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Grafik und Malerei von Christine Ebersbach in der Sächsischen Landesärztekammer

Land in Sicht Grafik und Malerei von Christine Ebersbach in der Sächsischen Landesärztekammer

Das Thema von Christine Ebersbach ist die Landschaft. Daraus gewinnt sie ihre Motive, schafft in der Folge Bilder maßvoller Strenge, die meist keine Menschen zeigen. Gleichwohl ist deren Wirken oft sichtbar: in Gestalt von Gebäuden, Straßen, Häfen, Schiffen, Flughäfen und Flugzeugen etwa.

Dresden. Das Thema der Künstlerin ist die Landschaft. Daraus gewinnt sie ihre Motive, schafft in der Folge Bilder maßvoller Strenge, die meist keine Menschen zeigen. Gleichwohl ist deren Wirken oft sichtbar: in Gestalt von Gebäuden, Straßen, Häfen, Schiffen, Flughäfen und Flugzeugen etwa. Christine Ebersbach (geb. 1954 in Strelln) wuchs in Halle auf, ist in der Leipziger "Szene" verwurzelt, wenngleich sie 1995 - Folge steigender Mieten - mit ihrem Mann, dem Maler Wolfram Ebersbach, nach Wurzen zog.

Ihr Thema hat sie schon während des Studiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst gefunden (1973-1978). "Landschaft" war dazumal gerade in Leipzig, wo Tübke, Mattheuer und Heisig eine große geschichtliche Bögen thematisierende Malerei pflegten, keineswegs selbstverständlich, hatte aber zugleich den Vorteil, einigermaßen ungestört der selbstgestellten Aufgabe folgen zu können. Gleichwohl scheinen Christine Ebersbachs Bilder nicht weniger existenziellen Fragen zugeneigt, wie es einst die großen bildnerischen Erzählungen des Leipziger Dreigestirns auf unterschiedliche Weise für sich beanspruchten.

Die spezielle Domäne der Künstlerin ist der (Farb)Holzschnitt. Das verdeutlicht auch die aktuelle Ausstellung "Land in Sicht" in der Sächsischen Landesärztekammer. Zuvorderst sei auf die groß dimensionierten Blätter im Foyer verwiesen, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Werden die kleineren Arbeiten auf einer Presse, wenn auch nur in wenigen Exemplaren, gedruckt, so müssen die großen Bögen mit der Hand - unterstützt von einem aus Japan stammenden speziellen Gerät - abgerieben werden, selbstverständlich mehrmals, arbeitet die Künstlerin doch mit drei, vier Farben, die sich teils in dünnen Schichten übereinanderlegen, durchdringen. Wirken die Holzschnitte mitunter auf den ersten Blick fast wie Aquarelle, so entdeckt man beim Herantreten feinste Strukturen des Holzes, die die Transparenz der Farben verstärken, die Flächen zum Vibrieren bringen. Es ist kein Zufall, dass der Leipziger Kunstwissenschaftler Meinhard Michael von diesen Blättern eine Verbindung zum japanischen Holzschnitt zieht. Beste Grundlagen für solch hohe Qualität wurden zweifellos während des Grafikstudiums der Künstlerin bei Rolf Kuhrt und Dietrich Burger gelegt.

Die Klarheit des grafischen Arbeitens bestimmt ebenso die später in Angriff genommene Acrylmalerei. Sie zeichnet sich ebenfalls durch einen strengen Aufbau aus, wirkt manchmal fast spröde. Wichtiges Kennzeichen ist auch hier eine deutlich flächige Gestaltung, die verschiedentlich durch Senkrechte wie Lampenmasten oder Diagonalen, wie sie etwa die Planken eines Stegs bilden, aufgebrochen wird. Der betont ruhige Bildaufbau findet wie bei den Holzschnitten in einer zurückhaltenden, naturhaften, zugleich überwiegend kühlen Farbigkeit seine Entsprechung. Dazu dürften die besuchten Landschaften beigetragen haben, weckt doch vor allem der Norden das Interesse von Ebersbach.

Eine dritte Arbeitsebene bilden die farblich ebenfalls zurückhaltenden, kleinen Aquarelle, die unmittelbar vor Ort entstehen. Oft - das zeigt die in der Ärztekammer präsentierte Auswahl - erreichen sie die Stufe eines gültigen Bildes. Sie, aber auch Studien und auf ein mögliches Motiv ausgerichtete Fotografien wiederum sind die Grundlage für im Atelier in Angriff genommene Bilder. Bis zur Umsetzung vergehen allerdings manchmal Jahre.

Christine Ebersbachs Landschaften lassen dank ihrer Schnörkellosigkeit die Größe, ja Macht, der Natur spüren. Eine für den Betrachter fast körperlich wahrnehmbare Ruhe und ungeheure Weite, die ein Gefühl von Endlosigkeit vermittelt, scheinen Wesensmerkmale der Motive - tiefe Fjorde, das Meer bis an den Horizont, wenig bewachsene, hohe Berge, einsame Seen, verlorene Anlegestellen, schmucklose Gebäude in weitem Land, ebensolche Rollfelder, steinige Strände, weite Himmel. Die Künstlerin entdeckt diese Motive bei ausdauernden Streifzügen - früher an der Ostsee, in jüngerer Zeit in Norwegen, die Lofoten eingeschlossen, ebenso auf Island und 2015 in den Schweizer Bergen, wo sie mit ihrem Mann ein Atelierstipendium genießen konnte. Verwandtes hat sie aber auch schon im Braunkohlerevier um Leipzig gefunden. Den Süden hat sie zwar ausprobiert, aber die nördlichen Küsten- und Berglandschaften entsprechen wohl mehr ihrer Empfindungswelt. Die ungeheure Weite, die Möglichkeiten des Handelns offeriert, und die gleichzeitig unmittelbar wahrnehmbare Begrenzung dieser Möglichkeiten durch die Gewalt der Natur, liegen hier auf eine Weise beieinander, wie es anderswo kaum der Fall ist. Daneben erwähnt die Künstlerin auch praktische Gründe für Skandinavien: Es ist die Möglichkeit der Ungebundenheit, die es erlaubt, überall mit dem Auto zu halten und sein Zelt aufzuschlagen.

Gleichwohl kommt in ihren Werken etwas über das Persönliche, Individuelle Hinausgehendes zum Ausdruck: eine Art Sehnsuchtsgefühl nach Innehalten, Besinnen, das in unserer Zeit durchaus allgemeiner Natur ist. Vermittelt wird es über die Form, die in ihrer Reduktion dem medial geprägten Blick entgegenkommt. Landschaft als Thema bleibt so etwas Gegenwärtiges, ohne falsche Romantisierung, aber nicht generell ohne Romantik. Weite, endlose Himmel, der Blick übers Meer und über hohe Berge in die Ferne gelten seit Caspar David Friedrich als Ausdruck vom An-Grenzen-Sein und deren möglich scheinender Überschreitung - zumindest im Geistigen.

Diese Dimension dürfte neben der formalen Qualität der Arbeiten Hintergrund für das andauernde Interesse an Christine Ebersbachs Kunst sein, das sich in regelmäßigen Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in ganz Deutschland und darüber hinaus, in gewährten Arbeitsaufenthalten beziehungsweise Stipendien sowie Preisen, aber auch Ankäufen durch Museen, Sammlungen und Unternehmen niederschlägt.

Bis 17. Januar, Mo-Fr 9-18 Uhr, Sächsische Landesärztekammer, Schützenhöhe 16

Lisa Werner-Art

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