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Gregor Meyle singt im Alten Schlachthof seine Songs

Liebe, Glück und brave Geister Gregor Meyle singt im Alten Schlachthof seine Songs

Xavier Naidoo ist schuld. Denn dessen eigenwillige Musiktauschshow, offenbar in Südafrika aufgenommen und für abendliche Couchpophopper gedacht, spülte Gregor Fabian Meyle im Vorjahr dermaßen in die Publikumsgunst, dass jener nun ausverkaufte Konzerthallen bespielt.

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Gregor Meyle

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Xavier Naidoo ist schuld. Denn dessen eigenwillige Musiktauschshow, offenbar in Südafrika aufgenommen und für abendliche Couchpophopper gedacht, spülte Gregor Fabian Meyle im Vorjahr dermaßen in die Publikumsgunst, dass jener nun ausverkaufte Konzerthallen bespielt - so wie jetzt den Alten Schlachthof zu Dresden. Da muss er seine Songs allerdings selbst singen, was zu einer recht monotonen Angelegenheit wurde.

Eigentlich ist es unglaublich, wie der deutsche Musikmarkt fernab von Bühnenlivequalitäten funktionieren kann. Denn Meyle, Jahrgang 1978 und aus Backnang stammend, sieht ein bisschen aus wie Heinz Rudolf Kunze mit Bart und Hut. In guten Momenten klingt seine Stimme nach Jan Delay oder Stoppok, aber seinen Texten wohnt statt Esprit oder gar Relevanz leider nur Zucker inne: Er singt nur von sich und braucht zum Reimen genauso viel Liebe und Glück wie unser Bundespräsident Freiheit. Überhaupt sind seine Lieder und die Stimmung dermaßen warmherzig, dass sich auf eine kalte Welt da draußen vor den Empfangsgeräten seiner reichlichen Fans schließen lässt.

Aber erlaubt ist, was gefällt. Und am besten gefällt, was sich gut verkauft. Und das tut Meyle. Seine jüngsten beiden Platten haben Goldstatus, 31 weitere Konzerte hat er ein Jahr im Voraus schon geplant. In Dresden spielt er routiniert sein sechs Wochen junges Livealbum, was einfach "Live 2015" heißt, herunter. Ansonsten passiert nicht viel, seinen neun Begleitmusiker, darunter ein dreiköpfiger Bläsersatz, sind alles Profis, denen er zarte Soli gönnt, ohne sie jemals richtig von der Leine zu lassen.

Zwischen recht infantilen Spielchen mit seinem Publikum, das genauso brav wie die Musik von der Bühne mit Winken, Singen von "Hey" und "Huh" oder Fingerschnippsen mitmacht, belöffelt er seine Musiker, erzählt von seinem schönen Leben mit schönen Reisen oder von seiner Hochzeit, beteuert, dass eine Million Flüchtlinge für ihn kein Problem sind und dass ihm irgendwo ein Song für einen Flüchtling einfiel. Dieser Titel, vorgetragen als Ballade, gelingt wunderbar, danach widmet er sich wieder dem Lapidaren, wechselt aus dem Weichspülpop- sogar mal mit Banjo in den Countrymodus, aber sonst sind Überraschungen oder mal ein Temporitt mit Rockattitüde Fehlanzeige.

Doch der Vorverkauf für den nächsten Meyle-Auftritt hat bereits begonnen - und der muss gut werden, denn die zurückliegende Show hieß entsprechend: "Das Beste kommt noch". Am 10. Dezember 2016 herrscht also wieder strikter Pärchenbetrieb im Alten Schlachthof. Einige, die gelangweilt eher gingen, werden darauf verzichten und über 36 Euro pro Person sparen. Dafür kann man gut und gerne zweimal in den Beatpol oder dreimal in die Groove Station - und bekommt echte Bands mit inspirierter Liveshow.

Andreas Herrmann

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