollecke. Ingrid Laubrocks Anti-House beweist vom ersten Ton an, wie reich und wie wunderbar vielseitig guter Jazz sein kann.

Schon das erste Stück des Abends gerät zur Demonstration. Die Pianistin Kris Davis gibt ein paar sanfte Akkorde auf dem Flügel vor, die von dem Drummer Tom Rainey aufgenommen und weitergetragen werden. Hin zu Ingrid Laubrocks Saxofon, die ein wunderbar groteskes musikalisches Inferno einleitet. Die fünf begeistern auch mit wunderbaren musikalischen Brüchen, die wie mit einem besonders scharfen Messer geschnitten erscheinen. Solch ein Bruch führt nahezu übergangslos zum zweiten Stück: dumpfe und wuchtig gezupfte Töne vom Kontrabass, die von einem kraftvollen Schlagzeug übernommen werden und schließlich in Ingrid Laubrocks energisches Saxofonspiel münden. Dieses Saxofon schreit mitunter mit fast menschlich anmutender Stimme auf, mischt sich konsequent ein und schert sich den Teufel um allen Wohlklang oder um die Vorführung irgendwelcher technischer Spielereien.

Die Band spielt streng durchkomponierte Stücke und weicht den Vorgaben niemals aus. Und dennoch hört es sich stets so an, als ob diese Musik in eben jenem Moment entstanden ist, in dem sie erklingt. Auch das ist so eine Art von Kunstfertigkeit, dieses wortlose Verständnis der fünf Musiker untereinander ist nicht etwa gespielt, es ist ganz einfach vorhanden.

Nach der Pause eröffnet ein sanftes einschmeichelndes Saxofon den zweiten Konzertteil. Doch dieser Sanftmut dauert nur kurze Zeit, dann steigert sich das Volumen und ruft ganz energisch das Piano auf den Plan. Die Gitarre fühlt sich auch angesprochen, die wiederum den Drummer und den Kontrabass motiviert. Und am Ende mündet die Musik in einer großartig gebauten jazzigen Großstadtsinfonie. Ein paar Minuten später spielen die fünf wiederum in einer völlig anderen Sphäre, sie wandern musikalisch durch eine bizarre Landschaft. Weniger fröhlich, sondern eher etwas schwermütig entwickelt sich diese Wanderung. Doch die Musik lässt jede Menge schöner Bilder vor dem geistigen Auge entstehen, die auch lange nachwirken.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.03.2013

Wolfgang Zimmermann

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