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Grafik-, Holz- und Linolschnitte der Künstlerin Stephanie Marx in der Sächsischen Landesärztekammer

Grafik-, Holz- und Linolschnitte der Künstlerin Stephanie Marx in der Sächsischen Landesärztekammer

Stephanie Marx, Dresdnerin in Leipzig, nennt ihre Ausstellung nüchtern "Grafik. Holz- und Linolschnitte". Die Einladung zeigt einen englischroten "Herzkasper"(2012), typisch für jene Linie ihres Werkes, die das Hintergründige, Skurrile, surreal Max-Ernst-hafte ihrer Inspirationen zeigt.

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Stephanie Marx. Sparrhorn (Oberwallis), Farbholzschnitt, 2011. Repro: Landesärztekammer

Quelle: Repro: Landesärztekammer

Eine "Irritation" - so nannte sie 2008 ihre Ausstellung in der Leipziger Galerie Hoch und Partner - ist es auch jetzt. In den vergangenen fünf Jahren hat sie ihr Druck-Werk mit Fleiß und Zähigkeit vorangetrieben - bis in fast monumentale grafische Formate wie die komplexen Schnitte des "Robonaut" (2012) und seiner vielleicht humanen Gegen-Vision "Fortunica"(2013). Für die Schau in der Sächsischen Landesärztekammer hat sie beide auf großformatige Metallplatten gedruckt. Diese und weitere große, Zeichen setzende Linolschnitte und -stiche sind eine exzellent gearbeitete grafische Herausforderung in ihrer Generation, ja darüber hinaus.

Stephanie Marx hatte das Glück, in einer Zeit an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst zu studieren (1999-2003), als dort noch bedeutende Grafiker als Lehrer wirkten. Gemeint ist die Fachklasse Freie Grafik von Karl-Georg Hirsch, Rolf Münzner und Ulrich Hachulla. Die unseligen "Modularisierungen" und "Pädagogisierungen" der künstlerischen Studiengänge heute auch an sächsischen Akademien, ebenso ihr verordneter Massenbetrieb, hatten zu Stephanie Marx' Studienzeit das Arbeitsethos, die innige Verbindung von Metier und Lehrer noch nicht untergraben. Es ist immer die auf ein achtbares Werk gegründete Ausstrahlung einer Künstlerpersönlichkeit, die für künstlerische "Lehre" unersetzlich ist.

Dass der Künstlerin die zähe Werkarbeit und die "Wege der Einsamkeit", von denen etwa Karl Hofer sprach, die befreiende Selbstfindung durch künstlerische Intensität und stille Konzentration nah und wesentlich sind, spürt man. Ihre großen, farbig noblen Holzschnitte - genannt sei die gerade entstandene fulminante Mappe mit Schweizer Alpenmotiven - bringen ein Bekenntnis zum Elementaren, Existenziellen zum Ausdruck. Diese grafisch besonders schönen Blätter mit den markanten Gipfeln des Oberwallis erreichen eine ganz zwingende Verdichtung des Motivs.

Alle Drucke der Künstlerin zeigen einen ausgeprägten Stil, suchen Ordnung und Klarheit der Formen, sind von den grafischen Spannungsverhältnissen und bildnerischen Baugesetzen der Flächenordnung und Übertragung des Tiefenräumlichen in kompositorische Schlüssigkeit des Bildnerischen bestimmt. Die oft stillebenhaften, menschenleeren, kargen Landschaften, etwa "Elstereck", "Stellwerk", "Alte Mensa der Leipziger Universität" (alle 2006), neu "Bei Auerstedt", entfalten eine eigene, zwingende Poesie, häufig Melancholie. Das Kleinliche, Naturalistische, Unbedeutende fällt weg. Gleichzeitig verstärkt Stephanie Marx die wesentlichen Formen zu zwingenden, unerwarteten Bildzeichen.

Alle Drucke der Künstlerinzeigen einen ausgeprägten Stil, suchen Ordnung und Klarheit der Formen

Die Auflagen der großen Blätter umfassen oft nicht mehr als zehn Abzüge, sind also rar und original mit den leichten Variationen, die dem Handdruck eigen sind. Sie bedient sich beim Schneiden der selten angewendeten Technik der "verlorenen Form", das heißt, zuerst wird die hellste Platte gedruckt, dann werden die anderen Farben von der jeweils weiter bearbeiteten, "weg geschnittenen" Platte aufgedruckt. Diese Farben liegen in geringen Tonwertintervallen beieinander. Graus, warme gelbliche oder kühle grünliche Skalen, bis rötlich, Graublau, Umbra, Schwarzbraun sind bestimmend.

Stephanie Marx negiert nicht die Naturwahrheit ihrer Gegenstände, ob es nun eine stillgelegte Fabrik ist, ein alter Betonkasten am Elstereck, der zum "Geisterkahn" wird, oder die Silhouetten der Hafenkräne gegen den Meereshorizont in "Warnemünde" . Sie transformiert die naturwahren Motive nach den Raum bildenden Richtungsspannungen bildnerischer Logik und klärt Motiv und Raum durch eine maßvolle Verfremdung.

Einen anderen kräftigen Strang ihres sich entfaltenden grafischen Werkes bilden die allegorischen, grotesken Stiche und Schnitte, ausgehend etwa von Blättern wie "Walzenspinne", "Monstertreck" (beide 2007). Mit surrealistischer Lust steigert sie sie heute weiter hin zu "Augentrost" oder "Seeigel". Tagträume, ein fast "halluzinatives Schauen", eine "Kraft der Metamorphose" (Carl Einstein) des bildnerischen Gestaltwandels, etwa der menschlichen Figur, werden bedrängend sichtbar. Menschen-Verdinglichung, technoide Erstarrung des Leibes, ja Alptraumhaftes scheint auf. Diese Vermischungen des Lebendigen mit der toten Dingmaterie sind deutliche Kennzeichen für das Groteske...

Solcher geahnten "Entseelung des Lebens" (Ernst Bloch, 1935) stellt Stephanie Marx ihre hellen, atmenden, monolithischen Holzschnitte der Landschaften gegenüber. Auch sie tragen die zivilisatorische Spannung unserer Existenz, wollen jedoch die Menschenräume beseelen. Das realisiert sie mittels meisterlicher Schnitttechnik!

Hubertus Giebe iRede (gekürzt) zur Eröffnung

Ausstellung bis 18. Mai, Sächsische Landesärztekammer, Schützenhöhe 16, Mo-Fr 9-18 Uhr. www.slaek.de

Arbeiten von Stephanie Marx zeigt auch die Kunstausstellung Kühl in ihrer Präsentation "Stephanie Marx, Thomas Lindner, Konrad Henker" (bis 1. Juni)

www.kunstausstellung-kuehl.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.04.2013

Hubertus Giebe

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